Sparsamer und größer

Das ist Münchens neuer Super-Bus

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So schaut der neue Bus mit Anhänger aus.

München - Münchens Nahverkehr platzt aus allen Nähten. Wie soll die MVG mit dem immer größer werdenden Fahrgastaufkommen fertig werden? Eine der Lösungen sind Busse mit Anhänger!

MVG-Chef Herbert König hat jetzt im polnischen Poznan (Posen) zehn Busse mit Anhängern bestellt. Die tz war mit ihm auf Werksbesuch …

Busse mit Anhängern gehörten in München schon einmal zum Stadtbild – im Jahr 1960 hat die Bundesregierung den Einsatz dieser Fahrzeuge aber aus ordnungspolitischen Gründen verboten.

Dabei hat ein Bus mit Anhänger große Vorteile gegenüber einem Gelenkbus mit einer Art Ziehharmonika in der Mitte. So finden in einem 18 Meter langen Gelenkbus 100 Passagiere Platz, in einem 23 Meter langen Bus mit Anhänger aber 130 Passagiere. „Ein großer Vorteil ist auch, das wir unter der Woche die Busse mit Anhänger fahren können, während wir ihn am Wochenende oder an Feiertagen abkoppeln können. Damit sparen wir Diesel – und der Anhänger wird geschont“, erklärt König weiter. Genau aus diesen Gründen erlebt der Buszug, wie man das Gespann auch nennt, schon seit einigen Jahren wieder eine Renaissance in Deutschland. König: „Buszüge sind schon in 20 Verkehrsbetrieben in Deutschland im Einsatz.“ Und ein Testbetrieb mit einem in Fürth ausgeliehenen Gespann lief in München im Sommer 2011 auf der Metro-Bus-Linie 60 erfolgreich.

„Die Technologie ist fortgeschritten“, so König. So hatten die Anhängerbusse in den 60er-Jahren nur eine bewegliche Achse, heute kann der Busfahrer beide Achsen des Anhängers lenken. „Damit hat der Bus den gleichen Wendekreis wie ein normaler, kurzer 12-Meter-Bus“, erklärt Stefan Baguette, Sprecher des polnischen Busherstellers Solaris in Poznan. „Der Anhänger fährt exakt in der gleichen Spur, wie der Bus vor ihm.“ Das sei bei den alten Buszügen mit starrer Hinterachse anders gewesen. Sie hätten, so Baguette, stärker die Kurve geschnitten als der Bus vor ihnen.

Solaris ist ein Familienbetrieb, der als Lizenz-Hersteller deutscher Neoplan-Busse anfing und mittlerweile selbst sehr erfolgreich vor allem Nahverkehrsbusse produziert.

Aber wieso bestellt Herbert König die neuen Buszüge in Polen? „Weil wir von Solaris im Rahmen einer Ausschreibung das wirtschaftlichste Angebot bekommen haben“, so der MVG-Chef. Kein Wunder: Liegen die Löhne der Monteure in Polen bei rund 1600 Euro brutto doch deutlich unter denen der deutschen Kollegen, die 2300 bis 3200 Euro brutto bekommen.

Allerdings werden in dem Anhängerbus ZF-Achsen aus Passau, Knorr-Bremsen aus München, MAN-Motoren aus Nürnberg und viele weitere Teile aus Deutschland verbaut. Auch der Anhänger kommt komplett aus Deutschland. Er wird von der Augsburger Firma Göppel geliefert.

Mitte Juni soll der erste Buszug nach München ausgeliefert werden. Dann werden die ersten Fahrer dafür geschult, im Juli werden die restlichen neun Buszüge geliefert, die voraussichtlich auf den Buslinien 53, 60, 140, 141 und 170 spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 zum Einsatz kommen.

Datenblatt

Genaue Bezeichnung:­Solaris Urbino 12 mit ­Anhänger Göppel Go4CityT

Länge: 22,99 Meter

Breite: 2,55 Meter

Höhe: 3,07 Meter

Kapazität: 134 Fahrgäste ­(davon 61 Sitzplätze)

im Zugfahrzeug 70 (31)

im Anhänger 64 (30)

Für die Sicherheit:

Videoüberwachung

Gegensprechanlage

Absperrbänder zwischen Bus und Anhänger

Sonstige Ausstattung:

Klimaanlage

Fahrgastinformation mit Flachbildschirmen

Mehr Platz für Kinderwagen und Rollstühle

Fünf breite Doppeltüren für schnellen Aus- und Einstieg

Johannes Welte

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