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Streit ums Erbe: Fachanwalt erklärt, wie man den Pflichtteil reduziert - und dadurch Millionen spart

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Von: Andreas Thieme

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Erbe richtig ausschlagen
Nach dem Erbe die Vermögens- und Schuldverhältnisse eines Verstorbenen zu analysieren, kann ganz schön aufwendig sein. © Christin Klose/dpa-tmn

Viele Menschen bedenken ihre Familie nach dem eigenen Tod zwar großzügig. Doch oft gibt es in Familien auch Streit. Ein Rechtsanwalt gibt Tipps für Erblasser. 

München - Gibt es innerhalb der Familie Streit mit den Kindern, lässt sich deren Erbe zwar durch ein Testament ausschließen. „Allerdings bleiben sogenannte Pflichtteilsansprüche als Geldansprüche bestehen“, sagt Prof. Wolfgang Böh aus München. Diese betragen quotal 50 Prozent des gesetzlichen Erbrechts, ergänzt der Fachanwalt für Erb- und Steuerrrecht. Hat also eine alleinstehende Person zwei Kinder und möchte ein Kind enterben, so habe dieses enterbte Kind einen Pflichtteilsanspruch mit einer Quote von eins zu vier. „Insgesamt ist es schwierig, einen Pflichtteilsanspruch ganz auszuschließen.“ Böh empfiehlt aber folgende Maßnahmen, die zumindest zu einer Reduzierung dieser Ansprüche führen können.

Tipp 1: Schenkungen können den Pflichtteilsanspruch reduzieren

Lebzeitige Schenkungen können dazu führen, dass der Pflichtteilsanspruch reduziert wird. Zwar werden solche Schenkungen innerhalb bestimmter Zeiträume noch für den Pflichtteilsanspruch berücksichtigt. „Je älter eine Schenkung ist, desto geringer ist der zu berücksichtigende Wert“, sagt Böh. Diese Gestaltung sollte jedoch nicht ohne rechtsanwaltliche Beratung durchgeführt werden, da es viele Fallstricke gibt, bei denen das Ziel der Pflichtteilsreduktion verfehlt wird.

Tipp 2: Heirat oder Adoption senkt die Ansprüche

Eine typische Konstellation sei, dass eine Person in einer nicht ehelichen Beziehung lebt und Kinder aus einer vorangegangenen Beziehung hat. „Dann sind nur die Kinder erb- und damit pflichtteilsberechtigt“, sagt Wolfgang Böh. Pflichtteilsansprüche ließen sich dadurch reduzieren, dass geheiratet wird, da sich hierdurch die Quote der Kinder erheblich reduziert. Ein ähnlicher Ansatz sei, dass der spätere Erblasser noch zu Lebzeiten, wenn sich dies im Einzelfall anbietet, eine Person adoptiert. „Auch hierdurch reduziert sich die Quote.“

Tipp 3: Ins Ausland ziehen, denn dort gibt es kein Pflichtteilsrecht

Eher ungewöhnlich, aber im Einzelfall eine weitreichende Option sei, dass der spätere Erblasser ins Ausland verzieht. „Es gibt weltweit zahlreiche Länder, vor allem im anglo-amerikanischen Rechtsraum, die kein Pflichtteilsrecht kennen“, erklärt Böh. Da Deutschland mit Blick auf die sogenannten EU-Erbrechtsverordnung bei der Frage, welches Erbrecht gilt, darauf abstelle, wo der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte, wäre das ausländische Erbrecht bei einem Wegzug anwendbar. „Es gibt in diesem Fall keinen Pflichtteilsanspruch mehr.“

Tipp 4: Lebzeitige Schenkungen

Im Einzelfall können bereits erfolgte lebzeitige Schenkungen an die pflichtteilsberechtigte Person zu einer Reduzierung des Pflichtteilsanspruchs führen. „Dies sollte zur Pflichtteilsvermeidung im Einzelfall überprüft werden“, rät Böh.

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