Münchens stille Örtchen

Zoff um städtische Klos: Neues Konzept gefordert

München - Die Stadt braucht ein neues Klo-Konzept, fordert die SPD. Seit fast einem Jahrzehnt gibt es Zoff um die öffentlichen Toiletten. Geändert hat sich aber kaum etwas.

München, Weltstadt mit Herz – aber ohne Toiletten! Das rieben die Bürger dem seinerzeit rot-grünen Rathaus jahrelang unter die Nase. Seniorenbeiräte und Bezirksausschüsse machten Druck. Die damalige CSU-Opposition betrieb mit dem anrüchigen Thema Wahlkampf. Doch jedes Konzept von Rot-Grün ging in die Hose. Jetzt stinkt’s auch der SPD: Sie fordert ein neues Klo-Konzept!

Seit bald einem Jahrzehnt dauert der Häusl-Kampf: Immer wieder wurde untersucht, geprüft, überlegt – und der Plan wieder runtergespült. CSU-Fraktionschef Hans Podiuk höhnte einst von den Oppositionsbänken: „Der Start einer Mondrakete braucht weniger Planung als eine Klo-Sanierung in München!“

Vor einem Jahr beschloss der Stadtrat mit den Stimmen von Rot-Grün, dass die 70 Toiletten des Kommunalreferats zur Hälfte zugesperrt und zur Hälfte saniert werden. Danach sollten Nutzer mit 60 Cent zur Kasse gebeten werden. Geschehen ist seitdem nichts …

CSU: "Rot-Grün hat immer geblockt"

Der SPD pressiert es nun. Immer mehr Menschen ziehen nach München, immer mehr Touristen kommen – und die Münchner werden auch nicht jünger. „Wir brauchen ein plausibles und zukunftsweisendes Konzept“; sagt Stadtrat Hans Dieter Kaplan. „Und: Wir brauchen dieses Konzept schnell.“ Kiosk-WC-Kombis hätten sich bewährt, weil sich die Pächter um die Reinigung kümmern.

Für die Spielplätze zieht die Fraktion eine alte Idee aus der Tonne – die „Nette Toilette“. Wirte öffnen ihre Häusl auch für Nicht-Kunden und die Stadt zahlt für die Reinigung. Stadträtin Ulrike Boesser sagt: „Jeder, der Kinder hat, weiß: Wenn sie sagen, dass sie müssen, pressiert’s meistens schon.“ In der Innenstadt aber hatten die Wirte das bislang abgelehnt.

Die CSU sieht sich bestätigt. „Seit Jahren beklagen wir die beschämende Situation“, sagt Podiuk heute von der Regierungsbank aus. „Rot-Grün hat immer geblockt. Vielleicht war der Druck doch zu groß, das Thema auszusitzen.“ Auch die Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich hat heute nichts gegen die Idee: „Die Situation ist wirklich nicht besonders rosig.“

David Costanzo

Rubriklistenbild: © Bodmer

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