Landesliste für die Bundestagswahl

SPD-Gerangel in München um beste Listenplätze

Claudia Tausend ist auf Platz zehn abgesichert.
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Claudia Tausend ist auf Platz zehn abgesichert.

Sebastian Roloff und Claudia Tausend haben auf der SPD-Landesliste zur Bundestagswahl aussichtsreiche Plätze. Tausend musste sich allerdings einer Gegenkandidatin erwehren.

Florian Post war wie berichtet auf der Landesliste nicht mehr angetreten und konzentriert sich auf den Kampf um das Direktmandat im Münchner Norden.

Corona-Not macht erfinderisch. Bayerns SPD traf sich am Samstag zur Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl in einem Fußballstadion. Unter freiem Himmel. Münchens SPD-Chefin Claudia Tausend berichtete: „Kalt war’s und windig war’s.“ Dass sie selbst im Stadion des SC Schwabach (Mittelfranken) dabei auch im übertragenen Sinne ins Frösteln gekommen sein könnte, dementierte die 56-Jährige allerdings.

Münchens SPD-Chefin Tausend musste um ihren vorgesehenen Listenplatz bangen

Die Bundestagsabgeordnete musste nämlich um ihren vom Landesvorstand vorgesehenen Listenplatz zehn bangen. Sabine Dittmar (56) aus Würzburg forderte Tausend (Wahlkreis München-Ost) heraus. Bei der Kampfabstimmung setzte sich die Münchnerin dann klar mit 85 zu 48 Stimmen durch – und kam so mit einem blauen Auge davon. Sebastian Roloff (38), der für die Münchner SPD im Süden antritt, wurde ohne Gegenkandidat mit 87,8 Prozent der Stimmen auf Platz fünf gewählt. Damit dürften die Sozialdemokraten aus der Landeshauptstadt weiterhin mit zwei Mandatsträgern im Bundestag vertreten sein. Die dritte Münchner Kandidatin auf der Landesliste, Seija Knorr-Köning (West/Mitte), landete auf Platz 32. Die junge Sozialpolitikerin (26) gilt als Zukunftshoffnung.

Aktuell ist die bayerische SPD mit 18 Abgeordneten im Bundestag vertreten. Bei der Wahl 2017 kam die SPD im Freistaat auf 15,3 Prozent. Doch angesichts der anhaltend schlechten Umfragewerte wird die SPD im September dieses Ergebnis wohl kaum halten können. Als relativ sichere Listenplätze gelten aktuell nur noch die Positionen eins bis zwölf. Hätte Tausend gegen Dittmar verloren, wäre sie auf Platz 14 zurückgefallen. Nach dem parteiinternen Beben um Florian Post schrammte die Münchner SPD also haarscharf am nächsten Ärger vorbei.

Sebastian Roloff tritt auf Platz fünf an.

Was Tausend und Roloff jedoch komplett anders bewerteten. Tausend geht davon aus, dass die bayerische SPD ihre 18 Mandate wird zumindest verteidigen können. Dass sie sich einer Gegenkandidatin erwehren musste, sei ein demokratisch legitimer Vorgang. Tausend und Roloff betonten überdies, dass die Münchner und die oberbayerische SPD bei der Reihung auf der Landesliste noch nie so gut dagestanden seien.

Eklat in Münchner SPD: Alt-OB Ude sprach von „Heckenschüssen“

Wie berichtet, war Florian Post, der zusammen mit Tausend das bisherige Münchner Bundestags-Tandem bildet, bei der Wahl zur Oberbayern-Liste der SPD von Roloff von Platz eins verdrängt worden. Der hatte seine Kandidatur für die Spitzenposition bis kurz vor Torschluss geheim gehalten. Auch der Münchner SPD-Parteivorstand war nach eigenem Bekunden nicht eingebunden. Als Post daraufhin auf eine Listenkandidatur verzichtete, war der interne Eklat perfekt. Erst recht, nachdem der 39-Jährige seine Ausbootung mit massiven Angriffen auf die Partei quittierte. Er sprach von einem „Angriff aus dem Hinterhalt“. Nach Posts Demontage trat der Münchner Partei-Vize Roland Fischer zurück, Alt-OB Christian Ude sprach von „Heckenschüssen“. Ungeachtet dessen will Post um das Direktmandat im Münchner Norden kämpfen. Gewinnt er dieses nicht, ist er nicht mehr im Bundestag vertreten.

Roloff zeigte sich am Samstag bereits kurz nach der Wahl „überwältigt und dankbar“ für die Reihung auf Platz fünf. Der 38-Jährige, geboren in der Oberpfalz, arbeitete lange als Jurist bei der IG Metall. Seit zwei Jahren ist Roloff Personalleiter bei MAN und begleitet somit auf der Arbeitgeberseite den Transformationsprozess des Industrieunternehmens.

Fünf Oberbayern auf aussichtsreicher Position

Wie erwartet führt Uli Grötsch die bayerischen Genossen auf Platz eins der Landesliste in die Bundestagswahl. Der Generalsekretär der Bayern-SPD – er stammt aus Weiden in der Oberpfalz – gilt als designierter Nachfolger der scheidenden Parteichefin Natascha Kohnen. Auf Platz zwei folgt Bärbel Kofler, die seit 2004 für den Wahlkreis Traunstein und Berchtesgadener Land im Bundestag sitzt.

Neben den Münchnern Sebastian Roloff und Claudia Tausend, deren Einzug in den Bundestag als gesichert gilt, haben zwei weitere Oberbayern Chancen: Michael Schrodi, Direktkandidat für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck, wurde auf Platz 13 eingereiht, Andreas Mehltretter (Freising) auf 15. Um Platz 18 kam es zu einer brisanten Kampfabstimmung zwischen Bela Bach (München-Land) und Martina Stamm-Fibich aus dem Bezirk Schwaben. Bach hatte wie Florian Post vor einer Woche auf der Oberbayern-Liste keinen aussichtsreichen Platz bekommen. Sie scheiterte an der stellvertretenden Juso-Landeschefin Carmen Wegge, die für den Wahlkreis Starnberg/Landsberg (Platz 20) antritt. Auch bei der Aufstellung zur Landesliste musste Bach nun eine Niederlage einstecken. Die Bundestagsabgeordnete will sich nun komplett aus der Politik zurückziehen. kv

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