Schon über 100 Eintritte

Münchner SPD: Ansturm wegen Schulz

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Elfie Rössler ist eine von Dutzenden neuen SPD-Mitgliedern in München.

Wenn Elfi Rössler (67) die Zeitung aufschlägt, fühlt sie sich an die Ära Brandt erinnert. Wie damals, als Willy Brandt 1969 Kanzler wurde, herrsche heute eine „Umbruchstimmung“, sagt die Münchnerin.

München - Erst der „Trump-Schock“ im November, jetzt dieser „ehrliche Mann“, der sich von ganz unten „hochgekämpft“ habe. Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD, hat sogar geschafft, was Brandt vor fast 50 Jahren nicht gelang: Er hat Elfi Rössler dazu bewegt, in die SPD einzutreten. Und nicht nur sie.

100 Eintritte, seit Schulz vor zwei Wochen seine Kandidatur angekündigt hat – das war die Bilanz der Münchner SPD Ende der vergangenen Woche. „Bisher hatten wir wöchentlich sechs neue Mitglieder“, sagt Bernhard Goodwin, Sprecher der Münchner SPD. Schon die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten habe im November eine „Beitrittswelle“ ausgelöst: 38 neue Mitglieder hatte die Münchner SPD innerhalb einer Woche begrüßt. Nach dem Trump-Effekt jetzt also der Schulz-Effekt.

Mit Schulz sei „das Strahlen zurück in den Augen“ der SPD-Mitglieder, sagt Goodwin. Schulz, der in Umfragen mittlerweile Merkel überholt hat, sei ein „Vorbild“ für junge Menschen, sagt der Münchner Fraktionschef Alexander Reissl. Alles ist möglich, im Bund aber auch in Bayern – dieser Satz geht gerade um in der SPD.

Auch OB Dieter Reiter macht eine „Aufbruchstimmung“ aus, die er noch nie erlebt habe. Schulz, „authentisch und voller Leidenschaft“, mache die SPD wieder zu der „Partei der kleinen Leute“. Reiter: „Er zeigt den Menschen, dass er sich kümmert.“

Chris Schinke, 33, ist vor zwei Wochen in die SPD eingetreten. Der freiberufliche Texter hatte schon lange über ein politisches Engagement nachgedacht. Schon der Großvater war SPD-Mitglied … „Bislang habe ich das Geschehen eher beobachtet“, sagt Schinke. „Jetzt reicht es aber nicht mehr, Artikel auf Facebook und Twitter zu teilen. Ich muss etwas tun!“

Die SPD-Neulinge warten derzeit noch auf ihre roten Parteibücher. Die waren nämlich der Münchner Parteizentrale zwischenzeitlich ausgegangen … 

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