Spektakulär: War der Kini ein halber Italiener?

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Der Märchenkönig Ludwig II. – war sein Vater ein Italiener? Das glaubt der Autor Rudolf Reiser. Es könnte sich dabei um Luigi Tambosi (1810 - 1875) handeln, den legendären Münchner Kaffeehaus-Besitzer. Der Tod im See war für Reiser übrigens Mord. Dafür gebe es neue Beweise

München - Sind Sie ein Anhänger unseres Kini, ein Bewunderer von Märchenkönig Ludwig II., ein Freund der Wittelsbacher? Dann müssen Sie jetzt ganz stark sein. Es gibt pikante Neuigkeiten.

Denn es gibt angeblich Beweise dafür, dass Bayerns beliebtester Monarch gar kein Spross der Wittelsbacher, sondern der Sohn eines Italieners ist!

Das behauptet zumindest Rudolf Reiser. Der 69-jährige Historiker, der 30 Jahre als Wissenschaftsredakteur für die Süddeutsche Zeitung tätig war, beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit Ludwig II. Jetzt hat er eine neue Biografie (Ludwig II. – Mensch und Mythos zwischen Genialität und Götterdämmerung) über den sagenumwobenen Herrscher geschrieben. Und darin präsentiert er Aufsehenerregendes. So behauptet er unter anderem:

  • Ludwig II. (der 1845 geboren wurde) ist nicht der Sohn Maximilians II., weil sich dieser 1835 in den berüchtigten Budapester Bädern den Tripper geholt hat. Und da Maximilians Ehefrau Marie diese Krankheit nachweislich nicht hatte, schließt Reiser, dass ihre Kinder von einem anderen Mann sind! Freiwillig ist Marie laut Reiser aber nicht fremdgegangen: Er glaubt, dass sich ein Mann an ihrer Königlichen Hoheit vergangen hat, nachdem man sie mit Alkohol abgefüllt hatte.
  • Unglaublich auch: Reiser ist sich sicher, dass der Kini seinen wahren Vater kannte. Dabei soll es sich um einen Italiener handeln, der angeblich in den (bisher unveröffentlichten) Memoiren des berühmten Münchner Architekten Leo von Klenze (1784-1854) beschrieben sein soll. Um wen es sich dabei handelt? Reiser verrät nur, dass der Name noch heute in München ein Begriff ist. Lüften will er das Rätsel erst bei der Präsentation seines Buches am 20. Oktober in Starnberg. Es könnte sich aber um Tambosi handeln, der damals in München ein berühmtes Kaffeehaus besaß. Zumindest hat sich Reiser schon vor Jahren einmal in diese Richtung geäußert.
  • Heftig sind auch die Fakten, die Reiser übers Ludwigs Jugend zusammentragen hat. Demnach wurde er als Bub von Maximilian II. regelmäßig verdroschen. Aber nicht nur das: Er bekam zudem kaum zu essen. Reiser spricht von „wahren Hunger- und Prügeljahren“.
  • Natürlich spielt auch Ludwigs Tod bei Reiser ein große Rolle. Und für den Historiker gibt es keine Zweifel: Ludwig II. wurde ermordet. Drahtzieher des Verbrechens sei Prinz Luitpold gewesen. Der, so Reisers These, hätte Angst gehabt, dass Ludwig das Hausvermögen verprasse. Kaum zu glauben, aber Reiser behauptet, man könne die Tat jetzt minutiös – vor allem mithilfe von Privatarchivalien – nachvollziehen.
  • Belege aus Privatbesitz sind die Quellen für viele neue Fakten, die Reiser über den König zusammengetragen hat. Der 69-Jährige will sie in den letzten 30 Jahren in Berlin, Budapest, Wien, Dresden, Rom, Starnberg und München zusammengetragen haben.
  • Trotzdem gibt es auch Kritiker. Die führen vor allem an, dass schon Reisers Doktorvater, der Münchner Historiker Prof. Karl Bosl, 1991 Gerüchte über eine illegitime Vaterschaft angedeutet habe. Doch später habe er diese Behauptung wieder zurückgenommen und sich davon sogar distanziert. Man darf also gespannt sein, auf welche Quelle sich Reiser nun berufen wird.

Lothar Gerold (71), Geschäftsführer der „Königstreuen“ in Bayern, ist das alles egal. Er kann nicht glauben, dass es wirklich neue Fakten über seinen Kini gibt. „Das ist doch schon alles erforscht“, meint er, „da will nur wieder einer mit großen Schlagzeilen sein Buch verkaufen.“ Er würde sich wünschen, dass man auch 124 Jahre nach dem Tod des Monarchen das respektiere, was Ludwig II. über sich selbst gesagt hat: „Ein ewig Rätsel will ich sein – mir und anderen …“

WdP

Das ist der Kini-Experte

Dr. Rudolf Reiser wurde 1941 in Regensburg geboren, studierte Geschichte sowie Südost- und Osteuropakunde in München und Wien. Er promovierte bei Karl Bosl mit einer Arbeit über die Gesellschaftsgeschichte der Barockzeit und ist Verfasser zahlreicher Bücher und wissenschaftlicher Aufsätze. Außerdem war der Historiker 30 Jahre als Redakteur für Bildung und Wissenschaft für die Süddeutsche Zeitung tätig. Sein Buch „Ludwig II“ kommt ab 21. Oktober in den Handel. Es hat 168 Seiten und wird 19,90 Euro kosten

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