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Vernichtet und doch ewig jung

Pompeji-Ausstellung startet in der Hypo-Kunsthalle

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Erziehung des Achill durch Chiron, Herculaneum, Augusteum, Wandmalerei, 65–79 n. Chr., Museo Archeologico Nazionale di Napoli.

München - Die Ausstellung "Pompeji - Leben auf dem Vulkan" in der Hypo-Kunsthalle zeigt spektakuläre Exponate. Zu sehen ist "das Beste, das man über römische Kunst der Antike ausleihen kann“, so die Kuratoren. Hier sehen Sie etliche Bilder.

„Sie sehen hier das Beste, das man über römische Kunst der Antike ausleihen kann“, sagt das Kuratoren-Team Esan Dozio und Konstanze Eckert stolz. Hereinspaziert in die Hypo-Kunsthalle zu einer phänomenalen Ausstellung über das Leben rund um und dem Tanz auf dem Vulkan: Pompeji - Leben auf dem Vulkan zeigt die faszinierende Kunst, Kultur und das Lebensgefühl der Region -, die durch den Vesuv-Ausbruch um 79 n. Chr. jäh aus allem Glück gerissen wurde. So war das Leben im Schatten des Vulkans.

Verfluchter Vesuv

Die fliehenden Bewohner von Nola–Palma Campania haben während eines vorgeschichtlichen Ausbruchs ihre Spuren auf der lockeren Ascheschicht hinterlassen.

Dieser Fußabdruck stammt nicht vom berühmten Vulkanausbruch 79 n. Chr., sondern ist nochmals rund 2000 Jahre älter. Der Vesuv - schon immer eine tödliche Bedrohung inmitten purer Schönheit. Und nicht nur der Berg brachte sein Unglück - im 20. oder 19. Jahrhundert v. Chr., 1000 v. Chr. -, auch Erdbeben und Erdrutsche suchten die Gegend heim. Ein unglaublich impressiver Läufer aus Bronze scheint die Katastrophe von 79. n. Chr. vorwegzunehmen - entstanden rund 80 Jahre früher. Campania felix hieß das Gebiet schon in der Antike - glückliches Kampanien, also die Gegend südlich von Rom. Warum glücklich? Weil der Vulkanboden höchst fruchtbar und das Leben so angenehm war wie kaum irgendwo. Die Ausstellung zeigt etwa in einer Korknachbildung das Haus des Menander, eine riesige Wohnfläche mit allen Schikanen.

Prächtige Anwesen wurden etwa auch in den Berg gebaut - über drei Stockwerke, verbunden durch Treppen im Inneren des Gesteins. Und so konnten die adeligen Bewohner - vielleicht war’s ihr Ferien-Anwesen und sie kamen aus der Ewigen Stadt? - im ersten Stock auf der prächtigen Terrasse sitzen, schattig und mit frischer Quelle umgeben, auf ihren prächtigen Garten blicken und weiter, immer weiter, hinauf aufs tiefblaue Meer. Das gab es nur in Pompeji. Wer will da schon in Gründwald leben?

Die Katastrophe

Dieses Brot ist 1934 Jahre alt.

Die Bewohner der Campania felix sahen erst den Rauch ausstoßenden Vesuv, die Aschewolken. Was tun? Hoffen, dass es wieder vorbeigeht? Zuhause unter Dächern verkriechen? Schließlich wussten die Bewohner ja gar nicht, was für schreckliche Vorboten sich hier manifestierten. Und als dann der gewaltige Ascheregen kam, war es zu spät. Erst in jüngerer Zeit wurden Hunderte Leichen ausgegraben, die in Bootshäuser geflüchtet waren - auf Schiffe hoffend. Doch Admiral Plinius konnte nicht anlegen. Der Bimssteinregen war viel zu stark. „Man hörte Weiber heulen, Kinder jammern, Männer schreien“, schreibt er. Schwimmen? Die meisten Bewohner konnten das, aber wären durch den Steinhagel und die Ascheschicht ebenso auf See umgekommen. Stein und Glut in Pompeji. In Herculaneum hingegen wurden die Menschen unter eine 20 Meter dicken Schlammschicht begraben.

Exponate aus "Pompeji - Leben auf dem Vulkan"

Ausstellung: Spektakuläre Exponate aus Pompeji

Die dunkle Faszination

Die in Gips ausgegossenen Leichen in ihrem letzten Muskelkrampf schockieren noch heute - und faszinieren. „Es ist makaber und faszinierend“, sagt Kurator Esan Dozio. „Weil diese Menschen auf uns nicht wirken, als seien sie tot, sondern weil wir sie im Augenblick des Sterbens sehen.“ Ein Kleinkind sitzt auf dem Schoß der auf dem Rücken liegenden Mutter, die auf dem Rücken liegt und ihre Arme weit ausgestreckt hat. Ein paar Schritte weiter sitzt der Familienvater, vor ihm liegt ein rund vierjähriger Junge. Rund 1000 Leichen wurden bisher entdeckt, aber wie viele es wirklich waren, wird man wohl nie erforschen.

Die Weltsensation

Eigens für die Münchner Ausstellung wurde eine Mosaikwand restauriert, das Nymphäum - ein Nymphenheiligtum, das meist an einer Quelle oder einem Brunnen errichtert wurde - aus der Gemeinde Massa Lubrense. Die wird nun weltweit erstmals gezeigt. Allein vor der meterlangen Wand kann man lange verweilen.

Die Aktualität

Esra Dozio sagt: „Der Vesuv ist immer wieder ausgebrochen - nach 79 n. Chr. zwei Mal um 500, dann wieder 1631 und letztmals 1944 -, und er wird es wieder tun. Aus Historiker-Sicht schon morgen. Und obwohl wir heute sehr viel mehr wissen über Vulkan-Ausbrüche: In der Region leben Millionen Menschen. Sie können einfach gut verdrängen.“ Auch und besonders den Tod - am Schluss der Ausstellung am besten nochmals das Skelett-Mosaik betrachten: Es wurde kurz vor 79 n. Chr. geschaffen - als Symbol für die Vergänglichkeit des Menschen.

Infos: Fabelhaft beleuchtet, toll angeordnet, fantastische Exponate - ab sofort bis 23. März 2014 in der HypoKunsthalle, Theatinerstraße 8, Tel. 089/224412. Geöffnet ist täglich von 10 bis 20 Uhr, Eintritt zwölf Euro. Montags halber Preis. Geschlossen an Heilig Abend, es gibt wie immer Führungen und Ermäßigungen. Mehr Infos auch im Internet unter www.hypo-kunsthalle.de.

Matthias Bieber

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