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Wie viel das Instrument wert ist

Spektakulärer Fund: Stradivari vom Speicher?

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Dietmar Gaiser und Heidrun Gärtner (sitzend) lassen die antike Geige von den Experten Veronika (li.) und Arjan Versteeg (re.) begutachten.

München - Schauspielerin Heidrun Gärtner wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Sie hat eine antike Geige auf dem Speicher gefunden und ist gespannt, wie viel diese wert ist.

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Heute geht es um eine Geige, die mit Stradivari signiert ist. Durch ihre Schalllöcher kann man ganz deutlich einen Zettel sehen, auf dem eindeutig der Name des großen Meisters steht. Nun kennt man aber weltweit nur etwa 650 Streichinstrumente des großen Geigenbauers. So gesehen wäre es eine Sensation, wenn wir eine davon in die Hand bekämen.

Der große Meister hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu seinen Instrumenten. Manchmal lackierte er sie tiefrot und versah sie mit dicken schwarzen Rändern. Die Nachwelt setzte noch einen drauf und gab den Meisterstücke Namen wie beispielsweise „Messias“. Den „Messias“ hat Stradivari übrigens über alles geliebt und nie verkauft, sondern bis zum Lebensende behalten.

Allerdings sind die Signaturen großer Meister, wie Stradivari, mit Vorsicht zu genießen. Nicht nur, weil sie zu Abertausenden nachgemacht wurden. Stradivari selbst hat nach 1730 noch seine Originalsignaturen eingeklebt, obwohl er die Geigen nicht mehr allein, sondern zusammen mit seinen Söhnen, gebaut hat.

Die Sitte Streichinstrumente mit eingeklebten Zetteln zu signieren hat sich bis in unsere Tage erhalten. Allerdings enthalten die meisten modernen Geigen nur einen Einkleber mit der Modellangabe, der Baunummer und dem Hersteller. Die Zeiten sind eben nüchterner geworden.

Ihr Dietmar Gaiser

Stradivari vom Speicher

Ich habe auf unserem Dachboden einen sehr spektakulären Fund gemacht. Allerdings traue ich der Sache nicht ganz, deswegen möchte ich den Bürgeranwalt einschalten: In einem alten Schrank entdeckte ich eine antike Geige, in der tatsächlich ein vergilbter Zettel mit der Aufschrift Stradivari klebt. Ich habe ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass eine Stradivari mehrere Millionen Euro wert sein kann. Nun interessiert mich natürlich brennend, ob ich auf dem Dachboden wirklich einen Millionenfund gemacht habe oder nicht.

Heidrun Gärtner (48), Schauspielerin aus München

Als wir Heidrun Gärtner trafen, stellte sich heraus, dass sie bei Dahoam is Dahoam im Bayerischen Fernsehen die Rolle der Annalena Brunner spielt. Um die Frage zu beantworten, ob ihr Dachbodenfund wirklich eine echte Stradivari ist oder nicht, suchten wir einen absoluten Spezialisten auf. Durch seine Hände gingen etwa 15 Meisterstücke des Geigenbauers Stradivari. Heidrun Gärtner und der Bürgeranwalt besuchten das Ehepaar Arjan und Veronika Versteeg in Hohenschäftlarn. Hier bauen die beiden nicht nur neue Instrumente, sondern restaurieren auch alte. Dafür vermaß und begutachtete Arjan Versteeg in Museen und bei Privatleuten mehr als 2000 Geigen, studierte die Jahresringe des Holzes, bestimmte dessen Alter und schuf damit ein einzigartiges Archiv. Er kann also genau sagen, aus welcher Zeit das Fichtenholz des Deckels einer Geige stammt.

Als der Spezialist die Geige der Schauspielerin in die Hand nahm, brauchte er gar nicht durch die Schalllöcher auf den eingeklebten Zettel mit dem Namen Stradivari zu schauen, er wusste sofort Bescheid: „So schön es wäre, aber das ist keine Stradivari. Ich sehe es an der Form, dem Holz und dem Lack.“

Wenn es sich bei der vorgelegten Geige um keine echte Stradivari handelt, ist es dann eine Fälschung? „Nein, das ist der falsche Ausdruck“, klärte uns der Fachmann auf: „Solche Zettel wurden zu Tausenden in Modelle geklebt, die Stradivari-Ins-trumenten nachempfunden sind. Es handelt sich sozusagen um ein Modell Stradivari. Nur das will der Zettel sagen.“

Wenn also eine echte Stradivari mehrere Millionen Euro wert wäre, wie viel ist denn die Geige von Heidrun Gärtner wert? Der Fachmann zögert: „In einer guten Geige stecken 200 Arbeitsstunden. Und die von Frau Gärtner ist eine gute Geige, außerdem ist sie hervorragend erhalten und in einem sehr guten Zustand. Entstanden ist sie wahrscheinlich um 1850. Wenn ich das alles berücksichtige, schätze ich sie auf 3000 Euro.“

Heidrun Gärtner ist überglücklich: „Dass es eine echte Stradivari ist, habe ich ohnehin nicht geglaubt, aber 3000 Euro sind ja auch ein Batzen Geld. Allerdings werde ich die Geige nicht verkaufen. Möglicherweise wird sie wieder bespielt. Von wem, verrate ich nicht.“

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