S-Bahn-Chaos

Sperrung im Sommer: Alles noch schlimmer

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Im Sommer droht in München das S-Bahn-Chaos.

München - An sieben Wochenenden im Juli und August müssen Münchens S-Bahnfahrgäste mit einer Sperre der Stammstrecke leben und auf Busse und Regionalzüge umsteigen.

Jetzt legt die S-Bahn in ihren Zügen die Info-Broschüren aus. Ergebnis bei der Durchsicht: Es wird alles schlimmer als bisher von der Deutschen Bahn angekündigt. Die ärgerlichsten vier Punkte:

1. Marienplatz und Stachus sind völlig abgeschnitten vom Ersatzverkehr: Von Freitagabend, 13. Juli, bis Montagfrüh, 16. Juli, sind beide Stationen auch mit Ersatzbussen nicht erreichbar. Fahrgäste müssen auf die U-Bahn ausweichen oder zum Odeonsplatz laufen. Grund: Wegen des Chriostopher Street Days kommen die Ersatzbusse, die im Drei- bis Fünfminuten-Takt zwischen Pasing und Ostbahnhof pendeln, in der Innenstadt nicht durch. Daher fahren sie ab Hauptbahnhof über Odeonsplatz und Isartor.

2. Rosenheimer Platz und Isartor als Nadelöhr: An den Freitagen des 6., 13., 20. und 27. Juli sind beide Haltepunkte nur eingeschränkt erreichbar. So fahren die S-Bahnen ganztags jeweils an einer der beiden Stationen in einer Richtung durch. Beispiel 6. Juli: Die Züge Richtung Pasing fahren am Rosenheimer Platz durch. Wer also Richtung Innenstadt will, muss mit der S-Bahn erst zum Ostbahnhof fahren und dort in eine S-Bahn nach Pasing umsteigen. Die anderen Bahnhöfe Marienplatz, Stachus und Hauptbahnhof sind an den Freitagen vom 10. bis 23. August wechselseitig auf einer Seite gesperrt. Ein- bzw. Ausstieg finden auf der anderen Seite statt.

3. Nur angeblich verstärktes Bus- und Tramangebot bei der MVG: Laut DB stellt die MVG auf Bestellung der S-Bahn München „deutlich erweiterte Kapazitäten“ auf der Tramlinie 19 und der Buslinie 162 zur Verfügung. Nach tz-Informationen verkehrt aber die Linie 19 weiter im 10-Minuten- und die Linie 162 im 20-Minutentakt. Die MVG setzt lediglich die längeren R3 statt R2-Züge (218 statt 157 Steh- und Sitzplätze) auf der Linie 19 und Gelenk- statt Solobusse auf der Linie 162 (103 statt 59 Sitz- und Stehplätze) ein.

4. Die Kapazitäten: An Samstagen verkehren stündlich zwölf S-Bahnen als zweiteilige Vollzüge von Pasing zum Ostbahnhof. Sie haben eine Kapazität von 9600 Steh- und Sitzplätzen. Die im Drei-Minuten-Takt verkehrenden und meist als Solobusse verkehrenden Ersatzbusse bieten aber nur eine Kapazität von 1200 Plätzen (bei Gelenkbussen 2000 Sitz- und Stehplätze). Das ist maximal ein Viertel der S-Bahn-Kapazität, obwohl laut DB an Samstagen zwei Drittel der 830 000 Fahrgäste unterwegs sind, die von Montag bis Freitag die S-Bahn benutzen. Es kann also ganz schön eng werden an den Sommer-Wochenenden.

Karl-Heinz Dix

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