Gleiserneuerungen

U3-Strecke monatelang gesperrt - Fahrgastverband erzürnt

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Die Gleise zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit werden ausgetauscht. Das dauert 22 Wochen.

München - Ein Teil der Strecke der U3 wird ab Oktober 2016 für mehrere Monate gesperrt sein. Das stößt der Aktion Münchner Fahrgäste sauer auf.

Ab Oktober müssen Fahrgäste der U3 gute Nerven mitbringen. Dann nämlich wird die Strecke zwischen Münchner Freiheit und Scheidplatz für mehrere Monate gesperrt sein. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern werden die Gleise ausgetauscht, der U-Bahnhof Bonner Platz wird in dieser Zeit nicht angefahren.

Als Ersatz stehen den Fahrgästen Busse zur Verfügung, außerdem sollen auf der U2 zusätzlich Züge fahren, um Passagieren, die von Moosach aus in die City wollen, beim Umsteigen am Scheidplatz mehr Möglichkeiten zu bieten. „Wir haben keine Wahl“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Die Gleise seien zum Teil über 45 Jahre alt – ein Austausch ist nötig. Und den lässt sich die MVG zehn Millionen Euro kosten!

Zwischen Scheidplatz und Münchner Freiheit fahren vermutlich ab 4. Oktober Ersatzbusse. Außerdem soll die U7 bis zum OEZ verlängert werden. Die fährt eigentlich nur bis zum Westfriedhof. Die Großbaustelle wird nicht die letzte sein, schließlich gibt es in München viele Gleisanlagen aus der 70er-Jahre Anfangszeit. „Weitere Arbeiten sind nicht auszuschließen“, sagt Korte.

Sauer stoßen die Pläne der Aktion Münchner Fahrgäste auf, denn geht es nach der Initiative, ist das Konzept für die Fahrgäste nicht hinnehmbar. "Anscheinend haben die Verkehrsunternehmen vollständig verlernt, wie man 'unter dem rollenden Rad' eine Strecke erneuert", sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion, und fordert: "Wir wollen die Störung des Linienverkehrs auf ein Mindestmaß beschränkt sehen und einen ordentlichen Ersatzverkehr."

Geht es nach der Initiative, solle zunächst geprüft werden, ob die Bauarbeiten - anstatt über den Winter - im Sommer stattfinden könnten. Dann nämlich würden sich nach Annahme des Verbands mehr Fahrgäste auf ihr Rad schwingen und somit die öffentlichen Verkehrsmittel entlasten.

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
11 Uhr auf dem Marienplatz ist Zeit fürs Glockenspiel – keine Absperrung, keine Schnur, kein Gitter, kein Zaun trennte die Touristen unter dem Neuen Rathaus von der 30 Meter tiefen Baugrube des U- und S-Bahnhofes. Wie durch ein Wunder ist niemand hineingefallen, obwohl alle eine Viertelstunde lang nur nach oben blickten. © Heinz Gebhardt
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Die Baustelle auf dem Marienplatz. © Heinz Gebhardt
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Unter dem Marienplatz, noch ohne Zwischengeschoss: Eine Mega-Halle. © Heinz Gebhardt
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Ein Blick auf den Marienplatz. Bessergesagt Mariengrube. © Heinz Gebhardt
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Offene Baugrube von Schwabing zum Odeonsplatz: Die Straßenbahn fuhr auf riesigen Stahlträgern über das U-Bahn-Bauloch von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz, Autos durften mal links, mal rechts, mal gar nicht dahinschleichen und Fußgänger suchten sich selbst irgendeinen Wanderweg durch das Baumaschinenparadies. © Heinz Gebhardt
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Ohne Promis und Medienspektakel, dafür mit 1500 Dackeln und lustigen Münchnern feierte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel das Ende der Baugrubenzeit und die Eröffnung der Fußgängerzone. © Heinz Gebhardt
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Das erste moderne Hochhaus Münchens steht längst unter Denkmalschutz: 1974 begann der Bau des 113 Meter hohen Hypo-Towers. Ein Höhepunkt! © Heinz Gebhardt
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Pünktlich zu Olympia wurde der 99,5 Meter hohe BMW-Vierzylinder fertiggestellt – hier ein Foto aus der Bauzeit. Während der Spiele musste er auf seinen Namen verzichten: Das BMW-Logo wurde abmontiert, weil die Olympiaveranstalter keine kostenlose Werbung duldeten … © Heinz Gebhardt
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Das kurioseste Bauwunder um 1970 war die Stachusbrücke, eine gewaltige Holzbrücke von der Bayerstraße zum Karlstor. Sie war der einzige Weg, um von einer Seite auf die andere zu kommen – und das zudem nur für Menschen, die gut zu Fuß waren. Für ältere Menschen, Behinderte und Kinderwagen: keine Chance! Bei Schneefall gesperrt, schlitterten und purzelten im Winter trotzdem alle hinüber und herunter. © Heinz Gebhardt
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Entweder ­wurden Absperrungen ignoriert und man schlüpfte durch jede sich bietende Baulücke, oder man setzte vorsichtshalber doch mal einen Bauhelm auf und spazierte einfach durch die Betonröhren. Die Münchner wussten sich halt zu helfen … © Heinz Gebhardt
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Auf dem ehemaligen Flughafen Oberwiesenfeld entstanden Olympiastadion und Olympiahalle. © Heinz Gebhardt
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Die Schuttberge drumherum mit den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wurden begrünt und zum Erholungsgebiet Olympiapark. © Heinz Gebhardt

Sollte sich eine Vollsperrung der Strecke nicht vermeiden lassen, fordert die Initiative einen "vernünftigen Ersatzverkehr an der Oberfläche" - und zwar nicht nur mit Bussen, sondern auch mit der Trambahn. Ihr Vorschlag: Die Linie 12 könne vom Scheidplatz bis zur Münchner Freiheit verlängert werden. Ein weiterer Wunsch des Fahrgastverbands sei eine Verknüpfung der U8 mit der U3. So würde eine U-Bahnverbindung von Moosach in die Innenstadt erhalten bleiben. "Der Fahrgast zahlt mit seinem Fahrschein nicht nur für den Transport auf einer Strecke, sondern auch für die Zuverlässigkeit der Linienverkehrsmittel", so Nagel.

mes

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