SPD-Männer haben andere Idee

Spott für Schmids "Heimatbahn"

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Dieter Reiter (v.l.n.r.) und Christian Ude (SPD) spotten über Josef Schmids (CSU) U-Bahn-Pläne.

München - Das neue U-Bahn-Konzept von CSU-OB-Kandidat Josef Schmid sorgt für Hohn und Spott beim politischen Gegner.

Zurücktreten bitte – der Wahlkampf nimmt Fahrt auf! Am Mittwoch berichtete die tz groß über den milliardenschweren U-Bahn-Plan von CSU-OB-Kandidat Josef Schmid mit dem Ausbau von vier Trassen, darunter eine Verlängerung der U3 durch Allach oder Untermenzing bis Pasing. Jetzt fährt er Kritik und Spott ein!

SPD-Konkurrent Dieter Reiter will lieber mit der neuen U9 im Zentrum Fahrt aufnehmen und nennt Schmids Plan für Allach nur „Seppis Heimatbahn“! Dort kommt der CSU-Kandidat nämlich her. „Eine völlige Schnapsidee“, sagt Reiter. Es sei denn, sein Konkurrent plane, den Stadtbezirk kräftig zuzubetonieren. „Nachverdichtung“, lautet das Reizwort, vor dem bislang die CSU die Gartenstädte vor Neubauten schützen wollte. „Die sehe ich dort nicht“, sagt Reiter.

So sehen die Pläne von Schmid aus (VERGRÖßERUNG).

Tatsächlich gehört der Bezirk zu den am dünnsten besiedelten Gebieten der Stadt. Eine Bewertung hatte 2008 ergeben, dass bei einer Verlängerung der U3 nach Untermenzing nur mit 2500 zusätzlichen Passagieren am ganzen Tag zu rechnen sei – die würden in drei Züge passen. In Allach wären es noch weniger. Darum würden Bund und Freistaat den Bau nicht bezuschussen. Eine – noch teurere – Verlängerung zur S-Bahn in Pasing wurde jedoch nicht untersucht. Noch-OB Christian Ude (SPD) mahnte zur Zurückhaltung mit Wahlversprechen – und wollte das auch bewusst auf alle Parteien bezogen wissen: „Eine neue U-Bahn sollte nicht durch die Viertelherkunft der Politiker bestimmt werden, sondern durch die Wirtschaftlichkeit.“ Neue Trassen könnten im Betrieb auch gewaltige Miese einfahren. „Das würde die Fahrkarten unerträglich viel teurer machen.“ Einen Seitenhieb gab es doch: Ude erinnerte an den „Sündenfall von 1980“, als CSU-OB Erich Kiesl eine Tariferhöhung um 30 Prozent beim MVV durchsetzte.

Die Aktion Münchner Fahrgäste lobt diese Kritik. „Der U-Bahnbau in München ist abgeschlossen“, sagte Sprecher Andreas Nagel sogar.

Die CSU sieht dagegen Rot: „Ude will davon ablenken, dass die allermeisten Verbesserungsvorschläge für den ÖPNV aus der CSU kommen“, sagt Josef Schmid. „Wir brauchen Vorschläge, die über den Tag hinaus die Entwicklung der nächsten 30 Jahre im Blick haben.“ Eine neue U9 im Zentrum überzeugt ihn nicht.

Reiter und die SPD machen sich dagegen dafür stark: „Eine U-Bahn muss dort sein, wo viele Leute fahren.“ Der Stadtrat hatte 2008 die MVG mit ersten Planungen beauftragt: Die U9 soll von Sendling über Theresienwiese, Hauptbahnhof und Schwabing zur Münchner Freiheit fahren. Das soll U2 und U3/6 entlasten, die morgens aus allen Nähten platzen.

David Costanzo

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