Bomben-Alarm im Hauptbahnhof

Polizei sprengt verdächtigen Koffer

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Der Kofferinhalt liegt auf dem Boden verstreut

München - Ein Sprengstoffhund hatte angeschlagen - deshalb wurde der Hauptbahnhof in München am Freitagmittag geräumt. Die Sperrung ist inzwischen aufgehoben.

Ausgerechnet Freitag! Mitten im größten Anreisetrubel für das wilde mittlere Wiesn-Wochenende mussten Bundes- und Landespolizei am gestrigen Freitag um 11.30 Uhr Teile des Hauptbahnhofes sperren. Bombenalarm!

Sprengstoffhündin Easy war auf einem Routine­rundgang durch den Bahnhof wie angenagelt vor dem verschlossenen Schließfach 4501 stehen geblieben und hatte dem Hundeführer der Bundespolizei einen verdächtigen Fund angezeigt. Schon setzte sich eine gewaltige Blaulicht-Armada in Richtung Hauptbahnhof in Gang. Polizei, Rettungsdienste, Notärzte, Berufs- und Freiwillige Feuerwehr postierten sich rings um den Bahnhof. Schalterhalle, der darüberliegende Gebäudetrakt und Parkplätze wurden gesperrt. Die Zugänge zur S-Bahn und den Bahnsteigen blieben geöffnet, um den Reiseverkehr nicht zusammenbrechen zu lassen.

In der Bahnhofshalle entwickelte sich ein gewaltiges Gedrängel vieler ortsfremd herumirrender Touristen. Rings um den Hauptbahnhof brach zeitweise der Verkehr zusammen.

Hinter den Kulissen liefen derweil die Vorbereitungen für die Öffnung des verdächtigen Schließ­fachs. Zwei Gepäckstücke kamen zum Vorschein. Ein Koffer ließ Easy kalt. Für den roten 20-Kilo-Koffer aber interessierte sich die Hündin umso mehr.

Das Tier ist trainiert auf Sprengstoff-Substanzen, die allerdings zuweilen auch in bestimmten (Herz-)Medikamenten oder einigen Drogerie­artikeln vorkommen. Das jedoch lässt sich immer erst nach der „Entschärfung“ klären.

Um 13.35 Uhr näherte sich ein Sprengstoffspezialist der Bundespolizei, geschützt in einem schweren Bombenschutzanzug, dem Koffer. Um 13.41 Uhr gab es in der Schließfachhalle einen lauten Knall. Das war der Moment, in dem der Koffer regelrecht zerschossen wurde – schnell genug, um etwaige Zündmechanismen zu zerstören und damit eine Sprengstoff-Explosion zu verhindern. Kurz darauf Entwarnung. In dem Koffer, dessen Inhalt sich meterweit im Schließfachgang zerstreute, befanden sich lediglich Kosmetik und Kleidung. Zu Easys Ehrenrettung betonte Bundespolizeisprecher Berti Habelt: „Die Hündin hat alles richtig gemacht.“

Bilder: Sperrung am Münchner Hauptbahnhof

Bilder: Sperrung am Münchner Hauptbahnhof

Die Kofferbesitzerin hat sich bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht gemeldet. Sie bekommt den fast unversehrten Inhalt ihres roten Koffers in Plastiksäcken zurück und hat Anspruch auf Schadenersatz. Um 13.50 Uhr wurden alle Sperrungen wieder aufgehoben.

Andreas Thieme, Dorita Plange

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