Staatsanwältin fordert zehn Jahre Haft

Das Opfer Giacomo A. starb im Alter von 41 Jahren.

München - Tod bei McDonald’s: Die Staatsanwaltschaft hat für David M. zehn Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge an Giacomo A. gefordert.

Es war die Nacht zum 30. Juli 2011. Giacomo A. und seine Freundin hatten nach einem vergnüglichen Abend Appetit bekommen und waren bei McDonald’s am Stachus eingekehrt. Im Obergeschoss vertilgten sie am Tresen mit Blick nach draußen ihre Burger, als David M. ins Restaurant kam. Er war „in schlechter Grundstimmung“, so Staatsanwältin Nicole Selzam. M. drängte sich bei der Essensausgabe vor, ging die Treppe hinauf und setzte sich trotz zahlreicher leerer Tische direkt neben A., wo er unverzüglich an dessen zahlreich benutzten Papierservietten Anstoß nahm.

Der Angeklagte David M. bereut seine Tat „zutiefst“.

Der Nachbar am Tresen blieb ruhig, bekundeten Zeugen später. Höflich, aber bestimmt, bat er M. sich woanders hinzusetzen, wenn ihm die abgelegten Servietten nicht passten. Daraus entwickelte sich eine Auseinandersetzung, bei der, so Selzam, von dem späteren Opfer keine Provokation ausging. David M. behauptete allerdings später, A. habe ihm seinen Burger aus der Hand geschlagen. Tatsächlich fiel eine Sesamsemmel auf den Boden. Giacomo A. bezog eine Watschn, ein Gast mischte sich ein und ebenso ein Mitarbeiter des Lokals, der den Angeklagten zu einem Platzwechsel aufforderte.

Stattdessen begann der 25-Jährige wüst zu schimpfen. A. forderte ihn auf, mit ihm nach draußen zu gehen und die Sache dort zu klären - für Verteidiger Maximilian Pauls „ein äußerst unglückliches Verhalten“. Solch eine Aufforderung „ist landläufig das Signal zur handfesten Austragung eines Streits“. Das spätere Opfer habe versucht, Personal und andere Gäste mit der Auseinandersetzung nicht zu behelligen, meinte Selzam. Auf der Treppe hat jedenfalls der Angeklagte seinen Gegner von hinten geschubst. Zeugen zitierten die Worte des Opfers: „Ein Angriff von hinten, das ist feige!“ In diesem Moment hat ihm David M. mindestens zwei wuchtige Fausthiebe ins Gesicht versetzt.

Mann stirbt nach Schlägerei im McDonald's

Die linke Wirbelschlagader riss auf einer Länge von sieben Millimetern, es kam zu einer subarachnoidalen Blutung, die letztlich tödlich war. Eine solche Blutung unter der Hirn- und Rückenmarkshaut ist laut Gutachten „eine medizinische Rarität“, der Sachverständige hat sie in seiner Laufbahn nur ein einziges Mal gesehen. Der Angeklagte musste - und konnte - damit nicht rechnen, argumentierten die Anwälte Pauls und Michael Adams. Und daraus zog Pauls den Schluss, der Mandant sei nur der Körperverletzung schuldig, der Tod des Opfers ein Unfall gewesen. Hätte der Streit nicht diesen unvorhersehbaren „unglücklichen“ Verlauf genommen, „stünden wir vor dem Amtsgericht, und es käme eine Geldstrafe heraus“.

David M. „bereut zutiefst“, so die Anwälte. Der Angeklagte, der zuvor nie durch Gewalttätigkeit aufgefallen war, beteuerte im Schlusswort angesichts von Mutter und Bruder seines Opfers noch einmal sein Bedauern. Am heutigen Mittwoch soll das Urteil fallen.

Sarah List

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