Verdacht der Untreue

Staatsanwalt ermittelt gegen Olympiapark-Chef

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Olympiapark-Chef Ralph Huber

München - Am Donnerstag ist die Staatsanwaltschaft zur Razzia in den Olympiapark gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Ralph Huber, bestätigt ein Sprecher.

Olympiapark-Chef Ralph Huber (48) will, dass es auf seinem Gelände immer rund geht. Dass es spannende Aktionen gibt. Allerdings stellt er sich das sicher anders vor als in der vergangenen Woche. Denn:Am Donnerstag kam die Staatsanwaltschaft mit zahlreichen Beamten zur Razzia in den Park. Sie durchsuchten Geschäftsräume und sicherten Beweismittel – in einer Sache, die den Chef selber angeht. Olympiapark-Sprecher Arno Hartung bestätigt der tz auf Nachfrage: „Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Ralph Huber.“ Und, so Hartung weiter: „Ralph Huber wird natürlich voll mit den Ermittlern kooperieren, um zur Aufklärung beizutragen.“

Was da konkret aufzuklären ist? „Wir ermitteln in fünf Fällen. Es besteht der Verdacht, dass Verträge mit Drittleistern, wie etwa Caterern, ohne ordnungsgemäße Ausschreibung und ohne Zustimmung des Aufsichtsrats geschlossen und Räumlichkeiten ohne Gegenleistung genutzt wurden“, sagt Peter Preuß, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I. Nach tz-Informationen soll Huber eine Geburtstagsfeier für zwei seiner Kinder im Olympiapark veranstaltet haben – auf Kosten der städtischen Gesellschaft. Ein weiterer Vorwurf: Für ein Fitnessstudio in Räumen des Parks soll es gar keinen Mietvertrag mit dem Betreiber geben.

Die Durchsuchung in der vergangenen Woche betraf neben dem Olympiapark drei weitere Objekte, darunter Hubers Privatwohnung. Huber selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach tz-Informationen kam die Anzeige, die die Ermittlungen auslöste, direkt von der Stadt München und ging bereits Mitte Januar ein. Zuvor hatte sich das Personal des Parks bei der Stadt offenbar beschwert.

Tatsache ist: Wirtschaftliche Belange des Olympiaparks betreffen in der Regel die öffentliche Hand. Der Park, der als GmbH organisiert ist, ist nämlich eine hundertprozentige Tochter der Stadt München. Kontrolliert wird er im Aufsichtsrat von Vertretern des Stadtrats – den Vorsitz führt hier Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Sie wollte sich unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht zu der Sache äußern, hat aber am Montag offenbar alle Mitglieder des Aufsichtsrats informiert. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) gab keine Stellungnahme ab.

Ralph Huber arbeitet bereits seit dem Jahr 2007 für den Olympiapark. Der gebürtige Günzburger brachte Erfahrung als Geschäftsführer der Dortmunder Westfalenhalle mit, wurde in München zunächst Chef der Veranstaltungsabteilung. Der damalige Geschäftsführer Wilfrid Spronk baute Huber als seinen Nachfolger auf. Im Juni 2009 übernahm Huber dann als neuer Chef die Verantwortung für den kompletten Park, Spronk ging in Ruhestand.

Huber bewegt sich als Park-Chef an der Schnittstelle zwischen langfristiger Politik und Tagesgeschäft. Was das ganz konkret bedeutet, konnte man gleich bei seinem ersten großen eigenen Projekt sehen: dem DTM-Autorennen im Olympiastadion. Ein großes PS-Spektakel. Und: Die Zahlen stimmten auch, die Veranstaltung machte keinen Verlust. Trotzdem ging Hubers Rechnung nicht auf. Nach zwei Rennen im Stadion gab der Park bekannt: Es wird keine Neuauflage mehr geben. Unter anderem auch deshalb nicht, weil die Politik den Motorenlärm der Rennboliden im Park für unangebracht hält. OB Ude war selbst sichtlich irritiert, als er am Rande einer Fahrt für Münchner Ehrenbürger die Geräuschkulisse eines DTM-Trainingstags miterlebte.

Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) fordert ohnehin ganz grundsätzlich, der Olympiapark solle ruhiger werden. Seine Vorstellung: mehr Erholung, weniger Event.

Inwieweit das mit der Ruhe und der Erholung für Ralph Huber gilt, müssen jetzt die kommenden Tage und Wochen zeigen.

Sebastian Arbinger, David Costanzo, Uli Heichele

 

§ 266 StGB: Untreue

Untreue im juristischen Sinne ist ein kompliziert formulierter ­Tatbestand (§ 266 des Strafgesetzbuchs). Vereinfacht ausgedrückt: Es geht darum, dass ­jemand über fremdes Vermögen verfügen darf – und dass er ­diese Vollmacht missbraucht. Bei einer Verurteilung ist sowohl Geld- als auch Freiheitsstrafe (bis zu fünf Jahren) möglich.

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