Der Staatsanwalt ermittelt

Bestechungs-Skandal um Augustinum?

+
Am Stiftsbogen sitzt die Geschäftsführung der Augustinum Gruppe.

München - Die Augustinum-Geschäftsführung muss sich mit einem unangenehmen Thema beschäftigen. Nach tz-Informationen handelt es sich um einen möglichen Schmiergeld-Skandal im Konzern, der bisher noch nicht aufgeklärt ist.

Christlicher Glaube, Gemeinnützigkeit, Fürsorge – für diese Werte tritt das Augustinum ein. Der diakonische Konzern ist einer der führenden Sozialdienstleistungs-Unternehmen in Deutschland, unterhält bundesweit 23 Wohnstifte mit 7500 Heimbewohnern – zwei davon stehen in München. Auch die Augustinum-Geschäftsführung sitzt hier. Und die muss sich jetzt mit einem unangenehmen Thema beschäftigen …

Der Eingang zum Heim in der Weitlstraße (Hasenbergl).

Nach tz-Informationen handelt es sich um einen möglichen Schmiergeld-Skandal im Konzern, der bisher noch nicht aufgeklärt ist – die Rede ist dabei von einem zweistelligen Millionenbetrag. Die Staatsanwaltschaft ermittelt! Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, bestätigt: „Wir stehen in dem sehr komplexen Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften der verschiedenen Augustinum-Unternehmen am Anfang unserer Ermittlungen. Wir untersuchen hier, ob es zu Bestechungen im geschäftlichen Verkehr gekommen ist.“ Konkrete Namen von Beschuldigten oder beteiligten Personen nennt die Staatsanwaltschaft nicht.

Ausgerechnet Augustinum! Die gemeinnützige Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben bundesweit 430 Mitarbeiter – der Großteil von ihnen unterstützt kranke und bedürftige Menschen. 326,4 Millionen Euro Umsatz erzielte der soziale Dienstleister im vergangenen Jahr in den drei Unternehmensbereichen Leben im Alter, Klinik und Pädagogische Einrichtungen.

Was ist da möglicherweise aus dem Ruder gelaufen? Auf tz-Nachfrage hat das Augustinum sich zur Sache geäußert. Sprecher Matthias Glötzner: „Wir sind Anfang dieses Jahres auf Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften innerhalb unseres Unternehmens gestoßen.“ Und: „Um diesen Sachverhalt lückenlos aufzuklären, hatten wir uns dazu entschlossen, eine renommierte Anwaltskanzlei in unsere internen Ermittlungen einzubinden und darauf aufbauend im Mai die Staatsanwaltschaft zu informieren.“

Zudem habe im April eine interne Untersuchung im Unternehmen dazu geführt, dass man sich von einem hochrangigen Mitarbeiter trennte. „Das Ermittlungsverfahren richtet sich ausschließlich gegen ehemalige Mitarbeiter und Vertragspartner des Augustinum“, sagt Glötzner. „Das Augustinum kooperiert intensiv mit der Staatsanwaltschaft München I und hat verschiedene zivilrechtliche Schritte gegen ehemalige Mitarbeiter und Vertragspartner eingeleitet.“

Um welche Summe es konkret geht, ist noch nicht klar, die Zusammenhänge sind komplex. Glötzner: „Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unterstützt das Augustinum nach besten Kräften. Da die Ermittlungen noch laufen, steht noch nicht fest, ob und wenn ja in welcher Höhe dem Augustinum ein Schaden entstanden ist. Sollte ein Schaden entstanden sein, so liegt er in der Vergangenheit und tangiert die gesunde aktuelle wirtschaftliche Lage des Augustinum nicht.“

Andreas Thieme

Hier wohnt sogar der Alt-OB

Alt-OB Hans-Jochen Vogel.

Die AugustinumGruppe ist als gemeinnützige GmbH organisiert. Zum Unternehmen gehören Schulen, Behinderteneinrichtungen und Kliniken. Hauptsparte ist der Betrieb von Wohnstiften. Dazu gehören zwei Häuser in München – nämlich an der Weitlstraße (Hasenbergl) und am Stiftsbogen (Hadern). Die Stifte gelten als Vorzeige-Häuser, am Stiftsbogen lebt sogar Alt-OB Hans-Jochen Vogel (88).

Auch interessant

Meistgelesen

Ärger über die Bayern-Party: Der grantige Rest vom Fest
Ärger über die Bayern-Party: Der grantige Rest vom Fest
München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
München top, München flop: Das gefällt uns - und das nicht
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet
Schäferhund reißt Sechsjährige zu Boden und beißt zu - Halterin flüchtet

Kommentare