Von Ex niedergestochen: Gericht ermahnt Opfer

München - Im Münchner Prozess um einen 71-Jährigen, der seine Ex-Freundin lebensgefährlich verletzt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft die Frau vor einer Falschaussage gewarnt.

Sie ist das Opfer einer grausamen Messerattacke, und folglich wurde Elmira D. (43) vor dem Schwurgericht viel berechtigtes Mitleid zuteil. Doch dann redete die Zeugin und Nebenklägerin gestern ihre Rolle in der Beziehung zum Angeklagten Dieter B. (71) so schön, dass Staatsanwalt Benjamin Lenhard sie streng abmahnte, sogar von einem möglichen Verfahren wegen Falschaussage sprach.

Auf Facebook hat sich die Schmuckhändlerin gern im Kreise Prominenter wie den Klitschko-Brüdern gezeigt. „Das sind ganz normale Erinnerungsfotos“, sagt sie schulterzuckend. Der Angeklagte hat die Bilder dort entdeckt, ebenso die Anzeige, mit der Elmira D. 2005 einen „großzügigen Herrn“ suchte (wir berichteten). Sie bestreitet die Annonce, will zu B. über einen Bekannten Kontakt bekommen haben. An dessen Namen könne sie sich freilich nicht mehr erinnern. „Das glaubt Ihnen kein Mensch“, hält ihr Staatsanwalt Lenhard vor.

Elmira D. will damals ihre Arbeitssuche erwähnt haben. B. habe gesagt, sie könne Büroarbeiten für sein Hydraulikgeschäft machen. Dafür sei das Geld geflossen, das sie jahrelang „unregelmäßig“ bekam, „keine festen Beträge“. Der Staatsanwalt geht von 2000 Euro monatlich aus. Geschenke will D. „nur ganz am Anfang“ bekommen haben: „Ein Schmuck-Set und eine Tasche“. Auf Vorhalt muss sie einräumen: Der Angeklagte hat mehr geschenkt, zum Beispiel Laptops für sie und ihre Tochter. Er finanzierte auch Urlaube und zahlte im Lokal. All das hatte angeblich mit dem gewährten Sex nichts zu tun. Grund zur Eifersucht habe B. nicht gehabt, sagt sie – und muss sich, diesmal vom Vorsitzenden Michael Höhne, auf ihre Wahrheitspflicht hinweisen lassen: Nach Zeugenaussagen gab es „andere Herren“.

Im Mai 2011 machte Elmira D. Schluss. Damals standen drei Monatszahlungen aus. Er bettelte per SMS um einen Neuanfang, sie schrieb zurück, bevor er seine „Schulden“ zahle, gebe es kein Gespräch.

Am 19. Juli, in ihrer Wohnung in Bogenhausen, habe B. „wieder nur Storys erzählt“, so die Zeugin. Als sie dem Angeklagten die Tür wies, stieß ihr B. das mitgebrachte Messer in Brust und Bauch. An den Folgen leidet sie immer noch. „Ich hoffe, er kommt nie wieder raus“, hat sie nach seiner Festnahme zu Protokoll gegeben.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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