Staatsanwalt klagt Tatverdächtige an

Anklage gegen Totschläger: Jordans Tod wird gesühnt

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So werden ihn Freunde und Familie in Erinnerung behalten: Koch-Azubi Jordan N. wurde von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt.

Im Frühjahr prügelten zwei Jugendliche Koch-Azubi Jordan zu Tode. Nun müssen sie sich für die unfassbare Tat verantworten. Sie haben sich nicht nur als Schläger schuldig gemacht.

München - Nachts im Industriegebiet lauerten sie - auf irgendein Opfer. Bereit zu einem Überfall. Zur Not mit brutaler Gewalt…

Es war sein trauriges Schicksal, dass am 31. März ausgerechnet Jordan N. (25) den zwei brutalen Burschen begegnete. Nachts gegen 1.30 Uhr wollte der Auszubildende nur nach Hause, nachdem er mit Arbeitskollegen essen war. Doch mitten auf der Einsteinstraße in Dornach wurde Jordan plötzlich niedergeprügelt - und starb an den Folgen. Denn einer der beiden jugendlichen Täter soll so fest gegen seinen Kopf geschlagen haben, dass der 25-Jährige eine Hirnblutung erlitt - und ins Koma fiel.

Doch das bekamen die Täter nicht mehr mit. Sie hatten dem angehenden Koch 50 Euro und seine Brieftasche geraubt - und ließen ihn schwer verletzt einfach am Boden liegen. Ärzte konnten später nur noch den Tod feststellen.

Anklage gegen das Schläger-Duo erhoben

Sechs Monate später wird Jordans Tod endlich gesühnt. Gegen die Jugendlichen hat die Staatsanwaltschaft München I jetzt Anklage erhoben. „Den beiden Tatverdächtigen im Alter von jetzt 16 und 17 Jahren wird Betrug, Raub mit Todesfolge und versuchter Mord durch Unterlassen zur Last gelegt“, sagt Staatsanwalt Florian Weinzierl. In wenigen Monaten wird es zum Strafprozess vor dem Landgericht kommen, der an der Jugendkammer verhandelt werden wird.

Die Tat hatten Ivo und Naser (Namen geändert) im Gefängnis bereits gestanden. Sie sitzen seit Anfang April in der JVA Stadelheim in Untersuchungshaft. Ihnen droht nun jahrelanger Knast. Und zwar nicht nur wegen des Überfalls in Dornach, sondern auch, weil sie Jordan danach nicht geholfen hatten und ihn einfach liegen ließen. Womöglich wäre er sonst noch am Leben…

Haben die Tat gestanden: Ivo und Naser drohen Jahre hinter Gittern.

Eltern von Jordan treten vielleicht als Nebenkläger auf

In tiefer Trauer hatten auch seine Kollegen des NH-Hotels der Familie ihr Beileid bekundet. Dort galt Jordan als geschätzter Kollege in der Hotelküche. Sie lernten ihn als freundlichen und humorvollen Burschen kennen. Seit fünf Jahren war Jordan in München. Er lebte bei seinem Vater, die Mutter dagegen in Spanien. Ihr Schmerz über den Verlust des gemeinsamen Kindes wird sie ein Leben lang begleiten. Im Prozess werden sie eventuell als Nebenkläger auftreten. Und auch auf die Burschen treffen, die ihren Jordan auf dem Gewissen haben!

Ivo und Naser stammen aus Riem. Der eine nannte sich im Internet „Boss der serbischen Mafia“, der andere war mit 16 Jahren schon Vater. Mit unfassbarer Gewalt sollen sie Jordan niedergeschlagen haben - für 50 Euro Beute. Ein Taxler fand das Opfer drei Stunden später am Boden liegend. Zu spät. Denn der Notarzt konnte nur noch Jordans Tod feststellen.

Jugendgewalt: Das sagen Experten zum Tod von Jordan N.

Stichwort: Mord durch Unterlassen

Jordan könnte heute noch leben - wenn er eher Hilfe bekommen hätte. Doch die brutalen Räuber aus Riem schlugen ihn nicht nur gegen den Kopf, sondern ließen den Azubi danach einfach liegen. Dass er eine lebensgefährliche Hirnblutung erlitten hatte, konnten sie zwar nicht ahnen. Trotzdem tragen sie die Verantwortung dafür, weil sie jede Hilfe unterließen. Rechtlich gilt das als Verdeckungsabsicht der Tat. Und weil diese tödlich endete, sind Ivo und Naser auch wegen versuchten Mordes angeklagt.

S. Wegele, A. Thieme

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