Nach Angaben der Staatskanzlei

Kein G9: Schüler müssen weiter Druck standhalten

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München - Kein G9: Nach Angaben der Staatskanzlei steht eine Rückkehr vom acht- zum neunjährigen Gymnasium derzeit nicht zur Debatte.

„Überlegungen oder Vorbereitungen zu einer Rückkehr zum G9 gibt es nicht." Das hieß es am Freitag in einer Mitteilung.

Horst Seehofers Worte waren an Eindeutigkeit kaum zu überbieten. „Es wird kein G9 geben“, sagte der Ministerpräsident im vergangenen Dezember im Landtag. „Es wird immer nur darum gehen, den Schülern und Schülerinnen, die mehr Lernzeit brauchen, auch diese Lernzeit zu geben - und denjenigen, die in acht Jahren fertig sein können, diese Chance auch nicht zu nehmen.“ Und dann sagte der CSU-Chef noch einen warnenden Satz zu einem möglichen Nebeneinander von G8 und G9: „Das gefährdet die Versorgung am flachen Land.“

Nun sieht es danach aus, als könnte die Regierung ihren Kurs etwas korrigieren: Angesichts des Dauerstreits um das Gymnasium wird nicht ausgeschlossen, mehr Schülern als bisher eine neunjährige Gymnasialzeit zu ermöglichen. Angetrieben und beschleunigt werden derlei Überlegungen durch das geplante Volksbegehren der Freien Wähler, mit dem diese eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 erreichen wollen. Dem wolle man möglicherweise ein eigenes Alternativkonzept entgegensetzen, verlautet aus CSU-Kreisen - zumal das Freie-Wähler-Konzept für untauglich gehalten wird. Es sei die Frage, ob man „etwas Neues“ brauche, also ein neues Angebot neben dem G8.

Eine völlige Abschaffung des G8 und eine Komplettrückkehr zum G9 steht nicht zur Debatte, wie die Staatskanzlei betont: „Überlegungen oder Vorbereitungen zu einer Rückkehr zum G9 gibt es nicht.“ Auch die CSU-Fraktion stellt klar: „Es bleibt beim G8 mit seinen flexiblen Möglichkeiten der individuellen Förderung, und es gibt keine Rückkehr zum G9.“ Der Bildungsexperte Gerhard Waschler versichert: „Wir wollen, dass sich die Schüler, Eltern und Lehrer in den nächsten Jahren ohne Strukturdebatten auf die beste Bildung konzentrieren können.“ Und Ex-CSU-Chef Erwin Huber betont: „Wir haben das G8 mit guten Gründen eingeführt. Es gibt gar keinen Anlass, daran etwas zu ändern.“ Die CSU beziehe ihr Vertrauenspotenzial „auch aus Kontinuität und Verlässlichkeit“.

Möglicherweise wird die Staatsregierung aber nicht umhin kommen, dem Konzept der Freien Wähler etwas entgegenzusetzen. Denn dass es zum Volksbegehren kommen wird, ist zu 99 Prozent sicher: Die nötigen 25 000 Unterschriften haben die Freien Wähler beisammen, und das Innenministerium wird dem Antrag am Ende voraussichtlich stattgeben.

Wenn sich genügend Wahlberechtigte an dem Volksbegehren beteiligen, kommt es zum Volksentscheid - mit offenem Ausgang. Viele Schüler, Eltern und Lehrer schimpfen nach wie vor über das G8 - vor allem wegen des hohen Zeit- und Leistungsdrucks. Die Staatsregierung hat zwei Möglichkeiten: Entweder sie sagt lediglich „Nein“ zum Konzept der Freien Wähler und der Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 - und nimmt die Gefahr in Kauf, zu unterliegen. Oder sie erarbeitet ein eigenes Alternativkonzept - um damit gegen das Modell der Freien Wähler ins Rennen zu gehen.

Das wäre wohl die bessere Alternative, sagen die einen. Nein, die CSU müsse standhaft bleiben, sagen die anderen - offenbar die klare Mehrheit. Wenn das Volk am Ende anders entscheiden würde, dann sei das eben so. JU-Landeschef Hans Reichhart sagt: „Die Junge Union bekennt sich klar zum G8, und wir erwarten, dass die CSU-Führung um Ministerpräsident Seehofer dies auch tut.“

Fakt ist aber, dass das neu eingeführte „Flexibilisierungsjahr“ kein Kassenschlager ist. Schüler dürfen im Bedarfsfall in der Mittelstufe ein zusätzliches Schuljahr einlegen. Das Angebot wird aber nur spärlich angenommen. „Es werden nicht viel mehr als 300, 400 Schüler sein“, sagte kürzlich der Präsident des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger. Aus dem Kultusministerium hieß es daraufhin, das Flexijahr sei nie für massenhafte Nachfrage gedacht gewesen: „Die große Mehrheit der Schüler kommt am G8 gut zurecht.“

Ein gewisse Bedeutung scheint für die Staatsregierung die Meinung der bayerischen Gymnasiallehrer zu haben. Die haben ein eigenes G9-Konzept angekündigt. Das G8 aufgeben wollen sie aber nicht, wie der Chef des Philologenverbandes (bpv), Max Schmidt, betont. Ihm persönlich schwebt ein Konzept vor, das den Schülern zwischen der Mittel- und Oberstufe die Möglichkeit gibt, sich ein Jahr mehr Zeit zu nehmen. „Es braucht ein einfaches Modell.“ Und das sei das Flexijahr eben nicht. Im Sommer soll das bpv-Konzept stehen.

dpa

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