Staatsoper: Eklat um tote Rehe auf der Bühne

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Die Oper "Rusalka" hat am Samstag Premiere.

München - Die Premiere hat noch nicht einmal stattgefunden, da kommt es schon zum Eklat. Bei der Fotoprobe von Dvoraks Oper Rusalka in der Bayerischen Staatsoper hing ein totes Reh auf der Bühne.

Für jede der kommenden zwölf Vorstellungen sollte ein weiteres erlegtes Tier dazukommen. Die Begründung: Der Regisseur Martin Kušej habe die Rehjagd „authentisch“ erscheinen lassen wollen. Tierschützer sind empört.

„Es ist erschütternd und unmoralisch, wenn Tiere für Kunst verwendet werden“, sagt Beate Eteläkoski vom Münchner Tierschutzverein. „Wie pervers sind Menschen, die tote Tiere zur Schau stellen? Das ist absolut unnötig!“

Das echte Reh kam in einer Szene des zweiten Aktes zum Einsatz. Zuvor ist der Prinz auf der Jagd nach einem weißen Reh vom Weg abgekommen, hat sich an einem See in die Nixe Rusalka verliebt und sie schließlich als Braut mit aufs Schloss genommen. „Die Rehjagd ist ein wichtiges Motiv der Oper Rusalka“, erklärt Staatsopern-Sprecher Christoph Koch die Wahl eines echten Rehs.

Für ungewöhnliche und auch provokative Mittel ist der österreichische Regisseur Martin Kušej bekannt. Aufsehen erregte er beispielsweise mit seiner Inszenierung der Verdi-Oper Macbeth mit nackten Menschen. Kušej soll übrigens kommendes Jahr die Nachfolge von Dieter Dorn als Intendant am Münchner Residenztheater antreten.

Beate Eteläkoski vom Tierschutzverein kann diese Erklärung nicht akzeptieren. „Wir haben gehört, dass die Rehe extra für die Oper einige Stunden vor der Aufführung geschlachtet werden sollten. Dieses grundlose Töten von Lebewesen würde einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen.“ Die Bayerische Staatsoper bestreitet das. Man habe die Tiere im Metzgereigewerbe erworben, so Sprecher Koch. „Die Tiere sind bereits Tage zuvor erlegt worden.“

Eteläkoski entgegnet darauf: „Das können wir leider nicht nachprüfen …“ Immerhin: Der Aufstand der Tierschützer hat bereits Früchte getragen. Am Mittwochmittag gab die Staatsoper bekannt, dass künftig auf ein echtes Tier verzichtet werde und eine Reh-Reproduktion verwendet werde, dass in den eigenen Werkstätten angefertigt wird. Der Tierschutzverein ist erleichtert. „Dennoch werden wir all unsere Mitglieder informieren und diese Inszenierung weiter genau im Auge behalten.“

nba

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