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Staatsoper: Muss Nagano gehen?

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Wird Kent Nagano über sein derzeitiges Vertragsende 2011 hinaus bleiben?
Wird Kent Nagano über sein derzeitiges Vertragsende 2011 hinaus bleiben? © dpa

Der Wind weht kälter; da fliegen einem die Ohren ab: An der Bayerischen Staatsoper, ehemals für Dirigenten und Intendanten ein Traumziel, regiert nun auch die Globalisierung mit all ihrer Härte und Beliebigkeit.

Seit Langem fragte man sich, wie es eigentlich mit Kent Nagano in München weitergeht. Wenn sein Vertrag über 2011 verlängert werden soll, hätte das schon im Sommer, besser eher, geschehen müssen. Ist aber nicht der Fall.

Nikolaus Bachler, der Intendant ante portas, hat offenbar in allem freie Hand und will Nagano, gelinde gesagt, nicht unbedingt. Zugegeben – die ganz große Erfüllung war Nagano in München bisher nicht. Rand-Repertoire („Billy Budd“, „Chowantschtschina“) gelingt; „Salome“ ist schon weniger überzeugend. „Tristan“ und „Parsifal“ hat er, für viele, auf seine Weise überzeugend dirigiert. Aber Nagano mit seinem großen Interesse an Neuer Musik, an einer intelligenten Programmverbindung von Tradition und Moderne, wie er es bei „Salome“ mit dem vorgeschalteten Rihm machte, ist nicht ganz das, woran das Münchner Opernpublikum – Mozart, Wagner, Strauss, immer, immer wieder – brennend interessiert wäre. Man hätte gedacht, dass Bachler, der ja „mit dem alten Muff“ aufräumen will, an einem solchen künstlerischen Temperament interessiert sein müsste. Scheint aber nicht so zu sein.

Hätte er sonst ohne jede Rücksprache mit Nagano den Betriebsdirektor, die Dramaturgen, die Assistenten rausgeschmissen? Ohne die Frage, ob Nagano überhaupt ohne sie auskommen kann? Hätte er nicht längst mit ihm über „Macbeth“ sprechen müssen, mit dem ja die neue Intendanz im Herbst eröffnet wird? Und wäre nicht längst Klarheit darüber nötig, wer eigentlich den „Ring“ 2011 oder 12 dirigieren soll? Thielemann wird’s ja neben Bayreuth und Baden-Baden nicht auch noch machen.

Die Kommunikation lässt also zu wünschen übrig. Nagano ist allerdings selber nicht ganz unschuldig. Zuvor hatte nämlich er einen schon bestallten Intendanten Christoph Albrecht verhindert. Außerdem wäre es in Krisenzeiten gut, ständig vor Ort zu sein – die Bayerische Staatsoper ist ja kein Pamperl-Verein. Er hat aber noch, eine ungute Sitte auch vieler seiner Kollegen heute, ein zweites Standbein in Montreal, und ist natürlich auch dort zu Anwesenheit verpflichtet.

Nun brodeln in München die Gerüchte, die man umso mehr bedenkt, je heftiger das Kunstministerium und die Oper sie niederzuhalten suchen. Daniele Gatti ist angeblich im Gespräch (macht im Sommer in Bayreuth den „Parsifal“ und in München in der nächsten Saison die „Aida“). Kirill Petrenko, hoch gelobt aus seiner Zeit an der Berliner Komischen Oper, wird in München die „Jenufa“ dirigieren, Bertrand de Billy, in Wien erfolgreich, Donizettis „Lucrezia Borgia“ und Simone Young, Chefin an Hamburgs Oper, den „Palestrina“. Könnte schon sein, dass diese vier in München ein Vortanzen haben.

Ein neuer Intendant, soviel ist klar, darf, muss ändern, aber doch nicht über den Kopf seines derzeit engsten Mitstreiters hinweg. Takt und Stil sollten nicht ganz über Bord geworfen werden. Beate Kayser

Quelle: tz

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