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Stachus: 8-Kilo-Betonbrocken fällt Student ins Gesicht

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Platzwunde über dem Auge, am Hinterkopf prangt eine blutige Beule: Johannes B. (22) wurde auf der Rolltreppe im Stachus-Untergeschoss von einem kiloschweren Betonbrocken getroffen. © Jaksch

München - Einer Schlamperei bei den Umbauarbeiten des Stachus-Untergeschosses hat Johannes B. eine Platzwunde am Kopf zu verdanken. Ein acht Kilo schwerer Betonbrocken fiel ihm ins Gesicht.

Eigentlich müsste Johannes B. (22) jetzt Tag und Nacht lernen, weil er kurz vor den zehn anspruchsvollen Bachelor-Prüfungen im Fach Versorgungs- und Gebäudetechnik steht. Doch bereits das Licht seiner Nachttischlampe empfindet der Student derzeit als unerträglich grell. Er kann sich auf nichts konzentrieren, lesen geht überhaupt nicht. All das ist Folge einer geradezu unglaublichen Schlamperei bei den Umbauarbeiten des Stachus-Untergeschosses.

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Die Rolltreppe im Stachus-Untergeschoss. © Westermann

Über den Köpfen der Menschen auf der vollbesetzten Rolltreppe hinunter zur S-Bahn löste sich am Montagnachmittag ein knapp acht (!) Kilo schwerer Betonbrocken – akute Lebensgefahr! Allein seiner blitzschnellen Reaktion verdankt es Johannes, dass er mit zwei großen Platzwunden am Kopf und einer schweren Gehirnerschütterung davonkam: „Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was einem Kind oder einem alten Menschen in meiner Situation passiert wäre,“ sagte der geschockte Student am Dienstag zur tz.

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Dieser Brocken fiel Johannes B. auf den Kopf. © Westermann

Johannes B. und sein Freund Sebastian (24) waren am Montag eingeladen zur Meisterfeier bei der IHK. Dort hatte Johannes bereits im Frühjahr seine Prüfung zum Industrie-Meister Chemie bestanden. Mit der S-Bahn wollten die beiden gegen 14.40 Uhr vom Stachus zum Ostbahnhof fahren. Zusammen mit mehreren anderen Fahrgästen betraten sie die Rolltreppe. Kurz vorm Bahnsteig im unteren Drittel der Rolltreppe hörte Johannes über sich plötzlich „so ein merkwürdiges Rauschen. Instinktiv zog ich den Kopf ein.“ Genau in diesem Moment löste sich direkt über seinem Kopf in 1,50 Meter Höhe ein 50 Zentimeter langes, 25 Zentimeter breites und 3,5 Zentimeter dickes Betonstück. Die scharfen Kanten fügten dem jungen Mann einen breiten Riss über der rechten Augenbraue und eine weitere Platzwunde am Hinterkopf zu.

Mit ein Knall krachte der Gesteinbrocken auf die Metall-Stufen und blieb im Schmutzfang am Fuße der Rolltreppe liegen. Blutüberströmt, mit dröhnendem Kopf, zerbrochener Brille und weichen Knien wankte Johannes noch bis zur S-Bahn-Aufsicht am Bahnsteig. Dort verließen ihn fast die Kräfte. Freund Sebastian schleppte indes den Betonbrocken als Beweis herbei. Die Bundespolizei nahm das Corpus delicti mit und hat bereits die Suche nach den Verantwortlichen aufgenommen. Satt zur Meisterfeier fuhr Johannes mit dem Notarzt in die Chirurgie der Uni-Klinik. Die Wunde über dem Auge wurde mit fünf Stichen genäht. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. Jetzt sitzt er zu Hause, kämpft mit Schmerzen und Sehstörungen und macht sich Sorgen ums Studium: „Wenn ich nur wieder lesen könnte...“

Die Stachus-Rolltreppe ist gesperrt, weil offenbar die Gefahr weiterer Beton-Brüche besteht.

Dorita Plange

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