Mann stirbt nach Prügelei

Stachus-Schläger muss Deutschland verlassen

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Kam aus dem Gefängnis ins Gericht: David M. (26) gestern vor seiner Verhandlung. Er klagte gegen die Stadt, die ihn zur Ausreise zwingen will – ohne Erfolg.

München - David M. (26) klagte gegen seine drohende Abschiebung nach Österreich – doch das Gericht sieht ihn als Gefahr: Er trägt die Verantwortung für den Tod eines Menschen.

Es waren seine Faustschläge, an deren Folgen Giacomo A. (41) im Juli 2011 gestorben ist – nach einem Streit bei McDonald’s am Stachus. Die Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge hat für den Österreicher David M. nun weitreichende Folgen: Er wird Deutschland nach Verbüßung seiner Haftstrafe verlassen müssen, sein Recht auf Freizügigkeit hat ihm die Ausländerbehörde aberkannt, ihm droht die Abschiebung in sein Heimatland. Gegen diese Entscheidung der Stadt München zog David M. vor das Verwaltungsgericht – und hatte keine Chance. „Dass sie das Bundesgebiet verlassen müssen, daran besteht kein Zweifel“, sagte der Vorsitzende Richter Josef Nuber gestern. Die Kammer attestierte David M. ein Aggressionspotenzial, das „erhebliche Wiederholungsgefahr“ berge.

Genau diese Gefahr hatten David M. und sein Anwalt Oliver Schmidt zuvor versucht, zu widerlegen. Der 26-Jährige war im Jahr 2012 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden, nach deren Verbüßung er unbedingt in München bleiben will. „Alles, was ich will, ist bei meiner Tochter zu bleiben“, sagte er vor Gericht. Das Kind, das bald vier Jahre alt wird, sieht David M. derzeit alle zwei Wochen: „Ich zeichne mit ihr, ich singe mit ihr, aber ich kann nicht die hunderprozentige Vaterrolle übernehmen.“ Wenn er entlassen werde, wolle er „die Jahre nachholen“. Anwalt Schmidt betonte, dass David M. vor der Tat zwar wegen Diebstählen und Drogendelikten aufgefallen war, aber noch nie wegen Gewalttaten: „Es gab eine Verkettung von widrigen Umständen, die an diesem einen Abend zur Aggression geführt haben. Einmal in diesem Leben.“ David M. mache im Gefängnis nun eine Therapie, die er selbst veranlasst habe. „Ich habe an dem Abend alles falsch gemacht“, sagt er. „Ich sehe die Schuld jetzt bei mir.“

Wie berichtet, waren David M. und das spätere Opfer aneinander geraten, weil M. sich an einem Haufen Papierservietten störte. Als der ältere, körperlich überlegene Giacomo A. aufstand, um den Streit draußen zu klären, schlug David M. zu – aus Angst, wie er sagt. Mindestens drei Faustschläge verpasste er seinem Kontrahenten, dabei riss dessen Wirbelschlagader. Giacomo A. starb, David M. wurde verhaftet. „Ich konnte damals nicht akzeptieren, dass ich so weit gehen konnte“, sagt David M. heute. In der Therapie in Stadelheim habe er gelernt, „die Verantwortung zu übernehmen“.

„Sie machen hier heute einen guten Eindruck“, sagte Richter Nuber – „aber solange die Therapie nicht positiv abgeschlossen ist, besteht Wiederholungsgefahr“. Allein die Beziehung zur Tochter rechtfertige es nicht, dass David M. in Deutschland bleiben dürfe – zumal sein Vater in Wien lebe und David M. sich einen Wohnsitz im Grenzgebiet suchen könne. Dort dürfte ihn das Kind dann besuchen.

Doch David M. befürchtet, dass ihm die Therapie im Gefängnis gestrichen wird, wenn ihm die Abschiebung droht. Auch eine Lehre durfte er bislang nicht beginnen, die Stadt lehnte die dafür nötige Lockerung der Haftbedingungen ab.

Vermutlich wird die Ausländerbehörde David M. im April 2016 nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haft zur Ausreise zwingen – bei einer Wiedereinreise droht ihm dann die Verbüßung des restlichen Drittels. Immerhin: Stadt, Gericht und David M. einigten sich gestern vor Gericht, dass M. nach fünf Jahren wieder einreisen darf. Dann droht ihm allerdings immer noch die Verbüßung der Reststrafe, Ausländer- und Strafrecht laufen getrennt voneinander. „Mein Mandant würde diese Zeit dann noch absitzen, weil er danach eine Chance hätte, mit dem Kind etwas aufzubauen“, sagte Schmidt. Die Justiz hat auch die Möglichkeit, auf die restliche Strafe zu verzichten – wenn sich David M. in Österreich gut führt. Seine Klage gegen die Stadt hat er zurückgezogen.

Fest steht: Bis David M. seiner Tochter ein richtiger Vater sein kann, werden noch viele Jahre vergehen. „Sie sagt oft, dass sie ihn vermisst“, sagte die Mutter des Kindes gestern vor Gericht unter Tränen. „Wir würden uns wünschen, dass er bei uns bleiben darf.“

Ann-Kathrin Gerke

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