Die Stadt beerdigt den Radl-Joker

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Symbol- und Reizfigur: Der Radl-Joker – hier im Einsatz am Rotkreuzplatz – sorgte für heftigen Streit im Stadtrat.

München - Er war eine Reizfigur sondergleichen: Die einen sahen im Münchner Radl-Joker eine clevere Art, für Verkehrssicherheit zu werben. Die anderen hielten ihn für alberne Geldverschwendung. Nun ist klar: Die Stadt verabschiedet sich im Jahr 2011 vom Joker.

Im Münchner Rathaus wird seit jeher viel gestritten. Aber dass einmal eine fröhliche, leuchtend blaue Kasperl-Figur der Auslöser für wütende Stadtrats-Debatten würde, das hätte vor einem Jahr wohl niemand geglaubt. Doch genau das geschah, als die Stadt vor einigen Monaten den Münchner Radl-Joker einführte.

Doch mit der Aufregung ist nun Schluss: „Der Joker wird 2011 nicht mehr auftreten“, bestätigte Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats, auf Anfrage. Auch über 2011 hinaus seien keine Auftritte in Planung.

Wie berichtet war der Radl-Joker Teil einer millionenschweren städtischen Marketing-Kampagne fürs Radeln, die insgesamt bis zu vier Jahre laufen soll. Rot-Grün im Rathaus will mit der Kampagne mehr Münchner zum Radeln animieren – und die Sicherheit im Radverkehr verbessern. Der Joker war zur Symbol- und Reizfigur der Kampagne geworden. Er sollte auf charmante Art für mehr Sicherheit im Radverkehr sorgen. Vier Schauspieler traten an öffentlichen Plätzen im Narrendress auf und spielten kleine Szenen zum Thema Rücksicht.

2010 haben Radl-Joker 30 Auftritte absolviert

Doch schnell zeichnete sich ab, dass den Jokern keine allzu steile Karriere beschieden sein sollte. CSU und FDP im Rathaus geißelten die ganze Kampagne als Geldverschwendung – und schossen sich auf den Radl-Joker ein. Genüsslich verhöhnten sie ihn als sinnlosen „Radl-Clown“ und „Kasperl“. Zu allem Überfluss ging auch der erste Auftritt der Radl-Joker im August ein wenig daneben: Noch unerfahren, sorgten die Joker versehentlich selbst ein wenig für Trubel im Radverkehr.

Dennoch betont das KVR: Man beende die Auftritte der Joker nicht, weil man mit ihnen unzufrieden sei. „Sie sollten Aufmerksamkeit für das Thema Sicherheit schaffen. Das ist gelungen“, so Sprecherin Schlegel. Die Joker hätten im Jahr 2010 rund 30 Auftritte absolviert – etwa am Stachus und am Marienplatz. „Sie wurden von den Bürgern sehr intensiv wahrgenommen.“ Viele Menschen hätten daraufhin an einem kostenlosen Radl-Sicherheitscheck teilgenommen. Im neuen Jahr wolle das KVR jedoch bei der Radl-Kampagne andere Schwerpunkte setzen. Welche das sein werden, verriet Schlegel noch nicht.

Radl-Joker hat vielleicht Chance auf Comeback

Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger, Mit-Initiatorin der Kampagne, sieht das anders. „Der Joker war richtig. Wir haben es geschafft, mit einem begrenzten Budget die Zielgruppe anzusprechen.“ 2012 wird die Radl-Kampagne nochmals im Stadtrat evaluiert. Hat der Joker dann eine Chance auf ein Comeback? „Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Bürger befragen, ob sie ihn vermissen“, so Nallinger. Dann könne man ja noch einmal darüber nachdenken, ob sich der Joker weiterentwickeln lasse.

Johannes Patzig

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