Gleiches Recht für alle Fußball-Farben

Stadt erlaubt löwenblaue Bänke

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Die Bänke am Hans-Mielich-Platz waren über Nacht blau lackiert worden. Inzwischen sind sie holzfarben.

München - Die nächtliche Mal-Aktion am Hans-Mielich-Platz löste eine Debatte aus über Sitzgelegenheiten in Fußballfarben. Jetzt sagt die Stadt: Bänke dürfen auch Sechzgerblau werden.

Ob München nun blau ist oder rot, das bleibt unter den Fußball-Fans eine Glaubensfrage. Münchens Parkbänke, so viel war bisher klar, sind in der Regel fußballerisch neutral grün – wohl niemand vermutet dahinter eine große Zahl von Werder-Bremen-Fans in Politik und Stadtverwaltung. In Ausnahmefällen durften Bänke auch in FC Bayern-rot lackiert werden, wie am Hans-Mielich-Platz im tiefblauen Untergiesing geschehen. Das führte im Viertel zu Aufregung, einer nächtlichen Mal-Aktion – und letztlich zu holzfarbenen Bänken (wir berichteten). Jetzt teilt die Stadt mit: In Zukunft dürfen Bänke auch sechzgerblau bepinselt werden, wenn die Politik das will.

Anfang September, kurz vor der offiziellen Eröffnung des neugestalteten Platzes, war passiert, womit viele im Viertel gerechnet hatten: die Bänke wurden überpinselt, aus Rot wurde Blau. Während ein BA-Mitglied von „Terror“ einer „militanten Minderheit“ sprach (und sich später dafür entschuldigte), sahen andere die Pinselaktion gelassener. Mancher, wie Hep Monatzeder, der blaue Bürgermeister von den Grünen, waren sich sicher: „Der BA wird sich für das Blau entscheiden.“

Letztlich aber wollte der Bezirksausschuss den Frieden im Viertel wieder herstellen. Der Eindruck, dass jeder im öffentlichen Raum malen könne wie er wolle, sollte ebenso vermieden werden wie ein Wettstreit der Fan-Gruppen. Dass sich auch die Roten nicht scheuen, in den Farbeimer zu greifen, hatten sie im Mai 2010 bewiesen: Kurz vor dem Spiel beider Amateurmannschaften leuchtete die Westkurve des Sechzgerstadions eines Morgens plötzlich in den FC Bayern-Farben.

Der Bezirksausschuss auf jeden Fall entschied sich einstimmig gegen den Vorschlag, die Bänke am Hans-Mielich-Platz löwenblau streichen zu lassen. Da nutzte auch der Hinweis der Freunde des Sechzgerstadions nichts, das Rot habe keineswegs nur ein paar junge Heißsporne gestört, sondern „generationsübergreifend“ im Viertel zu Missfallen geführt. Künftig sollen rote und blaue Fans in Untergiesing einmütig auf holzfarbenenen Bänken sitzen.

Die Frage aber, warum rote Bänke in der Stadt erlaubt sind – wie am Schweizer Platz (Fürstenried West) – die Farben des Deutschen Meisters von 1966 aber nicht, trieb manche auch nach der friedlichen Lösung noch um. So auch Stadträtin Manuela Ohlhausen, politisch eine Schwarze, fußballerisch klar positioniert: „Ich als Blaue fände mehr Blau im Stadtgebiet natürlich gut“, sagt sie, verurteilt aber die „Nacht- und Nebelaktion“ vom Hans-Mielich-Platz. Ohlhausen stellte eine offizielle Anfrage an die Stadt. Nun teilt das Baureferat mit, dass Bänke in Parkanlagen in der Regel grün sein sollen, in „Straßen- und Platzbereichen“ dunkelgrau. Ausnahmen auf Vorschlag der Stadtplaner oder Bezirksausschüsse seien bei der Neugestaltung von Plätzen aber möglich.

Der entscheidende Satz für alle Freunde blauer Parkbänke: „Grundsätzlich“ seien alle Farben für die Lackierung möglich, „damit auch Blau“. Manuela Ohlhausen freut sich über diese Antwort. „Wir sollten die Botschaft, dass das möglich ist, jetzt vor Ort weitergeben“, sagt sie.

Roman Beer, Vorsitzender der Freunde des Sechzgerstadions, hingegen wundert sich: Im Herbst habe es von der Stadt noch geheißen, blaue Lackierungen wären grundsätzlich nicht möglich. Ob ihm spontan schon ein neuer Platz für blaue Bänke einfällt? „Wir werden jetzt sicher keine Forderungen stellen“, sagt er. „Aber es gibt ja auch rote Bänke in der Stadt. Natürlich wäre es zu begrüßen, wenn man die Möglichkeit für blaue Bänke nutzen würde – gerade in Giesing.“

Felix Müller

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