Stadt greift durch

Hier räumen sie die Bettler-Zelte an der Isar

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Hier lebten arme Menschen wohl monatelang: Am Mittwoch räumte das Baureferat die Verschläge an der Isarböschung unterhalb der Wittelsbacherstraße ab

München - Osteuropäische Bettler hatten sich mitten im Glockenbachviertel an der Isar niedergelassen. Am Mittwoch hat das Baureferat der Stadt die provisorischen Unterschlupfe geräumt.

Die Zelte sind seit Mittwoch geräumt

Das Plätzchen ist idyllisch – mitten im Glockenbachviertel, mit Blick auf die Isar, und nachts, wenn kaum Autos fahren, hört man das sanfte Rauschen des Flusses. Doch die Menschen, die hier an der Isarböschung unterhalb der Wittelsbacherstraße leben, sind keine gutbetuchten Manager. Es sind osteuropäische Bettler, die Ärmsten der Armen. Sie hausen in Zelten, die sie notdürftig aus Ästen und Plastikplanen gezimmert haben. Am Mittwoch hat das Baureferat der Stadt die provisorischen Unterschlupfe geräumt – weil Campen an der Isar verboten ist.

Wie lange die Verschläge schon stehen, weiß keiner genau. „Sie waren plötzlich da“, sagt ein Nachbar, der mit seinem Dackel Gassi geht. „Die Männer, die darin leben, sind sehr scheu. Man sieht sie fast nicht.“ Sobald es am Morgen dämmert, verlassen die Armutsbettler ihren Unterschlupf in Richtung Innenstadt. „Am Abend schleichen sie sich wieder in ihre Zelte“, wissen die Anwohner.

Die pure Not zwingt die Armen, an der Isar zu zelten. Für eine Wohnung fehlt das Geld, Notquartiere sind oft überfüllt. Im ganzen Stadtgebiet finden sich provisorische Zelte, meist gut versteckt im Gestrüpp. Die Menschen aus Rumänien und Bulgarien finden aber auch Unterschlupf in Abbruchhäusern oder ehemaligen Kohlebunkern – wie auf dem früheren Bahnbetriebswerk der Bahn in Berg am Laim. Im Februar erst musste das Schlaflager geräumt werden, weil akute Lebensgefahr bestand. Um vor der Kälte geschützt zu sein, hatten die 26 Männer und Frauen aus Rumänien selbstgebastelte Öfen ohne ausreichenden Abzug aufgestellt.

Die drei Zelte an der Wittelsbacherstraße wurde am Mittwoch von einem städtischen Trupp entfernt. Die Bewohner waren ausgeflogen. Sie hatten wohl die unfreundliche Räumungsankündigung gelesen, der seit einer Woche an einem Baumstamm hing.

Das Baureferat konnte sich auf Anfrage der tz nicht dazu äußern.

Jacob Mell

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