Stadt-Klinikum: Not-OP beginnt

München - Alles liegt bereit: Finanzspritze, Bürgschaftstupfer, Kostenschere. Die Not-Operation zur Rettung des Städtischen Klinikums beginnt! Die tz gibt einen Überblick über die Pläne.

Am Donnerstag diskutiert der Gesundheitsausschuss im Rathaus erstmals die Details des neuen Medizinkonzepts und des Bauplans. Die will der Stadtrat hören, bevor er Abermillionen an Euro in die Rettung steckt!

Die Lage wird immer dramatischer: Die fünf Krankenhäuser brauchen eine Finanzspritze gegen die Pleite und um in die Zukunft investieren zu können. Bislang gingen alle von 100 Millionen Euro aus, jetzt ist vom Doppelten die Rede! „Die verschwinden nicht im schwarzen Loch“, versichert OB Christian Ude (SPD), sondern diene Investitionen.

Die Opposition steht zwar zur Klinik der Stadt – aber der Puls rast auf 180. „Wenn jetzt die doppelte Finanzspritze fällig wird, fällt mir wirklich die Kinnlade runter!“, ärgert sich CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Er selbst habe Klinik-Chefin Elizabeth Harrison mehr Hilfe angeboten, falls die 100 Millionen nicht genügen – aber vielleicht mit 120 bis 130 Millionen Euro gerechnet. „Da sieht man, welche Bürde dem Steuerzahler auferlegt wird.“ Das Chaos, das rot-grüne Parteimanager fünf Jahre angerichtet hätten, sei viel größer als erwartet.

Mit den Plänen der neuen Bossen sind alle zufrieden: Die „Medizinische Architektur“ sieht 16 Schwerpunkte vor. Sechs davon soll es an allen vier großen Häusern geben: Tumorzentrum, Herzmedizin, Bewegungsapparat, Altersmedizin, Schmerztherapie und Abdominalzentrum für den Bauch. Zehn Spezialisierungen zwischen Neurologie und Psychosomatik werden auf einzelne Standorte verteilt.

Um wieder ganz gesund zu werden, muss die Klinik in den nächsten Jahren 765 Millionen Euro in Neubau und Sanierung investieren – 310 Millionen muss die Klinik allein stemmen. Die tz gibt einen Überblick:

Bogenhausen

Alles steht auf dem Prüfstand: Die Klinik könnte mit dem Schwabinger Krankenhaus im Neubau zusammengelegt werden. Solange die Studie läuft, wird nur in Notwendiges investiert. Das ist nach 27 Jahren nötig: Die Pneumologie ist voll, kaum zumutbar sind die Bedingungen in der Endoskopie. Der Umbau läuft. Im Bauplan stehen Maßnahmen für 35 Millionen Euro.

Harlaching

Als Lungen-Sanatorium ging das Haus 1899 in Betrieb, seitdem wurde ständig daran gewerkelt. Jetzt steht ein Neubau zum Krankenhaus mit 744 Betten an, der an die Geiselgasteigstraße heranrückt. Im ersten Bauabschnitt entstehen die OP-Einheit mit Notaufnahme und das Zentrum Mutter, Kind & Familie neu. 2016 soll er fertig sein. Gesamtkosten mindestens 302 Millionen Euro.

Neuperlach

Der erste Bauabschnitt der Sanierung ist schon fertig, der zweite hat 2009 begonnen und soll in zwei Jahren abgeschlossen sein. Kosten inklusive eines neuen Aufzugs: 61 Millionen Euro. Gestärkt werden soll die Kardiologie mit einem ­neuen Hybrid-OP für mehr als drei Millionen Euro – der auch als Herzkatheterplatz genutzt werden kann. Auch die Gefäßchirurgie soll ausgebaut werden.

Schwabing

Auch hier werden keine großen Sprünge gemacht, weil bis Ende 2012 Fusion und Neubau mit der Klinik Bogenhausen geprüft ­werden. Dabei steht Schwabing mit Maßnahmen für 186 Millionen Euro im Bauplan. Sollte der Standort erhalten bleiben, wird zum Beispiel für die Kinderklinik entschieden, ob noch weiter Geld in die marode Bausubstanz fließen soll – oder ob nicht doch gleich ein Neubau kommt.

Thalkirchner Straße

Mit 18 Millionen Euro steht die kleine Hautklinik an der Thalkirchner Straße im Bauplan. Dort muss nämlich der Brandschutz erneuert werden. Weil dafür sowieso schon heftig am Gebäude gewerkelt wird, wollte man dies gleich mit einer Generalsanierung verbinden. ­Allerdings steht das Städtische ­Klinikum derzeit sehr schlecht da. Und deshalb wird es die so schnell nicht geben.

DAC

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Rubriklistenbild: © dpa

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