Die Hauptschlagader im Untergrund

U-Bahn-Zukunft: Neue Bahnhöfe, zusätzliche Verbindungsstrecke, U6 entfällt

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Soll die U6 komplett ersetzen: Die neue Trasse der U9 führt von Martinsried bis Garching - via Hauptbahnhof.

Die U9 durch die Innenstadt wird geplant. Dafür hat der Stadtrat am Mittwoch den Startschuss gegeben. Die neue Trasse soll die U6 komplett ersetzen, sieben neue Bahnhöfe sollen entstehen.

München - Der Planungsausschuss hat am Mittwoch zugestimmt, die Planungen für die U9-Spange aufzunehmen. Dazu hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) eine Studie in Auftrag gegeben, die zum Ergebnis kommt, dass die Trasse umsetzbar ist. Zuletzt hatte sich eine Vorzugsvariante herauskristallisiert, die nun weiter geplant und untersucht werden soll.

Vorgesehen ist bislang, dass die neue Linie irgendwann einmal die U6 ersetzen und von Martinsried bis Garching fahren soll. Dazu soll eine 10,5 Kilometer lange neue Trasse durch die Innenstadt errichtet werden. Hintergedanke ist, die U9 (ehemals U6) von der Linienführung der U3 zu lösen, um dort dann wiederum mehr Kapazitäten zu haben.

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Sieben neue Bahnhöfe

Für die Neubaustrecke sind sieben neue Bahnhöfe geplant, zum Teil durch Erweiterung bestehender. Im Bereich Impler-/Poccistraße etwa soll eine neue Haltestelle entstehen, etwa auf Höhe des geplanten Regionalzughaltes. Die bestehenden Bahnhöfe an Impler- und Poccistraße würden für den Fahrgastverkehr wegfallen, die MVG würde die Stationen aber als Abstellanlagen nutzen.

Zudem würde am Esperantoplatz neu gebaut (zweiter Wiesn-Bahnhof) sowie an den Pinakotheken und am Elisabethplatz. Auch eine Erweiterung des Hauptbahnhofes ist in Planung. Im Zuge des Umbaus für die zweite Stammstrecke soll die künftige U9-Trasse schon berücksichtigt werden. Und zwischen Münchner Freiheit und Dietlindenstraße würde eine Einfädelspur entstehen, die die neue Trasse mit der bereits existenten der U6 verbindet.

Video: So könnte die neue U-Bahnlinie U9 in München verlaufen

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Zusätzliche Verbindungsstrecke zwischen Hauptbahnhof und Theresienstraße

Darüber hinaus ist eine zusätzliche Verbindungsstrecke zwischen Hauptbahnhof und Theresienstraße in Planung. Die U29 könnte auf der neuen U-Bahn-Trasse vom Klinikum Großhadern aus zum Hauptbahnhof fahren und dort auf die U2-Trasse abzweigen. So könnte beispielsweise das Angebot an Zügen Richtung BMW ausgebaut werden. Das ist derzeit nicht möglich, da die bestehenden Anlagen im Hauptbahnhof nicht für Kapazitätserhöhungen ausgelegt sind.

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Die Bahnhöfe Poccistraße (Foto) und Implerstraße werden durch eine neue Haltestelle ersetzt.

Die Kosten werden derzeit auf drei bis dreieinhalb Milliarden Euro geschätzt. Nicht nur preislich ist die U9-Spange demzufolge mit der zweiten Stammstrecke vergleichbar. Die MVG verspricht sich von dem ambitionierten Projekt eine ähnliche Entlastungswirkung. Laut hauseigenen Prognosen würden sich die Fahrgastzahlen an den Umsteigebahnhöfen in den meisten Fällen erheblich verringern. Am Hauptbahnhof (U1, U2) von 198.500 auf 151.900 Besucher täglich (minus 23 Prozent), am Sendlinger Tor von 188.800 auf 132.400 (minus 30 Prozent), am Odeonsplatz von 123.800 auf 98.600 (minus 20 Prozent) und am Marienplatz von 189.100 auf 138.900 (minus 26 Prozent). Die neue Haltestelle am Esperantoplatz würde außerdem zu Wiesnzeiten die Haltestelle Theresienwiese um 15 Prozent entlasten. Einzig die Frequenz am Hauptbahnhof in der U4 und U5 würde um zwölf Prozent steigen: von 92.500 auf 103.400 Fahrgäste.

CSU-Politiker kritisiert Verschlechterung der Anbindung an Westen

Walter Zöller (CSU) kritisierte, dass man künftig an der Implerstraße von der U9 auf die U3 umsteigen müsse, wenn man Richtung Marienplatz fahren wolle. „Es kann ja nicht sein, dass wir so viel Geld ausgeben und sich die Anbindung an den Westen verschlechtert.“ Ob dem so ist, wird nun die weitere Planung zeigen müssen.

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Wer die Debatte verfolgte, konnte sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, dass es in München kein Problem mit dem Nahverkehr gibt und das bisherige Angebot leicht ausreicht, um nicht nur die aktuellen, sondern auch die künftigen Herausforderungen zu meistern. Da wurde unter anderem über Details der noch nicht einmal eingeleiteten Planung diskutiert. Aber auch darüber, ob man denn nun unbedingt einen „Bekenntnisbeschluss“ zur U9 fassen müsse, wie auf der Tagesordnung stand. Bekenntnisse seien doch beispielsweise dem Glauben vorbehalten oder ein politisches Statement, etwa zu uneingeschränkten Menschenrechten. OB Dieter Reiter (SPD) musste unweigerlich mit dem Kopf schütteln. „Ich halte es für wenig zielführend, das Thema jetzt schon derart zu zerfasern.“

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Die Grünen regten zudem noch an, auch neue Tramlinien durch die Innenstadt zu prüfen, die rascher realisiert werden könnten als die U9. „Es wäre Aufgabe gewesen, Alternativen aufzuzeigen“, sagte Paul Bickelbacher. Das Gremium stimmte dem nicht zu, obwohl allen bewusst ist, dass es noch viele Jahre dauert, bis die U9 tatsächlich gebaut wird. OB Reiter: „Mir bleibt die Jungfernfahrt wohl vorenthalten, vielleicht allenfalls noch mit dem Rollator.“

Sascha Karowski

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