Trotz guter Standards

Stadt lässt 1197 Wohnungen leer stehen

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Hier lässt die Stadt Wohnraum leer stehen: In der Pilotystraße im Lehel (l.), in der Thierschstraße im Lehel (rechts oben) und in der Gollierstraße im Westend (rechts unten).

München - In München herrscht Wohnungsnot. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Trotzdem stehen derzeit 1197 städtische Wohnungen leer. Jetzt geht die Stadtverwaltung in die Offensive.

Die Diskussion um den Leerstand bei den städtischen Immobilien: Jetzt geht die Stadtverwaltung in die Offensive. Am Mittwoch wollen die zuständigen Referate dem Stadtrat berichten, wie viele städtische Wohnungen leer stehen und wie viele für eine Zwischennutzung geeignet sind. Erste Zahlen gab die Stadtverwaltung schon am Freitag bekannt.

Auch dieses Haus in der Schäftlarnstraße in Sendling steht leer.

Und die sehen so aus: Von den 63.000 Wohnungen, die die städtischen Wohnungsgesellschaften Gewofag und GWG sowie das Kommunalreferat verwalten, stehen derzeit 1197 leer – das entspricht 1,9 Prozent des gesamten städtischen Bestandes. Zum Vergleich: Die Leerstandsquote bei den privaten Hausbesitzern beträgt in der Stadt 2,2 Prozent, dort werden derzeit 17.000 Wohnungen nicht genutzt. Zum Vergleich: Die Quote liegt im Bund bei 4,7 Prozent.

Für eine Zwischennutzung kommen nur 22 Wohneinheiten in Frage

Ein Drittel der Münchner Leerstände sind laut Stadt auf Umzüge zurückzuführen, zwei Drittel auf anstehende Sanierungen beziehungsweise Abriss und Neubau. Aber kann man Häuser, die manchmal über zehn Jahre lang auf den Abrisstrupp oder die Bauarbeiter warten, nicht mit kleinem Aufwand für Wohnungslose herrichten? Immerhin stehen 647 städtische Wohnungen schon länger als sechs Monate leer.

Die Stadt durchforstet seit dem Frühjahr mit einer eigenen Task Force ihre Bestände, ob dort solche „Zwischennutzungen“ möglich sind. Das magere Ergebnis: „Nach derzeitigem Stand der Prüfung kommen für eine Zwischennutzung 22 Wohneinheiten in Betracht.“ Bislang hat die Stadt neun Wohnungen zur Zwischennutzung freigegeben: In einem Stiftungsanwesen in Moosach, das ab 1. Januar wieder bewohnt werden soll.

"Viele der Häuser, die die Stadt leer stehen lässt, erfüllen gute Standards"

SPD-Rathausfraktionschef Alexander Reissl meint: „Leerstand wird es immer geben, sonst könnte niemand umziehen.“ Und auch bei Sanierungen sei es manchmal nötig, dass die Mieter ausziehen. „Es ist aber falsch, wenn die Verwaltung mit der Sanierung eines Hauses wartet, bis dort alle Wohnungen leer stehen.“ Und dass Wohnungen manchmal Jahrzehnte leer stehen, dürfe ohnehin nicht sein.

Lustspielhaus-Chef Till Hoffmann, der mit seinen Freunden von der Satireaktion Goldgrund in der Müllerstraße und in der Pilotystraße die städtischen Leerstände zum Thema machte, geht noch weiter: „Viele der Häuser, die die Stadt leer stehen lässt, erfüllen gute Standards und müssten nicht für einen teuren Neubau abgerissen oder für viel Geld saniert werden, damit sie Maximalstandars erfüllen. Dann müsste dort auch niemand ausziehen.“

Johannes Welte

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