Stadt hat neue Pläne

Dem Schloss droht das Aus

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Schwere Zeiten fürs Schloss an der Schwere-Reiter-Straße: 2017 muss das Gelände plattgemacht sein. So oder so, ob Olympia kommt oder nicht

München - Das Theaterzelt "Das Schloss" wird in einigen Jahren Geschichte sein. Unabhängig davon, ob München die Olympischen Spiele 2022 ausrichten wird oder nicht, ist 2017 Schluss.

Das hat schon was von Galgenhumor: Ausgerechnet am Montag findet im Theaterzelt "Das Schloss" eine Veranstaltung von Kabarettisten und Musikern statt, die OB Christian Ude unter die Arme greifen wollen als Ministerpräsident-Kandidaten. Dabei bräuchte Karin Greger, Betreiberin des Zelts an der Schwere-Reiter-Straße, jetzt Hilfe vom Noch-Rathauschef: Denn das Schloss steht vor dem Aus! Das berichtet Hallo München in seiner jüngsten Wochenend-Ausgabe.

Der Pachtvertrag läuft bis 2017 – und wird danach nicht verlängert. Schluss mit Schloss! Hintergrund:München hat sich für die Olympischen Winterspiele 2022 beworben – und das notwendige Gelände würde auch das von Gregers Kultur-Tempel umfassen, weil dort das Mediendorf stehen soll.

Doch damit nicht genug: Selbst wenn die Stadt den Zuschlag für 2022 nicht erhalten würde – die verantwortlichen Stadtpolitiker haben so oder so anderes vor mit dem Areal südlich des Sommer-Tollwood-Gebiets. „Geplant ist eine Parklandschaft, die das Olympiagelände noch weiter aufwerten soll“, sagt Karla Schilde, Sprecherin des Planungsreferats zu Hallo München. Selbst wenn eine mögliche „Einbindung einer kulturellen Nutzung“ über die Bühne gehen sollte, hilft das Greger und ihren zehn Mitarbeitern nichts: „Bis April 2017 muss alles platt sein.“

Das riesige Zelt, so Greger, sei eine spezielle Anfertigung für diesen Standort und könne nicht einfach ab- und woanders wieder aufgebaut werden. Viel Geld habe sie hineingesteckt, zusammen mit der Brauerei von Augustiner. „Das ist alles futsch, wenn wir aufhören müssen“, sagt sie.

Die Pläne der Stadt kamen erst ans Licht, als die Brauerei dort anfragte – sie wollte Sanierungsmaßnahmen in die Wege leiten und daher den Pachtvertrag bis 2022 verlängern. Greger zu Hallo München: „Dabei kam raus, dass die Stadt ganz andere Pläne hat.“

Rund 200 Veranstaltungen finden im Schloss jährlich statt. Eine windige Sache? Absolut nicht. Erstens ist – im gediegenen Ambiente mit gedeckten Tischen und Kronleuchtern – das Programm alles andere als eindimensional: Kabarett, Theaterstücke, Konzerte und Comedy wechseln sich hier ab. Zweitens ist das Zelt eine feste Installation, die auch stürmischen Winden trotzt.

Doch den Planungssturm der Politik, den wird dieser Kulturort wohl nicht überstehen. Olympia hin oder her.

ul

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