Stadt plant jährliche historische Wiesn

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In Steinkrüge soll das Bier auf der „Oidn Wiesn“ fließen.

München - Die Stadt will das Oktoberfest künftig jedes Jahr mit einer sogenannten „Oidn Wiesn“ ergänzen. Das zweite Festgelände soll stark an die historische Jubiläumswiesn heuer erinnern – und eine gemütliche Alternative für Familien bieten.

Es begann mit einer schönen Überraschung: Die historische Wiesn, die heuer zum 200. Jubiläum des Oktoberfests stattfand, wurde ein weit größerer Erfolg, als die Stadt gedacht hätte. Mit 300 000 Gästen hatte sie gerechnet – 500 000 kamen und genossen die historischen Zelte und Fahrgeschäfte. Als das Fest vorbei war, erhielt die Stadt viele Bürgerbriefe mit einer Bitte: Wir wollen jedes Jahr eine historische Wiesn. Auch der Politik gefiel die Idee – doch allen war klar: Einfach wird das nicht. Denn die historische Wiesn wurde mit viel ehrenamtlichem Engagement gestemmt. Doch Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) begann sofort, an einem Konzept zu tüfteln.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

Nun ist es fertig – und enthält nichts geringeres als einen Plan für ein zweites Traditionsfest: Im Süden der Theresienwiese soll künftig jährlich zeitgleich mit dem Oktoberfest die sogenannte „Oide Wiesn“ stattfinden – und fast alle Elemente der historischen Wiesn 2010 aufgreifen. Reiter will das Gelände umzäunen und drei Euro Eintritt verlangen. So soll sichergestellt werden, dass die „Oide Wiesn“ als getrennter Bereich mit familienfreundlichem, gemütlichem Charakter erscheint. Reiter stellt klar: Dieses Fest soll kein Saufpublikum anziehen – sondern Bürger, die die Wiesn beschaulicher erleben möchten. Freunde des Brauchtums und Kinder sollen sich hier wohlfühlen.

Bilder von der historischen Wiesn

Historische Wiesn: Die ersten Bilder

Herzstück der „Oidn Wiesn“ wird ein historisches Festzelt mit 5000 Plätzen und einem Biergarten mit 2700 Plätzen sein. Es soll einen Tanzboden und ein vielseitiges Trachtenprogramm bieten. Zudem ist ein Theaterzelt für etwa 1000 Gäste geplant – entsprechend dem „Herzkasperlzelt“ in diesem Jahr. Theater, Tanz, Literatur und junge Volksmusik sollen hier eine Bühne finden. In beiden Zelten wird das Bier im traditionellen Holzfass und in Steinkrügen ausgeschenkt.

Damit nicht genug: Die Stadt will auch das Velodrom – ein Fahrgeschäft mit kuriosen Radln – dauerhaft auf der „Oidn Wiesn“ anbieten. Es sei heuer eine der beliebtesten Attraktionen des historischen Fests gewesen. Auch sollen wieder nostalgische Fahrgeschäfte und Imbissbuden locken. Lediglich Pferderennbahn und Tierzelt, zwei Attraktionen der historischen Wiesn 2010, werden Reiters Konzept zufolge keinen Platz auf der „Oidn Wiesn“ finden.

Die Stadtverwaltung stellt klar: Das Fest muss sich selbst tragen. Die Wirte müssen Standgelder zahlen – und die Fahrgeschäfte dürfen nicht mehr als einen Euro kosten. Das große Festzelt soll der Verein Festring übernehmen, der auch die Oktoberfestumzüge veranstaltet. Der Verein dürfte dann auch einen Festwirt vorschlagen. Gute Chancen werden Ratskeller-Wirt Toni Winklhofer eingeräumt, der bereits heuer das historische Zelt betrieb – und das gerne wieder tun würde.

Am Dienstag befindet der Stadtrat über Reiters Konzept – und die Chancen stehen gut. Grundsätzliche Zustimmung signalisierten Alexander Reissl (SPD) und Richard Quaas (CSU) – beide wollen das Konzept aber noch im Detail prüfen. Quaas hält deshalb auch eine Vertagung für möglich. Auch Lydia Dietrich (Grüne) sagte, sie werde sich „nicht querstellen“ – obwohl sie etwas skeptisch sei, ob sich so ein Fest dauerhaft trage.

Von Johannes Patzig

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