Stadt schließt illegale Krippe

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Mehr als zehn Jahre lang wurden in dem Ladenlokal an der Oettingenstraße im Münchner Lehel Kleinkinder betreut. Nach einem anonymen Hinweis machte die Stadt München die Krippe am vergangenen Montag dicht. Der Grund: Die private Einrichtung war nie genehmigt worden.

München - Mehr als zehn Jahre lang wurden in dem Ladenlokal an der Oettingenstraße im Münchner Lehel Kleinkinder betreut. Nach einem anonymen Hinweis machte die Stadt München die Krippe am vergangenen Montag dicht.

Ein Elternpaar hatte sich an das Schulreferat gewandt – und gefragt, ob es Chancen auf einen Platz in der Krippe an der Oettingenstraße 31 habe, wie Sprecherin Eva-Maria Volland berichtet. In der Behörde wurde man stutzig. Denn: An der angegebenen Adresse gab es keine von der Stadt genehmigte Kinderkrippe, sondern lediglich das „Kinderhaus“, eine Mittagsbetreuung für die Schulkinder der benachbarten St.-Anna-Grundschule. Daraufhin wurde ein Kontrolleur ins Lehel gesandt, natürlich ohne vorherige Anmeldung. Was er dort vorfand, ließ ihm keine Wahl: Die illegale Krippe musste geschlossen werden.

Normalerweise, erklärt Volland, muss jede Einrichtung von der Stadt abgenommen werden. Sie prüft dann etwa, ob die Räumlichkeiten die Auflagen erfüllen, das Personal die vorgeschriebenen Qualifikationen hat und genügend Betreuer für die Kinder da sind. All das aber erfüllte die Krippe nicht.

Die Frau, die das Ladenlokal mit angeschlossener Wohnung vor mehr als zehn Jahren in eine Krippe umgewandelt hatte, habe keine Zweckentfremdungsgenehmigung für die als Wohnraum ausgewiesenen Räume beantragt – und auch für bauliche Veränderungen hatte sie keine Erlaubnis eingeholt. Zudem waren die Brandschutzauflagen nicht erfüllt, ein Notausgang fehlte. Und: Der Kontrolleur traf keinerlei Fachpersonal an. „Keine der drei Betreuerinnen hatte eine entsprechende Qualifikation“, berichtet Volland. Insgesamt waren 24 Kleinkinder betreut worden – und die meisten Eltern waren wohl sehr zufrieden mit der Betreuung.

Allerdings war die Trägerin der Einrichtung inzwischen eine andere. Die ursprüngliche Betreiberin der Krippe hatte die Einrichtung vor rund einem halben Jahr an eine andere Frau übergeben – und diese im Glauben gelassen, dass sie genehmigt sei.

Die neue Krippenleiterin hatte bei der Stadt nicht nachgefragt. „Wenn sich Veränderungen bei der Trägerschaft ergeben, muss das kommuniziert werden“, sagt Volland. Dann kontrolliere die Behörde noch einmal neu, ob alle Vorschriften eingehalten sind. Ob die Betreiberin mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, sei „noch nicht geklärt“, betont Volland. Dem Referat sei aber bewusst, dass sie die Krippe im Glauben übernommen habe, dass sie genehmigt sei.

Zunächst geht es nun vor allem darum, neue Plätze für die Kinder zu finden. Weil im Stadtteil Lehel der Krippen-Versorgungsgrad mit 62 Prozent überdurchschnittlich gut ist, ist bereits mehr als die Hälfte der Kinder in anderen Einrichtungen untergekommen – einzelne auch bei Tagesmüttern. Die übrigen rund zehn Kinder sollen provisorisch weiter in dem Gebäude betreut werden können. „Wir versuchen, mit einer Übergangslösung zu helfen“, sagt Volland. „Bis zum Sommer soll die Einrichtung unter Aufsicht der Stadt geduldet werden.“

Dass es viele illegale Krippen in München gibt, hält man im Bildungsreferat für unwahrscheinlich – auch, weil Einrichtungen ohne amtliche Genehmigung keine Fördergelder beantragen können, der Betrieb aber äußerst kostenaufwändig ist. Der Fall Lehel sei wohl „ein absoluter Ausnahmefall“, glaubt Volland.

Von Caroline Wörmann

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