Das hat entscheidende Auswirkungen

Stadt: Bordell muss Radl-Stellplätze bereitstellen

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Pascha-Chef Leo Eisele sagt: „Die meisten Kunden kommen mit dem Taxi.“ Mit dem Radl fahren wenige vor zum Stahlgruberring

München - Kein Witz: Neuerdings schreibt die Stadt Radlständer für Bordelle vor. Dabei strampelt doch fast niemand ins Lusthaus. Der Passus hat durchaus entscheidende Auswirkungen.

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht: Ein Passus in der neuen Fahrradabstellplatzsatzung (FabS) der Stadt München besagt doch tatsächlich, dass auch Bordelle genügend Radlständer bereitstellen müssen! Dabei strampelt doch fast niemand ins Lusthaus …

Leo Eisele hält die neue Regelung für unsinnig. Der Chef des Pascha am Stahlgruberring hat beobachtet: „Es ist unüblich, dass unsere Kunden mit dem Fahrrad kommen. Es gibt ein paar, aber die meisten kommen mit dem Taxi.“ Trotzdem verlangt die Stadt München künftig Fahrradständer – die genaue Anzahl ist von der Kapazität des Lusthauses abhängig. Die Satzung betrifft Gebäude verschiedenster Verwendungsart, derzeit allerdings nur Neu- und unter Umständen auch Umbauten. Wer also ein Bordell aus dem Boden stampft oder am bestehenden umbaut, braucht laut FabS künftig einen Radl-Abstellplatz je fünf Zimmer!

Das hat durchaus entscheidende Auswirkungen auf Baupläne. Ein Beispiel: Für das lange geplante, mittlerweile aber abgeblasene Groß-Bordell in Freimann waren 160 Betten vorgesehen. Das hieße: Der Investor hätte Platz für 32 Radl-Abstellplätze einplanen müssen. Für jedes Radl muss 1,5 Quadratmeter Fläche eingeplant werden – also insgesamt 40 Quadratmeter. Eine Menge Platz im ohnehin dicht gedrängten und teuren München.

Doch nicht nur Bordelle, auch andere Neu- und Umbauten sind betroffen. Jedoch gibt es selbst zwischen ähnlich veranlagten Betrieben deutliche Unterschiede! An Motels braucht es gar keine Radl-Stellplätze. Bei Hotels muss ein Radlplatz für 30 Betten eingeplant werden, bei Jugendherbergen ist für zehn Schlafstätten ein Abstellplatz nötig.

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In der Satzung, die in anderen bayerischen Städten in ähnlicher Form existiert, ist Zahl, Größe und Art der Abstellplätze geregelt. München will damit noch radlfreundlicher werden. Die Stadt investiert jährlich 4,5 Millionen Euro, um die Infrastruktur für den reibungslosen Radl-Verkehr zu ermöglichen. Doch geparkt werden müssen die Radl schließlich auch – und bislang ist es häufig so, dass Wildparker den Verkehr behindern: Neben öffentlichen Plätzen sollen nun vermehrt private geschaffen werden – eben auch an Bordellen.

wim

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