Die Stadt-Visionäre: Projekt Englischer Garten

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Mit dieser Pyramide vor der Feldherrnhalle erinnerten Petra Lejeune und Hermann Grub im Rahmen der Aktion „Stadt-Land Grün“ an den Parkomanen Fürst Pückler. Der nahm für den Bau seiner Vision vom perfekten Park sogar seinen finanziellen Ruin in Kauf.

München - Phantasten, Visionäre, Spinner - Petra Lejeune (63) und ihr Mann Hermann Grub (72) sind es gewohnt, dass man ihre Ideen erst einmal belächelt. Auch die zur Neugestaltung des  Englischen Gartens.

Schon vor 35 Jahren, als das Schwabinger Architektenpaar die Münchner mit dem Vorschlag überraschte, ihre Hinterhöfe in grüne Oasen umzuwandeln (davon gibt’s inzwischen übrigens 1200 …), ernteten die beiden oft nur ein mitleidiges Lächeln. Und das war auch im letzen Jahr so, als sie ihr Projekt „Ein Englischer Garten“ präsentierten. Aber Grub und seine Frau sind alles andere als Träumer. In ihren Konzepten wird immer auch eine Realisierungsmöglichkeit aufgezeigt. Und noch etwas zeichnet das Duo aus: das Gefühl für das richtige Timing.

Hermann Grub und Petra Lejeune.

Als der Münchner Stadtrat begann, Lösungen der Verkehrsprobleme am Mittleren Ring zu diskutieren, und dabei auch weitere Eingriffe inden Englischen Garten angedacht wurden, wusste das Planer-Ehepaar (drei erwachsene Kinder) sofort, dass das nicht nur verhindert werden muss - sondern dass es auch eine Chance ist. Die Chance, eine Wunde zu heilen, die das Stadtbild schon so lange verschandelt, dass sich die Münchner mittlerweile schon fast daran gewöhnt haben. Die Idee schlug ein wie eine Bombe. Erst beim eigenen Netzwerk. Und dann bei Dr. Lutz Spandau von der Allianz Umweltstiftung. Der stellte Geld für eine fundierte Planung zur Verfügung. Inzwischen sind nicht nur die Münchner Bürger begeistert, sondern auch Politiker aller Parteien. Wo gibt’s denn so was?

Auf diese Resonanz hatten Lejeune und Grub zwar gehofft, die Dimension hat sie aber überwältigt. Obwohl beide ganz selbstbewusst sagen: „Schlechte Ideen können wir uns nicht leisten.“ Das stimmt tatsächlich: Denn im Gegensatz zu anderen Architekten arbeitet das Paar keine Aufträge ab, sondern sucht sich seine Projekte selbst! Klingt genial, aber dafür muss sich das Duo auch seine Geldgeber selbst suchen. Dass das sehr oft klappt, verdanken die beiden ihrem Talent, Menschen zusammenzubringen, ihrer Glaubwürdigkeit, ihrer Unabhängigkeit und ihrem Stehvermögen.

In einer Nacht 6000 Quadratmeter Rasen verlegt

Kostprobe gefällig? Um der Forderung nach mehr Grün in den Städten Nachdruck zu verleihen, verlegte Grub 1977 auf dem berühmten Grand Place in Brüssel über Nacht (!) 6000 Quadratmeter Rollrasen. Zehn Studenten halfen - und der damalige Umweltminister Alfred Dick. Die emotionale Wucht der Installation begeisterte Menschen in aller Welt. Und da sind Grub und Lejeune wieder an einem Punkt, der für sie extrem wichtig ist: der Dialog mit der Menschen. Ihr Credo: Großprojekte funktionieren nur, wenn die Bürger in die Planungen eingebunden werden.

Welche Vision haben die Visionäre von München im Jahr 2050? Grub und Lejeune ist es wichtig, dass die Münchner in ihrer Stadt nicht nur Arbeit, sondern auch Erholung finden. Angesichts der immer dichteren Bebauung sei es deshalb wichtig, den vorhandenen Grünflächen künftig noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die Wiedervereinigung des Englischen Gartens wäre dafür wohl genau das richtige Signal.

WdP

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