Wohnen und Pendeln - der große Preis-Atlas

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt

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Wo lebt es sich günstiger? In der Stadt oder auf dem Land?

München - Rein oder nicht rein – das ist hier die Frage. Wer direkt in der Stadt wohnt, hat in der Regel kurze Wege zum Arbeitsplatz und spart sich viel Zeit, die er sonst zum Pendeln brauchen würde. Auf der anderen Seite: Wer im Umland zieht, zahlt weniger Miete und spart somit Geld. Wobei … Stimmt das wirklich?

Denn: Die Fahrt zum Arbeitsplatz kostet ja nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die tz hat deshalb nachgerechnet. Wir haben 15 Beispielfälle herausgegriffen. Zur Monatsmiete für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung (ermittelt vom Maklerverband IVD) haben wir den Preis für ein jeweiliges MVV-Monatsticket addiert.

Wichtigstes Ergebnis: Rein finanziell gesehen lohnt es sich in den allermeisten Fällen tatsächlich, nach draußen zu ziehen – auch wenn man die Kosten für eine MVV-Monatskarte dazurechnet. Die zwei Ausnahmen sind Starnberg und Herrsching: Da ergeben sich in unserer Rechnung Summen von 1223,80 bzw. 1125 Euro, also sogar mehr als in München selber. Ansonsten fällt auf, dass es zwischen den einzelnen Umland-Gemeinden riesige Unterschiede gibt. Während man beispielsweise in Geretsried (kein S-Bahn-Anschluss) nur 731,70 Euro für eine 70-qm-Wohnung zur Miete plus Monatskarte zahlt, muss man etwa in Unterschleißheim insgesamt 1025,10 Euro hinlegen.

IVD-Leiter Prof. Stephan Kippes: „Der Süden ist teurer.“

Prof. Stephan Kippes vom IVD geht ins Detail. Seiner Erfahrung nach ist der südliche Landkreis teurer als das restliche Umland. Grundsätzlich gilt außerdem: Entlang der S-Bahnlinien sind die Mieten höher als in den Zwischenräumen. Und, klar: Je weiter draußen, desto günstiger. Tatsache ist auch, dass sich die Lage ständig ändert. Einige Regionen haben zuletzt besonders angezogen. Demnach haben die Mieten zwischen 2010 und 2016 am stärksten in Erding (36 Prozent), Freising (35 Prozent) und Ebersberg (32 Prozent) angezogen. In Fürstenfeldbruck lag dieser Wert nur 18 Prozent.

Derweilk sind auch die MVV-Preise kräftig gestiegen – von 2006 bis 2016 um durchschnittlich rund 36 Prozent. Auch da gibt es Unterschiede: Die Einzelfahrkarte ist 27 Prozent teurer geworden, die für Pendler entscheidendere Monatskarte (vier Ringe) sogar um 46 Prozent!

Wichtig ist nach Einschätzung des IVD-Experten auch der Blick auf diew Details. Kippes sagt: „Informieren Sie sich genau! Wer es wirklich günstiger haben will, der sollte sich nicht nur an den einzelnen S-Bahnstationen orientieren – und auch den reinen Mietpreis nicht zu euphorisch betrachten. Entscheidend ist auch der Weg zur S-Bahn oder wie oft die Bahn fährt.“ Er führt ein Beispiel an: „Wenn Sie in Emmering wohnen, kommen Sie eventuell schneller zur S-Bahn Fürstenfeldbruck als jemand, der in Fürstenfeldbruck selbst wohnt, da die Haltestelle außerhalb des Zentrums liegt.“

Sie wollen mal für sich selber durchrechnen? Dann sehen Sie unten den großen tz-Preisatlas!

Das „Job-Ticket“ des MVV

Firmen können mit dem MVV eine IsarCardJob aushandeln. Heißt: Ab 100 Tickets erhalten sie für die IsarCardJob einen Rabatt von fünf Prozent. Ab 1000 Abonnements sind es zehn Prozent. Viele der großen Unternehmen in München bieten ihren Mitarbeitern so ein Ticket, so die Technische Uni, der Flughafen, Siemens, Linde, MAN, Allianz, Stadtsparkasse München und BMW. Auch die Stadt München ist dabei. Einige Unternehmen wie die Sparkasse und der Flughafen gewähren zusätzlich einen Fahrtkostenzuschuss. Ähnlich wie für den MVV gibt es bei einigen Firmen auch vergünstigte Angebote für die Bahn.

Steuern sparen

Pendler können Fahrtkosten zumindest zu einem kleinen Teil über die Steuer wieder reinholen. „Jeder Arbeitnehmer kann Fahrtkosten als Werbungskosten geltend machen – egal ob er mit dem Auto oder mit dem MVV zur Arbeit kommt“, erklärt der Münchner Steuerberater Alfons Schuster von der Kanzlei Groll, Gross & Steiner. Wer 150 Euro im Monat fürs Pendeln ausgibt, kann im Jahr je nach Steuersatz gut 270 Euro im Jahr sparen.

Preisbeispiele für 15 Orte

Grundlagen:

- Monatsmiete 70-qm-Wohnung (Quelle: Regionalreport September 2015, IVD-Institut)

- Isar-Card Monatskarte bis Marienplatz

München:

Miete: 1043 Euro

MVV: 78,20 Euro

Summe: 1121,20 Euro

Fürstenfeldbruck:

- Miete: 742 Euro

- MVV: 115,10 Euro

Summe: 867,10 Euro

Ebersberg:

- Miete: 686 Euro

- MVV: 161,50 Euro

- Summe: 847,50 Euro

Starnberg:

- Miete: 1085 Euro

- MVV: 138,80 Euro

- Summe: 1223,80 Euro

Unterschleißheim:

- Miete: 910 Euro

- MVV: 115,10 Euro

- Summe: 1025,10 Euro

Freising:

- Miete: 805 Euro

- MVV: 173 Euro

- Summe: 978 Euro

Taufkirchen:

- Miete: 938 Euro

- MVV: 78,20 Euro

- Summe: 1016,20 Euro

Herrsching:

- Miete: 952 Euro

- MVV: 173 Euro

- Summe: 1125 Euro

Holzkirchen:

- Miete: 686 Euro

- MVV: 150,70 Euro

- Summe: 836,70 Euro

Gauting:

- Miete: 910 Euro

- MVV: 89,30 Euro

- Summe: 999,30 Euro

Erding:

- Miete: 791 Euro

- MVV: 173 Euro

- Summe: 964 Euro

Oberhaching:

- Miete: 980 Euro

- MVV: 89,30 Euro

(S3 Deisenhofen)

- Summe: 1069,30 Euro

Ohne direkten S-Bahn-Anschluss – hier fallen also noch Benzinkosten an:

Geretsried:

- Miete: 581 Euro

- MVV: 150,70 Euro

(S7 Wolfratshausen)

- Summe: 731,70 Euro

Egling:

- Miete: 630 Euro

- MVV: 115,10 Euro

(S7 Ebenhausen-

Schätflarn)

- Summe: 745,10 Euro

Bad Tölz:

- Miete: 644 Euro

- MVV: 150,70 Euro

(S3 Holzkirchen)

- Summe: 794,70 Euro

Nina Bautz, Tobias Scharnagl

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