500 Euro von einer tz-Leserin

Stadt will Behinderter Spende wegnehmen

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Waltraud Vogt (li.) und Michaela bei der Geldübergabe mit tz-Reporterin Beate Winterer. Die beiden dürfen die Spende jetzt behalten.

München - Die 500-Euro-Spende einer tz-Leserin nahm Waltraud Vogt für ihre behinderte Tochter Michaela Hengmith dankend an. Doch nach dem Urlaub forderte die Stadt das Geld zurück.

Als Waltraud Vogt nach dem Urlaub ihren Briefkasten öffnet, traut sie ihren Augen kaum: Da flattert ihr ein Schreiben vom Amt entgegen. Die Stadt beabsichtigt, von ihrer behinderten Tochter Michaela Hengmith 500 Euro zurückzufordern – die Spende einer tz-Leserin! Von dem Geld wollte Vogt die Terrasse erneuern, den Lieblingsplatz ihrer Tochter. Aber Michaela (38) lebt von Grundsicherung und muss Geschenke als Einkommen angeben.

„Das war wie ein Faustschlag. Wir haben uns so über die Hilfe gefreut und nicht daran gedacht, das zu melden“, sagt Vogt. Die Erholung nach der kleinen Auszeit war auf einen Schlag dahin. Noch viel schlimmer: Der SV Sentilo Blumenau, ein Fußballverein aus der Nachbarschaft, will Michaela zur Begünstigten eines Benefiz-Turniers im Juli machen. Sogar das Ü40-Team des FC Bayern hat sein Kommen zugesagt. Deshalb sollte Waltraud Vogt auch gleich die Zweckgebundenheit dieser Einnahme nachweisen.

„Ich wusste nicht mehr weiter“, erinnert sich die 58-Jährige. Verzweifelt wandte sie sich an die tz. Und siehe da: Nach einem Anruf im Sozialreferat ging alles ganz schnell. „Dieses Schreiben hätte nicht rausgehen sollen. Wir haben schon im März entschieden, dass diese Spende zweckgebunden ist und Frau Hengmith alles behalten darf“, sagt Sprecher Frank Boos nach einer Absprache mit den Verantwortlichen.

Denn die unbekannte Leserin hat das Geld geschickt, nachdem die tz darüber berichtet hatte, dass Michaela Hengmith in einen anderen Regelsatz eingestuft wurde und ihrer Mutter nun das Geld für die neue Terrasse fehlt. „Die Sache ist leider ein großes Missverständnis. Dafür möchten wir uns entschuldigen“, meint Boos.

Waltraud Vogt ist erleichtert, dass sich jetzt doch noch alles zum Guten wendet: „Was für ein Glück! Ich habe ja schon 800 Euro für das Holz ausgegeben, das wir auf der Terrasse verlegen wollen.“ Dort muss alles sicher sein, denn Michaela leidet unter einer schweren Form des Down-Syndroms und hat Arthrose in den Füßen. Umrandung und Pflanztröge für draußen sollen dann mit dem Erlös aus dem Fußballturnier finanziert werden. Die Stadt ist damit einverstanden. Michaela und ihre Mama müssen die Spende aber ordnungsgemäß angeben.

Beate Winterer

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