Stadt will jedes zweite öffentliche Klo zusperren

+
Die öffentliche Toilette am Isartor soll geöffnet bleiben

München - Geht es nach dem Willen des Kommunalreferates, dann sperrt die Stadt ab heuer fast jede zweite öffentliche Toilette zu. Die Hintergründe und welche Klos betroffen sind:

Die Schließung sieht ein Entwurf vor, den der Kommunalausschuss des Stadtrates am 7. Juli beschließen soll.

Die Zustände in den öffentlichen Bedürfnisanstalten der Stadt stinken oft zum Himmel. Etwa am Marienplatz verirren sich die Passanten nur im äußersten Notfall auf das Klo im Untergeschoss, auch am Sendlinger Tor oder am Odeonsplatz sieht es nicht viel besser aus. Schon seit Jahrzehnten feilt das Kommunalereferat an Plänen, wie man die Häusl der Landeshauptstadt in einen akzeptablen Zustand bringen kann. Eine Ausschreibung des Kommunalreferates für die von ihm betriebenen 73 Klos brachte kein für den Stadtrat befriedigendes Ergebnis. Ein Anbieter wollte die Toiletten sanieren und betreiben, im Gegenzug in der Stadt kostenlos groß­flächig Werbeanlagen betreiben zu dürfen. Das wurde vom Stadtrat 2007 abgelehnt.

Jetzt hat das Kommunalreferat ein neues Konzept erarbeitet, dem zufolge die am wenigsten genutzten ­Toiletten geschlossen werden sollen, das wären 34 von 73 WC-Anlagen (Liste unten). Als Ausweichmöglichkeit empfiehlt das Referat die ­Toiletten von Gaststätten oder Einkaufszentren! In den vergangenen Jahrzehnten waren immer wieder öffentliche Toiletten geschlossen worden, etwa am Lorettoplatz oder an der Amalienburgstraße.

Die am meisten frequentierten Einrichtungen wie am Marienplatz oder am Hauptbahnhof sollen dafür saniert werden und werden künftig 50 Cent Benutzungsgebühr kosten, heißt es in dem Konzept. Bei den restlichen 22 Toiletten-Anlagen soll sich gar nichts ändern.

Die Rathaus-CSU will das Schließungskonzept nicht mittragen: „Für Familien mit Kindern oder ältere Menschen sind diese Pläne eine Zumutung“, so Fraktionsvize Hans Podiuk: Der Unterhalt öffentlicher Toiletten sei eine kommunale Aufgabe, man dürfe Gaststätten nicht zu öffentlichen WC-Anlagen degradieren. „Man hätte den Vorschlag mit der Werbenutzung annehmen sollen.“

J. Welte

Das ist die Streichliste

Diese 34 „öffent­lichen Bedürfnis­anstalten“, wie die Stadt es nennt, sollen geschlossen werden:

Oberirdische WC:
Theresienwiese
Odeonsplatz
Waldfriedhofstr.
Bavariaring
Olympiazentrum
Petuelring
Kieferngarten
Königinstraße
Studentenstadt
Neuperlach Süd
Gollierplatz
Elisabethplatz
Herkomerplatz
Am Nockherberg

U-Bahnhöfe:
Milbertshofen
Harthof
Großhadern
Kolumbusplatz
Messestadt-Ost
Forstenrieder Allee
Haderner Stern
Stiglmaierplatz
Obersendling
Josephsplatz
Am Hart
Hasenbergl
Karl-Preis-Platz
Brudermühlstr.
Dülferstraße
Lehel
Candidplatz
R.-Strauss-Str.
Böhmerwaldplatz
Friedenheimerstr.

Auch interessant

Meistgelesen

So nahm die Münchner Polizei den Einbrecher-Clan hoch
So nahm die Münchner Polizei den Einbrecher-Clan hoch
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt

Kommentare