Zuschuss für Pro Familia vervierfacht

Stadt zahlt Verhütung für Hartz-IV-Empfänger

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Bald will die Stadt Pille, Spirale & Co. für alle Bedürftigen übernehmen.

München - Für die Verhütung bleibt Hartz-IV-Empfängern oft kein Geld. Nun springt die Stadt ein -erst bei einem Projekt von Pro Familia, bald sollen alle Bedürftigen die Verhütung vom Amt erstattet bekommen.

Ganze 391 Euro Stütze gewährt Hartz IV im Monat – davon müssen die Empfänger alles außer der Miete zahlen. Nicht mal 20 Euro sind für die ganze Gesundheit vorgesehen. Dabei kostet manche Pille schon so viel! Jetzt springt die Stadt auf Antrag der Grünen ein – erst bei einem Projekt von Pro Familia, bald sollen alle Bedürftigen die Verhütung vom Amt erstattet bekommen.

Pro Familia bietet in der Beratungsstelle in der Türkenstraße zweimal wöchentlich eine Sprechstunde an: Nach der Beratung durch eine Ärztin können hier bedürftige Hartz-IV- und Sozialhilfeempfängerinnen die Verhütung kostenlos bekommen. Und Empfänger: Im vergangenen Jahr hat der Verband auch einem Mann die Sterilisation bezahlt. „Es gibt ein Recht auf Familienplanung“, sagt Pro Familia-Chef Christian Reisenberg. „Aber dafür müssen auch alle Zugang dazu haben.“

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Seit den Hartz-Reformen von 2004 zahlen die Kassen die Verhütung nur noch bis zum 20. Lebensjahr. Ältere müssen die Kosten vom Regelsatz abknapsen oder – etwa wenn Frauen die Pille nicht vertragen – hunderte Euro für die Spirale ansparen. Kaum möglich: Nach einer Pro Familia-Studie in Köln sank der Anteil der verhütenden Hartz-IV-Empfängerinnen von 67 auf 30 Prozent. Die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abbrüche steigt: Immer wieder kommen in die Münchner Beratung Frauen, die abtreiben mussten, berichtet der Verband. Denn die rund 500 Euro für die Abtreibung übernimmt die Kasse. Wer soll das verstehen?

Darum springt die Stadt ein: Erst gewährte der Stadtrat pro Jahr 10 000 Euro, wie es die Grünen gefordert hatten (tz berichtete). Weil Pro Familia die Finanzierung der jährlich 48 000 Euro für das Projekt fast weggebrochen ist, vervierfacht die Stadt heuer auf 43 000 Euro. Das hat der Gesundheitsausschuss mit den Stimmen aller Parteien beschlossen, Mittwoch hat die Vollversammlung das letzte Wort.

Doch das Geld reicht bislang nur für 300 Frauen und Männer im Jahr. Darum entwickelt die Stadt ein Konzept, wie etwa über die Sozialbürgerhäuser alle Bedürftigen an die Erstattung kommen.

David Costanzo

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