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Stadtmuseum: Was Schleichs FJS zur neuen Schau sagt

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Helmut Schleich in seiner Paraderolle als Franz Josef Strauß.

München - Am Donnerstagabend gibt’s Polit-Besuch im Stadtmuseum: Bürgermeister Josef Schmid und Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber haben sich angekündigt. Kein Wunder, schließlich geht’s in der neuen Ausstellung um den Auserwählten: Franz Josef Strauß.

Die Macht der Bilder zeigt, wie die streitbare Kultfigur der CSU in Fotografien, Plakaten, Zeitschriften und Filmdokumenten dargestellt wurde. Nun wäre FJS heuer 100 Jahre alt geworden, aber in der tz lebt er bis heute. Sein Stellvertreter auf Erden, das unerreichte Double Helmut Schleich, hat einige Bilder für die tz kommentiert.

Ausstellung: 24.04. bis 02.08.2015, St.-Jakobs-Platz 1, Di. bis So. 10 – 18 Uhr, Eintritt sieben Euro, Tel. 233 223 70, weitere Informationen gibt’s unter ­muenchner-stadtmuseum.de

Mein CDU-Steigbügelhalter

Man sieht unten Adenauer, als Mann der Vergangenheit, und mich oben als Mann der Zukunft. Ich stehe links über dem Kanzler, weil er nur der Steigbügelhalter von mir war und sonst gar nichts. Wobei ich zugeben muss, dass ich Konrad Adenauer viel zu verdanken habe. Nicht zuletzt den kreativen Umgang mit der Wahrheit und den rheinischen Klüngel, den ich zur bayerischen Spezlwirtschaft weiterentwickelt habe. Ich fühle mich selbstverständlich sehr gut ­getroffen, schließlich ist es ein Selbst-Porträt.

Mein Frühstart für Dobrindt

Hier sehen Sie mich bei meiner Lieblingsbeschäftigung: dem Fliegen mit Privatflugzeugen, das ich so glänzend beherrschte, dass ich auf Copiloten verzichten konnte. Ich habe schon damals daran gearbeitet, mit der Steuerbefreiung für privates Flugbenzin die CSU als Partei der sinnentleerten Gesetzesvorstöße zu etablieren. Leider ist das erst in der über-übernächsten Generation gelungen – und ausgerechnet dem Dobrindt mit der Maut. Allerdings nur dank meiner überirdischen Einflussnahme.

Mit Monika beim Figuren rauskegeln

Ich war nicht der Dämon, als den mich meine Gegner dargestellt haben. Viele haben mir ja einen großen Geist bescheinigt, dabei hat schon mitunter eine Partie Mensch ärgere dich nicht mit meiner Tochter Monika gereicht, um mich hoffnungslos zu überfordern. Und das mir, wo ich doch berühmt dafür war, unliebsame Figuren mir nix dir nix rauszukegeln.

Quasimodo

Auch wenn’s der Text oben so behauptet: Ich komme auf dieser Fotomontage nicht aus den Bergen, sondern als Quasimodo quasi aus den Türmen unserer Notre Dame, dem Dom zu Unserer Lieben Frau. Die vier Starfighter links unter mir sind ein Hinweis darauf, dass die Beschaffung von untauglicher Rüstung in der Bundeswehr eine lange Tradition hat, die ich persönlich begründet habe.

Und natürlich kommt die ­Rettung aus den bayerischen Bergen, schließlich habe ich schon immer gesagt: Notfalls müssen die Bayern die letzten Preußen sein.

Leichtgewichte lupfen

Ich habe in meinem ­politischen Leben alle schwarzen Leicht­gewichte gestemmt, die mir in die Quere ­kamen. Linke Schmierfinken haben in ihren Zeitungen geschrieben, ich hätte mir dabei das Kreuz verrissen. Was natürlich angesichts meines Rückgrats ­geradezu lächerlicher Unsinn ist. Erst viele Jahre später habe ich mir an diesem Pfälzer Politsaumagen Kohl ­einen politischen Bruch gehoben.

Schleichs Buch

Helmut Schleich (47) ist Kabarettist und Buchautor. Passend zum Thema ist sein Werk Franz Josef Strauß. Mein Tagebuch 1988 bis heute. Erschienen ist’s bei Droemer (272 S., 14,99 Euro). Am 22. Mai ist Schleich wieder in München mit seinem Programm Ehrlich im Circus Krone, Karten-Tel. 54 81 81 81.

Matthias Bieber

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