Ein Jahr nach Schlaganfall des Stadtrats

Kronawitter strampelt sich zurück ins Leben

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Georg Kronawitter (60) trainiert auf seinem neuen Liege-Dreirad

München - CSU-Stadtrat Georg Kronawitter (60) hat vor einem Jahr der Schlaganfall getroffen, am Tag vor Heiligabend. Das hat seine Welt auf den Kopf gestellt. Doch er hat sich zurück ins Leben gekämpft.

Er durfte mit seinen Lieben wieder Weihnachten feiern. CSU-Stadtrat Georg Kronawitter (60) hat vor einem Jahr der Schlaganfall getroffen, am Tag vor Heiligabend. Das hat seine Welt auf den Kopf gestellt. Das Selbstverständlichste wird plötzlich ganz besonders. „Ich möchte meiner Familie erhalten bleiben“, hat er sich damals zum Ziel gesetzt. Das hat er geschafft – und sich auch noch ins Rathaus zurückgekämpft.

Ausgerechnet dort hatte es ihn erwischt, auf der Treppe spürte er seinen linken Fuß nur noch wie in Schaumstoff gepackt, der linke Arm wurde pelzig. Kronawitter ignorierte die Symptome erst, sie verschwanden ja auch wieder. Erst an Heiligabend erzählte er seiner Frau Gundula davon, im Weihnachtsgottesdienst blies er noch die Trompete. Nach dem Essen machte er sich auf ins Rechts der Isar. Das MRT zeigte: Ein kleines Stück Gehirn ist tot. „Wenn ich damals gewusst hätte, was ich jetzt weiß, hätte ich nicht gewartet“, sagte Kronawitter danach. In solchen Fällen zählen Stunden, sogar Minuten, sie entscheiden manchmal über Leben und Tod.

Im linken Bein hat er kein Gefühl, der linke Arm hängt herunter, Kronawitter bleibt zunächst behindert. Tagelang Wachstation, monatelang Reha, Therapien. Er versucht den „Neustart im Kopf“, wie eines der Bücher heißt, die ihm Hoffnung machen. Er gibt dem Gehirn immer neue Impulse, damit die gesunden Zellen die Arbeit der abgestorbenen übernehmen. Und er kauft sich ein Liege-Dreirad, mit dem der Schlaganfall-Patient durch Trudering strampelt.

Im März kehrte er aus der Reha zurück, zwei Tage später saß er schon wieder im Rathaus. Bescheiden, wie er ist, mag Kronawitter daran nichts Besonderes finden. „Ich bin froh, dass ich so glimpflich davongekommen bin“, sagt er heute. Er ist auf seinem Weg weitergekommen: Man sieht ihm den typischen, vorsichtig federnden Schlaganfall-Gang zwar noch an, doch seine Schritte sind immer zügiger geworden. Auch mit der linken Hand greift er wieder zu. Mit der gesunden rechten poltert der CSU-Mann im Rathaus auf sein Pult, wenn sich einer aus der Opposition die rot-grüne Mehrheit vornimmt. Vor allem bei seinem Lieblingsthema, dem Nahverkehr.

Die Krankheit hat dem promovierten Ingenieur neue, traurige Einsichten beschert: Wie weit 500 Meter zwischen zwei Bushaltestellen sein können. Oder dass man an kaputten Rolltreppen und Aufzügen verzweifeln kann. Kronawitter schreibt auch wieder viele persönliche Anträge – bis zum Schlaganfall war er der wohl fleißigste ehrenamtliche Stadtrat.

Ganz der Alte ist er aber nicht mehr, das hat er schon vor Monaten selbst so gesehen. Seine eigene Homepage aktualisiert er nicht mehr so oft wie früher – genau wie die des CSU-Kreisverbands München-Ost, dem er auch noch vorsteht. Auch seine Bürgersprechstunden hat er abgesagt. Kronawitter hat jetzt andere Ziele: Er will leben. Darum will er 2014 auch nicht mehr für den Stadtrat kandidieren.

D. Costanzo

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