Drei neue Projekte

Stadtrat gibt grünes Licht für 3600 neue Wohnungen

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Um das ehemalige Siemens-Hochhaus in Obersendling sollen rund 100 neue Wohnungen entstehen. Viele Bürger kritisieren die geplanten bis zu 13-geschossigen Gebäude.

München - Der Stadtrat hat am Donnerstag grünes Licht für drei neue Wohnquartiere gegeben. „Am Südpark“ in Obersendling, auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände in der Au und auf dem Campus Süd an der Baierbrunner Straße werden 3600 Wohnungen gebaut. Zwischen CSU und SPD kam es zu einem handfesten Streit.

8500 neue Wohnungen will die Stadt München jedes Jahr aus dem Boden stampfen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, muss das Planungsreferat zig Bebauungsplanverfahren gleichzeitig vorantreiben – inklusive Bürgerbeteiligung, Gesprächen mit Bauwerbern und Planern. Ein Prozess, der oft Jahre in Anspruch nimmt. Jetzt hat das Planungsreferat mehrere Großprojekte dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt. Eine Übersicht:

Siemens-Quartier

Mit 23 Stockwerken und einer Höhe von 75 Metern ist das ehemalige Siemens-Hochhaus in Obersendling das prägende Gebäude im Münchner Süden. Seit sich der Industriekonzern um die Jahrtausendwende aus dem Betriebsgelände zurückzog, steht das Hochhaus leer. Die Stadt startete vor zwei Jahren einen Wettbewerb mit dem Ziel, die 11,5 Hektar große Fläche neu zu entwickeln. Arbeitstitel: „Campus Süd“. Im Mai wurde der Siegerentwurf präsentiert. Die Jury wählte fast einstimmig den Entwurf des Architekturbüros Rapp+Rapp aus Amsterdam und Lützow 7 Garten- und Landschaftsarchitekten aus Berlin (wir berichteten). Er sieht eine durchgehende fünfgeschossige, mäandrierende Gebäudestruktur mit bis zu dreizehngeschossigen Gebäuden an den Eckpunkten vor. 1000 Wohnungen sollen dort entstehen. Im asbestverseuchten Siemens-Hochhaus, das denkmalgeschützt ist und aufwändig saniert werden muss, sind 270 Wohneinheiten geplant.

Bei den Anwohnern regt sich seit Bekanntgabe des Siegerentwurfs Widerstand, ihnen sind die geplanten Bauten zu hoch. Höchstens vier- bis achtgeschossig sollten diese werden, lautete das Ergebnis der Bürgerbeteiligung. Jetzt sind es bis zu 13 Geschosse. Gestern befasste sich der Planungsausschuss des Stadtrats mit dem Bebauungsplan für den Campus Süd. Die CSU in Person von Fraktionsvize Michael Kuffer forderte unter dem Applaus der Zuhörer eine Kurskorrektur bei der Planung. „Städtebaulich ist der Entwurf eine Respektlosigkeit erster Güte und ein Ausdruck von Ellbogen-Mentalität.“ Kuffer erinnerte daran, dass die Bürger sich gegen eine Bebauung mit Hochhäusern ausgesprochen hatten. „Was wir jetzt haben, ist das genaue Gegenteil, nämlich ein Hochhaus-Cluster.“ Wer so mit den Bürgern umspringe, fördere die Politikverdrossenheit, wetterte Kuffer. Er schlug vor, den Preisträger-Entwurf zu überarbeiten. Brigitte Wolf (Die Linke) gab Kuffer Recht. „Viele Bürger fühlen sich veralbert.“

Christian Amlong (SPD) warf Kuffer vor, durch falsche Darstellungen „Ängste zu schüren“. „Ich bin maßlos enttäuscht.“ Der Entwurf habe eine hohe städtebauliche Qualität und werde die Nachbarn nicht beeinträchtigen, so Amlong. „Wenn dieses Gebiet bebaut ist, wird niemand mehr daran zweifeln.“ Gegen die Stimmen der CSU sprach sich der Ausschuss dafür aus, die Bauleitplanung voranzutreiben – inklusive der umstrittenen Hochhäuser.

Paulaner-Gelände

Rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, auf dem Paulaner-Areal in der Au, werden in den nächsten Jahren rund 1500 neue Wohnungen realisiert – darunter 30 Prozent geförderte. 3500 Menschen werden hier ein neues Zuhause finden, auch mehrere Kindertagesstätten, ein großer Park und eine verbesserte Nahversorgung entstehen. Bereits im Sommer 2016 soll die Baugrube auf dem Areal an der Welfenstraße ausgehoben und mit dem Abbruch der Bestandsgebäude begonnen werden, damit im Frühjahr 2017 mit dem Bau der ersten Wohnungen begonnen werden kann. In dem Bereich zwischen Falkenstraße und Ohlmüllerstraße ist im Frühjahr 2017 der Baubeginn vorgesehen.

Im größten Bauabschnitt zwischen Regerstraße und Hochstraße sollen die ehemaligen Brauereigebäude ab Frühjahr 2017 abgebrochen werden und die Bautätigkeiten ab 2018 beginnen. Der Abschluss der Gesamtmaßnahme wird etwa für 2023 erwartet. Die Paulaner-Brauerei verlagert ihre Produktion derzeit sukzessive nach Langwied.

Im Planungsausschuss äußerten Vertreter der Grünen und der Linken massive Kritik an den städtischen Planungen. „Die Wohnungen werden für die allermeisten Münchner unbezahlbar sein“, sagte Brigitte Wolf (Die Linke). Herbert Danner (Grüne) betonte, die Stadt sei Paulaner in vielen Punkten erheblich entgegengekommen. „Von Paulaner kommt aber nichts zurück. Das ist eine Einbahnstraße zu Ungunsten der Stadt.“ Mängel gebe es beim Mobilitätskonzept und der Umsetzung genossenschaftlicher und geförderter Wohnformen, sagte Danner. „Auch Investoren sollten sich kooperativ verhalten. Jetzt ist das eine reine Gelddruckmaschine für Paulaner.“

Bettina Messinger brach eine Lanze für das neue Quartier. „Wir haben drei Baugebiete in bester Lage mit 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau. Es wird dort viel Positives entstehen“, so die SPD-Stadträtin. Michael Mattar (FDP) lobte die „vorbildliche Bürgerbeteiligung“ im Vorfeld und forderte, den Beschluss entsprechend dem Entwurf zu fassen. „Wir brauchen dringend Wohnungen, deshalb sollte man nichts verzögern.“ Der Ausschuss billigte den Bebauungsplan gegen die Stimmen von Grünen und Linken.

Am Südpark

Das zweite große Wohnungsbau-Projekt in Sendling neben dem Siemens-Areal ist der „Südpark“. Der Planungsausschuss gab gestern den Startschuss für den Bau von insgesamt 1100 Wohnungen auf dem ehemaligen Eon-Gelände östlich der Drygalski-Allee und südlich der Boschetsrieder Straße. Eine Besonderheit: Auf über der Hälfte der neu entstehenden Gesamt-Dachfläche wird es gemeinschaftlich nutzbare Dachgärten geben.

In dem neuen Quartier soll Wohnraum für etwa 2500 Menschen entstehen, zirka 400 Arbeitsplätze sind angedacht. Die Planung sieht drei in der Höhe und in der Fassadengestaltung gegliederte große Wohnhöfe mit sechs bis acht Geschossen vor, die sich jeweils zur Drygalski-Allee, Boschetsrieder Straße und Kistlerhofstraße orientieren. Neben Eigentumswohnungen werden Mietwohnungen und Flächen für geförderten Wohnungsbau in größerem Umfang vorgesehen. Drei neue Kindertageseinrichtungen werden in die Wohnhöfe integriert. Mehr Menschen im Viertel – das erfordert auch mehr Kapazitäten im ÖPNV, weshalb der Takt der U3 verdichtet werden soll.

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