Ab 2018

MVV bastelt neues Tarifsystem: Stadtrat will Nachbesserungen

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Das Tarifsystem des MVV bringt Touristen oft zur Verzweiflung.  

Der MVV will ein neues Tarifsystem einführen. Mit dem bisherigen Stand ist der Stadtrat nicht zufrieden. Zeitkarten-Inhaber dürfen nicht die Verlierer des Systems sein, heißt es. Außerdem werden günstigere Tickets für Schüler und Azubis gefordert. 

München - Der MVV tüftelt derzeit an einem neuen Tarifsystem. Das Ziel lautet: Nachvollziehbar, ausgewogen und flexibel. Von Ende 2018 an soll die Reform greifen – sofern die Gesellschafter die Pläne bewilligen. Doch der Münchner Stadtrat sieht noch gehörigen Nachbesserungsbedarf. Das wurde in der gestrigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses deutlich.

Die Details der Umstrukturierung sind nach Meinung der meisten Stadträte nämlich bisher nicht klar genug. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) resümierte am Dienstag: „Eine klare Berechnung über die Auswirkungen des Tarifmodells für die Fahrgäste fehlt.“ Am Ende der Reform müsse es mehr Gewinner als Verlierer geben. Vor allem dürften günstigere Einzeltarife nicht dazu führen, dass die vielen Münchner Abo-Kunden über Gebühr belastet würden. Dies hatten zuvor auch Simone Burger (SPD) und Paul Bickelbacher (Grüne) betont. Zeitkarten-Inhaber dürften nicht die Verlierer der Reform sein. Beiden Stadträten war auch eine faire Tarifgestaltung im Bereich der Senioren- und Jugendtickets wichtig. Diese Fragen seien unzureichend gelöst.

Acht Kreise statt 16 Ringe

Der MVV plant, dass künftig anstelle der bisher 16 Ringe und vier Zonen acht Tarifkreise gelten sollen. Bei Einzel- und Streifenkarten wird der Preis derzeit nach Zonen abgerechnet, bei Zeitkarten nach Ringen. Im Stadtrat wurde parteiübergreifend bezweifelt, dass die Neuerung mit acht einheitlichen Tarifkreisen eine Vereinfachung darstellen wird. Die zentrale Frage: Wo verläuft die Grenzziehung der acht Tarifkreise? Der MVV-Plan würde jedenfalls Folgendes bedeuten: Im Bartarif (Einzel-/Streifenkarten) werden die Preisstufen verfeinert und der Preissprung bei Überfahren der Innenraumgrenze abgemildert, im Zeitkartentarif werden die Preisstaffelungen jedoch etwas gröber und die Preissprünge dadurch größer.

Streit um die Senioren- und Schülerangebote

Ein weiterer Streitpunkt ist die Ausgestaltung der Seniorenangebote. OB Reiter und Simone Burger sagten, maßgeblich dürfe hier nicht eine Altersgrenze, sondern die Frage der Erwerbstätigkeit sein. Reiter: „Wenn jemand 60 Jahre alt ist, 10.000 Euro im Monat verdient und dann trotzdem aufgrund der Altersgrenze in den Genuss einer Seniorenkarte kommen würde, ist das System weder logisch noch gerecht.“

Für Schüler und Jugendliche wünscht sich der Stadtrat ein möglichst pauschal gültiges Ticket – ähnlich wie unlängst im Bundesland Hessen eingeführt. Dort können Schüler und Auszubildende für einen Euro pro Tag, also 365 Euro im Jahr, Züge im gesamten Bundesland nutzen. Im MVV-Gebiet müssen Schüler viel mehr bezahlen. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sind eine Flatrate oder die freie Wahlmöglichkeit im Ausbildungstarif derzeit ausgeschlossen. Reiter schlug am Dienstag vor, im Auftrag des Stadtrats ein Schreiben an den Freistaat zu verfassen, um auf eine entsprechende Gesetzesänderung hinzuwirken. 

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