Umstellung der Betriebssysteme

Städtische IT: Rückkehr zu Windows nicht ausgeschlossen

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2003 stellte die Stadt ihre Rechner auf Linux um, LiMux wurde das Projekt genannt. 

Der Glaubenskrieg um die städtische IT scheint ausgefochten: Der Stadtrat hat entschieden eine Umstellung der Betriebssysteme von Linux auf Windows zu prüfen.  

München - Der Glaubenskrieg um die städtische IT scheint beendet: Mit den Stimmen von SPD und CSU hat der Stadtrat mehrheitlich entschieden, eine Umstellung der Betriebssysteme der Datenverarbeitung zu prüfen – von Linux zurück zu Microsoft bis zum Ende des Jahres 2020. Ferner soll untersucht werden, ob die städtische IT in eine GmbH ausgelagert werden kann. Die Opposition ist sauer. Auch der Personalrat der Stadt läuft Sturm und will gegen eine mögliche IT-GmbH in den Kampf ziehen.

Die IT-Sprecherin der CSU, Kristina Frank, ließ sich am Donnerstag zu einem Vergleich hinreißen. Die Debatte um die städtische IT, um Linux oder Microsoft, erinnere 

Kristina Frank nennt die Debatte im Rathaus „IT Wars“

ein wenig an „IT Wars“, sagte die 35-Jährige in der Vollversammlung. Also an eine auf die städtische Datenverarbeitung gemünzte Version von George Lucas’ Meisterwerk Star Wars, dem Krieg der Sterne. In der Filmreihe geht es auch um einen Konflikt zwischen einem scheinbar übermächtigen Imperium und einer kleinen Armee von Rebellen. Der ursprünglich erste Teil der Reihe trägt den Titel: Eine neue Hoffnung.

Das mag vielleicht 2003 in München so gewesen sein, als die Stadt ihre städtischen Rechner von Microsoft auf Linux umstellte. Also weg von einem übermächtigen Konzern hin zu einer kleinen Gruppe von Rebellen. Hin zu „Open Source“, einem frei zugänglichen Programm-Code, der von den jeweiligen Anwendern nahezu beliebig weiterentwickelt werden kann. Der zweite Teil der ursprünglichen Star Wars-Reihe trägt den Titel: Das Imperium schlägt zurück. Und auch das trifft dieser Tage irgendwie auf das Rathaus zu.

Die Umstellung soll geprüft werden

Durch die Stimmen von SPD und CSU hat der Stadtrat nun unter anderem beschlossen, dass die Verwaltung erneut eine Umstellung der städtischen IT prüfen soll – von Linux zu Microsoft. Zurück in den Schoß des Imperiums. Außerdem soll, wie berichtet, ein eigenes IT-Referat entstehen. Dem soll zunächst der städtische Eigenbetrieb it@m unterstellt werden. Ob der dann irgendwann in eine noch zu gründende GmbH übergehen könnte, steht ebenfalls auf der Prüfliste der Verwaltung.

Opposition: Umstellung ist teuer und unnötig

Die Opposition ist nicht begeistert. „Es ist ein trauriger Tag“, sagt Thomas Ranft (Piraten). Die Abkehr von Linux werde eine Menge Geld kosten. Es sei fraglich, ob sich die Qualität verbessere. Linux sei auch nicht das Problem. „Wir haben ein Strukturproblem, weil die Referate alle vor sich hingewurschtelt haben.“

Thomas Ranft (Piraten) befürchtet, dass ein Wechsel viel Geld kostet. 

Tatsächlich ist die städtische IT bislang auf drei Häuser verteilt: auf die it@m, das Direktorium und größere IT-Abteilungen in den Referaten. Und es wird auch nicht überall mit Linux gearbeitet – im KVR etwa vorwiegend mit Microsoft Windows. Das führt schon intern zu Problemen, da die Systeme sich nicht vertragen. Die gesamte städtische IT kam daher auf den Prüfstand. Die Beraterfirma Accenture erstellte ein Gutachten. Das scheint jedoch insgesamt so aussagekräftig zu sein, dass sowohl Linux-Gegner als auch Fürsprecher ihre Argumente mit dem Papier zu untermauern suchen. Linux-Freund Florian Roth (Grüne) etwa kritisierte die „reumütige Rückkehr“ zu Microsoft. Dafür nämliche gebe es keinen Grund. Laut Gutachten sei Linux nicht das Problem.

Kommt jetzt eine IT-GmbH?

Anne Hübner (SPD) würde gerne zu Microsoft zurück. 

Die GroKo indes rechtfertigt die Rückkehr zu Microsoft ebenfalls mit dem Gutachten. SPD-IT-Sprecherin Anne Hübner: „Das kommt sehr wohl zu dem Vorschlag, auf Windows zu wechseln.“ Auf Dauer könne man sich zwei Betriebssysteme nicht leisten. Kristina Frank sagte, dass es ihr egal sei, ob das Betriebssystem von Microsoft komme. „Für mich ist nur wichtig, dass es funktioniert.“ Einig ist man sich derweil, dass die IT-Mitarbeiter der Stadt vorher über die mögliche Gründung der GmbH hätten informiert werden können. Das kritisierte der Personalrat in der Stadtratssitzung scharf. Hübner entschuldigte sich in der Sitzung dafür. „Dass wir die Beschäftigten nicht informiert haben, tut uns leid.“ Jedoch: Es sei noch nichts beschlossen, es handele sich im Falle der IT-GmbH und auch der Umstellung zunächst einmal nur um Prüfaufträge, wie OB Dieter Reiter (SPD) klarstellte. „Wir prüfen, es gibt keinen Beschluss.“

Wenn es ein Gutachten gebe, dass über die Hälfte der Beschäftigten nicht zufrieden mit der IT ist, dann sei dies ein Signal zu reagieren. Am Rande der Sitzung versprach Reiter, den Personalrat bei allen Entscheidungen einzubinden. All diese Prüfungen und Prozesse brauchen Zeit. Und wer weiß, vielleicht gibt es am Ende einen dritten Teil der IT-Wars-Reihe: Die Rückkehr der Linux-Ritter.

Sascha Karowski

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