Was ändert sich alles? 

Stadtsparkasse macht weitere Filialen dicht - Das müssen Sie wissen

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Wenig zu tun: In 32 Sparkassen-Filialen kommen täglich nur noch weniger als zehn Kunden zum Gespräch mit ihrem Berater.

Für Stadtsparkasse-Kunden wird sich einiges ändern: Fünf Filialen schließen, zwölf werden nur noch mit Automaten besetzt und zehn öffnen nur noch in Teilzeit. Hier gibt es alle Infos. 

München - Die Sparkasse dünnt ihr Filialnetz erneut deutlich aus. Von bisher 75 Filialen sollen fünf Standorte komplett aufgegeben werden. Zwölf weitere werden in Selbstbedienungsfilialen umgewandelt. Letztlich bleiben noch 58 bemannte Geschäftsstellen übrig. Davon werden zehn nur noch als Teilzeit-Filialen betrieben. Das hat der Verwaltungsrat am Freitag beschlossen. Die Änderungen sollen ab März kommenden Jahres gelten.

Die Sparkasse hatte von April bis Juli ihre Filialen mit Lichtschranken ausgestattet und das Verhalten ihrer Kunden genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: In 32 der 67 untersuchten Filialen kam es nur zu fünf bis zehn Kundengesprächen pro Tag. „Diese Filialen werden offenbar nicht mehr so angenommen wie früher“, sagt Sparkassenchef Ralf Fleischer. „Unter rein betriebswirtschaftlichen Gründen müssten diese 32 eigentlich alle schließen“, fügt Fleischer hinzu.

„Ich nehme unseren öffentlichen Auftrag sehr ernst“

Soweit wollte die Sparkasse aber nicht gehen. „Ich nehme unseren öffentlichen Auftrag sehr ernst“, sagt Fleischer. Auch nach den Schließungen soll die maximale Entfernung zur nächsten Filiale zwei Kilometer betragen. Damit keine weißen Flächen entstehen, werden zehn Filialen in Teilzeit-Filialen umgewandelt. „Das ist eine Konzession an unseren öffentlichen Auftrag“, stellt Fleischer klar. Diese Filialen öffnen nur noch an zwei oder drei Werktagen. An welchen, das hängt von den Ergebnissen der Kundenfrequenzanalyse ab.

In 31 Filialen soll übrigens alles so bleiben, wie es ist. Neun Filialen sollen zu Beratungscentern aufgewertet werden. „Das ist eine kleine Sparkasse vor Ort“, erläutert Fleischer. Bisher betreibt die Sparkasse acht dieser Filialen, in denen vom alltäglichen Bankgeschäft über Immobilien- und Anlageberatung bis zu Versicherungen das gesamte Spektrum der Bank unter einem Dach zur Verfügung steht. Die Sparkasse hatte diese Geschäftsstellen vor zwei Jahren eingeführt.

Insgesamt zwölf Filialen sollen in SB-Einheiten umgewandelt werden. Insgesamt wird es künftig 71 SB-Standorte mit Geldautomaten geben, 46 davon sind zusätzlich mit einem SB-Terminal und Kontoauszugsdrucker ausgestattet.

Das ist neu: die DirektFiliale

Die Sparkasse eröffnet aber auch eine neue Filiale: die DirektFiliale. „Sie ist für Kunden gedacht, die nicht unbedingt den Weg in die Filiale suchen, aber trotzdem persönlichen Kontakt zum Berater wünschen“, erklärt Fleischer. Dort sollen Kunden jeweils von Montag bis Freitag zwischen 8 und 20 Uhr telefonisch, per Text- oder Videochat von einen Bankberater betreut werden – und das ohne vorherige Terminabsprache. Auch der Abschluss von Verträgen soll so möglich sein. In ein bis zwei Jahren soll die DirektFiliale kompplett ausgebaut sein. Dann werden 50 Kundenberater dort beschäftigt sein.

Mitarbeiter werden nicht gehen müssen. „Wir werden uns mit der gleichen Mannschaftsstärke im Vertrieb um die Kunden kümmern“, so Fleischer. Die meisten würden innerhalb der Filialwelt der Sparkasse umgesetzt. Deshalb sei das Sparpotential allenfalls marginal. „Wir sparen keine Personalkosten, höchstens ein wenig Miete und technische Kosten“, so Fleischer.

Insgesamt wird der Service also in 27 Filialen eingestellt oder eingeschränkt. „Wir haben uns bewusst für einen großen Schritt entschieden“, sagt Fleischer. Denn jetzt müsse für die nächsten Jahre wieder Ruhe an der Filial-Front sein. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir gehen diesen Weg nicht, weil uns danach ist, sondern wir uns dem veränderten Kundenverhalten anpassen müssen“, ist Fleischer überzeugt. Trotzdem habe die Sparkasse noch immer das dichteste Filialnetz in München: „Die Nähe zum Kunden liegt in der DNA unserer Sparkasse. Den dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.“

Die Strategien der anderen Banken

Auch die anderen Banken in der Stadt kämpfen mit den Niedrigzinsen und dem veränderten Kundenverhalten. Größere Filialschließungen planen die wenigsten Institute – auch, weil die meisten diesen Schritt bereits vollzogen haben.

Vorreiter war im Jahr 2014 die HypoVereinsbank. Damals war der Aufschrei groß. 40 Prozent der Filialen wurden zusammengelegt, jetzt gibt es noch rund 40 Filialen. Die übrig gebliebenen Standorte wurden ausnahmslos modernisiert und die Online-Vertriebswege ausgebaut.

Ebenfalls abgebaut hat 2016 die Deutsche Bank von 23 auf heute 15 Filialen. „Wir haben in ganz Deutschland Filialen zusammengelegt“, sagt ein Banksprecher zur tz. „Jetzt sind wir mit unserem Netz sehr zufrieden.“ Auch diese Bank setzt verstärkt auf Online-Angebote und telefonische Beratung.

Damit ist sie nicht allein. Die Online-Filiale seht bei allen Instituten hoch im Kurs, dennoch haben die meisten Institute weniger Filialen abgebaut. Für Genossenschaftsbanken wie die Münchner Bank ist die Nähe zum Kunden besonders wichtig. Unter dem Motto „Kiez-Banking“ versucht das Institut, in jedem Stadtteil präsent zu sein.

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