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Doppelspitze wieder komplett

„Die CSU ist ein Hühnerhaufen“: Das neue Selbstbewusstsein der Münchner Grünen

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Zwei, die sich verstehen: Dieter Janecek (re.), Zugpferd der Münchner Grünen und Bundestagsabgeordneter, sowie der neue Stadtvorsitzende Sylvio Bohr.

Die Doppelspitze im Stadtverband der Grünen ist wieder komplett: Sylvio Bohr beerbt den zurückgetretenen Vorsitzenden Hermann Brem. Der 36-Jährige bildet zusammen mit Gudrun Lux das Führungsduo der Öko-Partei. Bohr setzte sich in der Stichwahl mit 81:69-Stimmen gegen Peter Heilrath, Grünen-Bundestagskandidat im Süden Münchens, durch.

München - 17,2 Prozent bei der Bundestagswahl in München, noch vor der SPD (16,2 Prozent) die Nummer zwei in der Stadt – die Grünen sind im Stimmungshoch. Bei der Stadtversammlung am Mittwochabend im rustikalen Ambiente der Echardinger Einkehr in Berg am Laim war das zu spüren. 160 Mitglieder waren gekommen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen – und um das Ergebnis der Bundestagswahl zu analysieren. Eines aber konnte man aus den Beiträgen bei nahezu allen Rednern heraushören: Die Partei sieht trotz des starken Ergebnisses in der Metropole München keinen Grund zum Abheben.

Man sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und für ein ökologischeres und gerechteres Land zu kämpfen, sagte die Stadtvorsitzende Gudrun Lux. Das Ergebnis aber sei kein Ruhekissen, fügte sie in Anspielung auf die Erfolge der AfD hinzu. Andere Redner verwiesen auf die miserablen Ergebnisse der Grünen im Osten und in der bayerischen Provinz. Dennoch betonte der Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, in dessen Wahlkreis die Grünen eines der besten Ergebnisse bundesweit erzielten: „Ohne die Ergebnisse in Bayern und in Baden-Württemberg hätten wir nicht so gut abgeschnitten.“ Er sei noch nie so stolz auf ein Wahlergebnis gewesen, „weil die Bedingungen sehr schwierig waren“. Janecek prophezeite „schwierige Jamaika-Gespräche“. „Aber natürlich werden wir verhandeln, und wir Grüne sind in einer guten Position.“

Margarete Bause, die wie Janecek den Sprung in den Bundestag geschafft hat, sagte, die Grünen gingen gut vorbereitet in die Koalitionsgespräche. „Die Geschlossenheit macht uns stark.“ Bei der Union sehe das anders aus – „eine absurde Situation“, so Bause. „Wer nicht zu Potte kommt, ist die CSU“, erklärte die langjährige Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag und setzte noch einen drauf: Die CSU sei „ein Hühnerhaufen“.

Bundestagskandidaten unter sich: Margarete Bause sitzt im Parlament, Peter Heilrath scheiterte am Stadtvorsitz.

Marcel Rohrlack, ein aufstrebender Politiker aus Münchens Grüner Jugend, zitierte Umfragen, wonach die große Mehrheit der Wähler der Auffassung sei, die CSU müsse beim Thema Zuwanderungsobergrenze über ihren Schatten springen, um die Koalitionsverhandlungen nicht zu gefährden. „Die Große Koalition ist abgewählt worden, die Leute wollen Jamaika.“ Beim Umgang mit der AfD riet die Grünen-Fraktionschefin im Landtag, Katharina Schulze, sie habe „keinen Bock, ständig über diese Partei zu reden“. Die Rechtspopulisten könnten nur entzaubert werden, indem man sich auf die eigenen, starken Themen fokussiere. Andere Mitglieder mahnten die Partei, auch eine Politik für sozial Schwache zu machen. „Nicht nur alte Männer haben AfD gewählt.“

Für Sozialpolitik will der neue Stadtvorsitzende Sylvio Bohr einstehen. In seiner Bewerbungsrede mahnte der 36-Jährige, Familien sowie Menschen mit geringem Einkommen dürften in der Wohnungspolitik nicht ins Hintertreffen geraten. „Die hier ansässigen DAX-Konzerne haben eine soziale Verantwortung, mehr Betriebswohnungen zu bauen.“ Genauso sei der Freistaat in der Pflicht, beim studentischen Wohnen mehr zu tun. Bohr forderte überdies einen konsequenten Ausbau des ÖPNV und mehr Radwege. Bohr ist seit 1994 bei den Grünen aktiv, unter anderem war er Sprecher der Ortsverbände Giesing und Schwabing. Seit 2008 vertritt er die oberbayerischen Grünen im Bezirkstag, seit 2013 ist Bohr hauptamtlich Geschäftsführer der Grünen Jugend Bayern. Der 36-Jährige – als Beisitzer auch bisher schon Vorstandsmitglied – steht nun zusammen mit Gudrun Lux an der Spitze des Stadtverbandes. Bohrs Vorgänger Hermann Brem war im Juli aus persönlichen und beruflichen Gründen zurückgetreten und am Mittwoch mit Tränen in den Augen verabschiedet worden.

Insgesamt waren sechs Bewerber für den Führungsposten angetreten. In der Stichwahl setzte sich Bohr mit 81:69 Stimmen gegen den Rechtsanwalt und Filmproduzenten Peter Heilrath (48) durch. Der galt im Vorfeld als leichter Favorit, weil er im Bundestagswahlkampf als Direktkandidat im Münchner Süden an Profil gewonnen hatte. Bohr allerdings gilt als sehr beliebt und seit Langem an der Basis verwurzelt. Gudrun Lux sagte, sie sei zufrieden mit der Wahl. Mit Bohr habe sie bisher gut zusammengearbeitet. Lux wertete es als gutes Signal für die Partei, dass sich gleich sechs Kandidaten um den Vorsitz beworben hatten, darunter mit Helena Geißler (28) und Florian Schönemann (29) auch zwei sehr junge Politiker. Das drittbeste Ergebnis erreichte im ersten Wahlgang hinter Bohr und Heilrath der 40-jährige Arne Brach.

Einstimmig entschied die Stadtversammlung der Grünen am Mittwochabend, dazu aufzurufen, beim Bürgerentscheid „Raus aus der Steinkohle“ am 5. November mit „Ja“ zu stimmen.

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