Stadtwerke drohen: Noch mehr Klos dicht!

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Saubere Sache? Nur hier am Marienplatz und an der Münchner Freiheit ist die Sanierung absehbar – bei den übrigen Toiletten der Stadt geht nichts voran

München - Die Stadtwerke wehren sich gegen Millionen-Ausgaben und drohen mit der Schließung weiterer öffentlicher Toiletten in München.

Seit zwölf Jahren stinken den Münchnern die öffentlichen Klos. Vergangenen Sommer beschloss der Stadtrat, dass 32 stille Örtchen dicht gemacht und die übrigen 38 Häusl des Kommunalreferats saniert werden – darüber sollte die Stadt mit den Stadtwerken verhandeln. Acht Monate später liegt kein Ergebnis vor: Die Stadtwerke wehren sich gegen die Millionen-Ausgaben und drohen jetzt mit der Schließung weiterer Toiletten!

Als vorbildliches Unternehmen beschnuppern die Stadtwerke so ein Thema natürlich von allen Seiten – und wittern Übles an allen Ecken und Enden: Schon im Sommer stellte U-Bahn-Chef Günter Pedall fest, dass die Verkehrsbetriebe genau wie die Bahn gesetzlich nicht zum Klo-Betrieb verpflichtet sind. Außerdem zweifelte er stark an den Nutzerzahlen der Stadt, ließ nachzählen und ermittelte etwa am Max-Weber-Platz nur 121 statt der geschätzten 1500 Besucher am Tag.

Das Kommunalreferat zuckt mit den Schultern: „Die Aufnahme der Verhandlungen mit den Stadtwerken sowie die ersten Gespräche gestalteten sich schwierig.“ Klos gehörten eben nicht zu deren Kernkompetenz.

Jetzt legt ein anderer Stadtwerke-Chef nach: Steuer-Abteilungsleiter Hans Hof­stetter führt auf sechs Seiten aus, warum bei so einem „Dauerverlustgeschäft“ der Fiskus sowohl bei Stadt als auch Stadtwerken sechsstellige Beträge einfordern würde. Das Risiko lasse sich nur vermeiden, wenn die Toiletten profitabel betrieben würden. Und dann schließt der Steuer-Chef: „Dies dürfte sich nur umsetzen lassen, wenn der weit überwiegende Teil der Anlagen geschlossen wird.“

Quer durch die Bank pressiert es den Parteien langsam. Sie fordern vom ­Kommunalreferat und vor allem von den Stadtwerken, bis Sommer zu einem Ergebnis zu kommen. „Ein Skandal, der zum Himmel stinkt, geht in die nächste Runde“, sagte Fraktions-Vize Hans Podiuk. „Der Start einer Mondrakete braucht nicht so viel Vorbereitung!“

Fortschritte gibt es nur bei den beiden größten Toiletten: Marienplatz und Münchner Freiheit werden saniert – vermutlich irgendwann im nächsten Jahr.

Die Streichliste – bisher:

Theresienwiese, oberirdisch

Waldfriedhofstraße, oberirdisch

Harthof, U-Bahnhof

Klinikum Großhadern, U-Bahnhof

Kolumbusplatz, U-Bahnhof

Messestadt West, U-Bahnhof

Forstenrieder Allee, U-Bahnhof

Haderner Stern, U-Bahnhof

Bavariaring, oberirdisch

Stiglmaierplatz, U-Bahnhof

Olympiazentrum, oberirdisch

Obersendling, U-Bahnhof

Josephsplatz, U-Bahnhof

Petuelring, oberirdisch

Am Hart, U-Bahnhof

Kieferngarten, oberirdisch

Hasenbergl, U-Bahnhof

Karl-Preis-Platz, U-Bahnhof

Brudermühlstraße, U-Bahnhof

Dülferstraße, U-Bahnhof

Lehel, U-Bahnhof

Königinstraße, oberirdisch

Candidplatz, U-Bahnhof

Studentenstadt, oberirdisch

Richard-Strauss-Straße, U-Bahnhof

Böhmerwaldplatz, U-Bahnhof

Friedenheimerstraße, U-Bahnhof

Neuperlach Süd, oberirdisch

Gollierplatz, oberirdisch

Elisabethplatz, oberirdisch

Herkomerplatz, oberirdisch

Am Nockherberg, oberirdisch

David Costanzo

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