Unternehmen läuft auf Sparflamme

Stadtwerke: 600 Millionen Verlust - Zwei Bosse hören auf

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Stürmische Zeiten für SMW-Chef Florian Bieberbach. Der Konzern verzeichnet wohl heuer einen Verlust von 600 Millionen Euro.

München - Die Finanzen der Stadtwerke – der Blick in die Glaskugel verheißt nichts Gutes: 600 Millionen Euro Miese wird der Konzern heuer voraussichtlich ausweisen – zum ersten Mal seit vielen Jahren!

Gründe dafür gibt es mehrere: Zum einen haben die Stadtwerke mit Strukturbrüchen zu kämpfen, die die gesamte Branche belasten: Die Energiepreise fallen stark, Energiewende und Atomausstieg verändern die Erzeugungslandschaft. Dadurch verzeichnet beispielsweise Eon Rekordverluste in Milliarden-Höhe. Tausende Arbeitsplätze in der Energiebranche werden abgebaut.

So weit ist es bei den SMW noch nicht. Zwar sinkt der operative Gewinn des SWM Konzerns seit Jahren – zwischen 2010 und 2014 von 556 auf 366 Millionen Euro. Jedoch ist der Abwärtstrend gestoppt – die SWM rechnen heuer mit knapp 400 Millionen Euro Einnahmen aus dem operativen Geschäft.

Schön und gut, allerdings gibt es laut dem Energieversorger aktuell außergewöhnliche Sonderbelastungen: So müssen beispielsweise aufgrund des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus die Rückstellungen für das Kernkraftwerk Isar II um rund 120 Millionen Euro erhöht werden.

Was noch negativ zu Buche schlägt, sind die so genannten Wertberichtigungen. Das gilt etwa für Anlagen der Erdgas- und Stromgewinnung. Dadurch, dass die Energiepreise sehr niedrig sind, werfen diese Anlagen weniger Gewinn ab als ursprünglich kalkuliert. Das schlägt sich nun in der Jahresbilanz nieder. Somit steht – nach aktueller Hochrechnung – Ende 2015 ein Minus von rund 600 Millionen unter dem Strich. Das wiederum mindert das Ergebnis des Mutterkonzern, der GmbH, die alljährlich Geld an die Stadt zahlt. Die üblichen 100 Millionen Euro werden heuer fast komplett entfallen.

Dennoch wird weiter investiert – in erneuerbare Energien. Auch werden Fahrzeuge gekauft, die Infrastruktur wird weiter ausgebaut. Und die Bädersanierungen schreiten ebenso voran. Die SWM wollen so sicherstellen, wirtschaftlich und wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit die nächste Jahresrechnung wieder ein besser ausfällt.

Sascha Karowski

Zwei der Bosse hören auf

MVG-Chef Herbert König.

Bei den Stadtwerken geht der Generationenwechsel weiter: Nachdem 2012 Florian Bieberbach (42) den langjährigen Geschäftsführer Kurt Mühlhäuser (72) beerbte, stehen kommendes Jahr erneut Personalrochaden in der Führungsriege an: Verkehrschef Herbert König (geboren am 14. April 1952) geht zum 31. Oktober und Versorgungschef Stephan Schwarz (geboren am 28 August 1951) zum 31. Januar 2017 in die Rente. Allesamt sind übrigens stramme Sozialdemokraten.

Jetzt, da mit Bürgermeister Josef Schmid (CSU) nicht mehr ein Sozi das Referat für Abriet und Wirtschaft leitet, werden die neuen Geschäftsführer auf dem freien Markt gesucht. Offiziell heißt es, dass es in der städtischen Familie keine Kandidaten dafür gebe. Bewerben kann man sich bis zum 31. Dezember bei der Düsseldorfer Personalberatung LAB & Company.

Die Anforderungen an die neuen Chefs: „Hochschulstudium oder Erfahrung in vergleichbaren Positionen sowie langjährige Erfahrung im Betrieb eines Verkehrsunternehmens, idealerweise im Schienenverkehr“ bzw. „im Betrieb von Energieversorgungsanlagen“ sowie „herausragende Führungspersönlichkeit“.

SWM-Versorgungschef Stephan Schwarz.

Was den neuen Verkehrschef betrifft, hat Andreas Nagel von der Aktion Fahrgäste noch weitere Wünsche: „Eine Persönlichkeit mit hohem technischen Sachverstand.“ Er hoffe, dass es dann wieder gelinge, Neubaustrecken termingerecht fertigzustellen und Fahrzeuge planmäßig in Betrieb zu nehmen. Nagel weiter: „Die Verantwortlichen müssen auch wieder Ordnung in das Gefüge der Entlohnung bringen. Es kann nicht sein, dass ein Geschäftsführer der Stadtwerke im Vergleich zum Oberbürgermeister unvergleichlich viel mehr Geld am Monatsende erhält.“ Die Position sei früher mit einem Beamten besetzt gewesen, vergleichbar mit dem Polizeipräsidenten. „Auch stellt sich die Frage, ob die Geschäftsführung der Stadtwerke nicht verschlankt werden sollte. Besonders da die Stadtwerke keine sprudelnde Geldquelle mehr sind.“

J. Welte

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