Betriebswohnungen

So wollen Stadtwerke-Mitarbeiter günstige Wohnungen schaffen

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Genossenschafts-Gründer: Vorstand Thorsten Bockmühl (l.) , und Aufsichtsratschef Karl Geigenberger.

Eine alte Idee, neu aufgelegt: Mit einer eigenen Wohnungsbaugenossenschaft wollen Beschäftigte der Münchner Stadtwerke günstigen Wohnraum für ihre Kollegen schaffen. Ein Vorbild für andere Betriebe? 

München - Wer vor den hohen Mieten in der Stadt nicht kapitulieren will, muss das Heft des Handels selbst in die Hand nehmen. So wie 31 Mitarbeiter der Stadtwerke, die jetzt die Stadtwerkschaft – eine betriebliche Wohnungsbaugenossenschaft – gegründet haben. Die bestechende Idee war über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten: Kollegen schließen sich zusammen, um gemeinsam für dauerhaft günstigen Wohnraum zu sorgen. „Unser Motto lautet: Von Mitarbeitern der Stadtwerke für Mitarbeiter der Stadtwerke“, erklärt Thorsten Bockmühl, der Vorstand der Stadtwerkschaft.

„Die Mieten in der Stadt sind für Normalverdiener doch kaum noch zu bezahlen“, ärgert sich Bockmühl. „Wir haben uns deshalb überlegt, wie wir für die Mitarbeiter der Stadtwerke günstigen Wohnraum schaffen können.“

Betriebs-Genossenschaften gab es vor allem früher 

Schnell war klar: Der Weg führt über die Gründung einer Genossenschaft. „Der Klassiker sind natürlich die Eisenbahner- und Postgenossenschaften“, sagt Karl Geigenberger, Aufsichtsratschef der Stadtwerkschaft, über die historischen Vorbilder. Deren Gründung liegt jedoch mehr als 100 Jahre zurück. „Wir sind seit Langem die Ersten, die mal wieder eine betriebliche Wohnungsbaugenossenschaft gegründet haben“, sagt Geigenberger. Ein Vorteil dabei sei die Vielfalt der unterschiedlichen Berufe bei den Stadtwerken. „Vom Handwerker über den Finanzfachmann bis zum Architekten haben wir genügend Mitarbeiter, die sich in einem solchen Projekt richtig ausleben können.“

Interessenten brauchen einen langen Atem

Die Interessenten brauchen allerdings neben viel Leidenschaft auch einen äußerst langen Atem. Vom ersten Gründungsimpuls bis zur tatsächlichen Gründung sind bereits drei Jahre ins Land gegangen. Und einziehen können die jetzt 60 Mitglieder bei der Stadtwerkschaft noch lange nicht – denn noch sind die Bauherren in spe auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück. 

Dabei soll wiederum der Arbeitgeber ins Spiel kommen. „Wir würden gerne auf einem brachliegenden Grundstück der Stadtwerke bauen“, sagt Bockmühl. Denn der Preis für den Baugrund ist der begrenzende Faktor für den späteren dauerhaft günstigen Mietpreis in der Genossenschaft. „Müssten wir uns auf dem freien Markt nach Grundstücken umsehen, dann könnten wir kaum günstigere Preise als andere Vermieter anbieten“, sagt Geigenberger.

Lesen Sie hier: Trotz Preisbremse - Mieten in München steigen stärker als je zuvor

Die Stadtwerke unterstützen des Projekt 

Ein Haus mit 80 Parteien soll es werden. Aktuell habe man bereits ein Grundstück im Blick. „Wir sind in positiven Verhandlungen mit den Stadtwerken“, so Bockmühl. Als Konkurrenz zu den Werkswohnungen der Stadtwerke sehen sich die Genossen nicht. Und auch die Stadtwerke selbst hätten das Projekt bisher wohlwollend unterstützt. So konnte die Genossenschaft Räume der Stadtwerke nutzen und auf deren Kosten einen Berater anheuern, der bei der Gründung half.

Ein Vorbild für andere Betriebe?

Jetzt hofft Bockmühl, dass das Beispiel der Stadtwerkschaft in anderen Betrieben Schule macht. „Das Problem steigender Mieten haben ja nicht nur unsere Mitarbeiter“, sagt Bockmühl. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sollten die Firmen solche Mitarbeiter-Initiativen stärker unterstützen. Bockmühl: „Natürlich verdienen die Leute in München mehr, dank der hohen Mieten haben sie am Ende aber trotzdem weniger Geld in der Tasche als in anderen deutschen Städten.“

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