Trotz Energiehilfe für Frankreich

Stadtwerke: München ist stromsicher

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Das Kohlekraftwerk in Unterföhring.

München - Deutschland hilft Frankreich bei der Energieversorgung, nachdem dort mehrere Atommeiler abgeschaltet wurden. Droht deshalb bei uns ein Versorgungsengpass? Die Stadtwerke sagen Nein. 

Europas Stromnetze stehen vor einer Belastungsprobe. In Frankreich mussten mehrere Atommeiler abgeschaltet werden. Um einen Blackout zu vermeiden, hilft Deutschland mit Stromlieferungen. Das erhöht die Gefahr von Ausfällen bei uns. Die Stadtwerke sehen die Situation gelassen. Denn München kann sich selbst versorgen – noch.

Größte Belastung seit Langem

Am heutigen Donnerstag wird das europäische Verbundstromnetz der größten Belastung seit langem ausgesetzt sein. Damit rechnet zumindest der französische Stromnetzbetreiber RTE. Seit Tagen hat eine Kältewelle Frankreich im Griff, heute sollen die Temperaturen weiter fallen. Unsere Nachbarn heizen überwiegend mit Strom, produziert in einem der 58 Atomkraftwerke des Landes.

Mehrere Meiler mussten allerdings wegen Sicherheitsmängeln im vergangenen Jahr abgeschaltet werden. Bei Untersuchungen hatten Experten fehlerhaften Stahl in sicherheitsrelevanten Bauteilen entdeckt. Jetzt, wo die Franzosen aufgrund der klirrenden Kälte ihre Elektroheizungen hochstellen, droht der Zusammenbruch der Stromversorgung.

Frankreich auf Strom-Importe angewiesen

Die vier großen deutschen Stromnetzbetreiber waren von den französischen Kollegen vorgewarnt worden. Die Lage sei dennoch „kritisch“, sagt Ulrike Hörchens, Sprecherin des Netzbetreibers Tennet. Ihr Kollege Andreas Preuß vom Netzbetreiber Amprion sagt: „Das deutsche Netz ist aufgrund der Situation ebenfalls stark belastet.“ Ohne massive Stromimporte aus dem europäischen Ausland würden in Frankreich in diesen Tagen die Lichter ausgehen. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben inzwischen die Reservekraftwerke in Deutschland und Österreich aktiviert, um das Netz stabilisieren zu können.

Durch den hohen Stromtransport nach Frankreich drohen Ausfälle. Allgemein sei die Netzstabilität schlechter geworden, erklärt Ulrike Hörchens von Tennet. Grund dafür ist die Einspeisung der Erneuerbaren Energien. Je nach Wetterlage schwankt die Produktion von Wind- und Sonnenenergie stark und damit die Einspeisung in die Netze, was zur Destabilisierung der deutschen Leitungen führt.

In München wird man nichts merken

Sollte es tatsächlich zu Stromausfällen im deutschen und europäischen Verbundnetz kommen, würde man dies als Münchner nicht merken. Der Grund ist die so genannte Inselnetzfähigkeit der Stadt – eine Besonderheit in Deutschland. „Aufgrund der Auslegung und des Aufbaus des Münchner Versorgungsnetzes sowie der heute installierten großen Kraftwerksleistung können die SWM die Stromversorgung in München dann in großen Teilen aufrechterhalten, während es außen herum bildlich gesprochen dunkel wird“, sagt SWM-Sprecher Christian Miehling. Die zentrale Rolle spielt dabei der Kohleblock im Heizkraftwerk Nord. Dieser verfügt über eine Leistung von 365 Megawatt und sei der „Garant für eine sichere und zuverlässige Stromversorgung in München“.

Sollte es wegen Frankreich zu Netzschwankungen kommen, würden die Stadtwerke das Kraftwerk auf Spitzenlast hochfahren. Zudem verfügt das Leitzachwerk über einen Stromspeicher, der bei Bedarf angezapft werden kann. Die Versorgungssicherheit ist in München viel höher als im Rest Deutschlands. Dies belegt eine Statistik der Bundesnetzagentur. War bundesweit im Jahr 2015 jeder private Verbraucher durchschnittlich 12,7 Minuten von einer Versorgungsunterbrechung betroffen, lag der Wert in München nur bei 8,7 Minuten.

Zankapfel Kohlekraftwerk

Das Bürgerbegehren „Raus aus der Steinkohle“ der ÖDP betrachten die Stadtwerke mit Sorge. Das Bündnis will erreichen, dass der Kohleblock im Heizkraftwerk spätestens 2022 abgeschaltet wird. Obwohl mit modernsten Filteranlagen ausgestattet, emittiert das Werk mehr Kohlenstoffdioxid als der gesamte Auto- und Lkw-Verkehr in München. Das Begehren läuft seit dem Jahr 2015. Damit der Bürgerentscheid zustande kommt, fehlen noch rund 8000 Unterschriften. Laut Stadtwerke wäre die Versorgungssicherheit Münchens und Südbayerns nicht mehr gewährleistet, sollte der Kohleblock bereits 2022 abgeschaltet werden.

Ulrich Lobinger

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