Unter der andalusischen Sonne

Das ist Münchens heißeste Investition

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Der Experte erklärt das Spiegelsystem: Dr. Martin Riffeser (r.) hat das Kraftwerk in Südspanien mit aufgebaut.

Granada - Nicht nur der FC Bayern freut sich über spanische Exportschlager! Die Stadtwerke München produzieren mittlerweile den Ökostrom für die bayerische Landeshauptstadt in Granada.

München und Spanien – das ist nicht nur seit Guardiola, Alonso und Thiago eine elektrisierende Verbindung. Andasol heißt der heißeste Exportschlager von der iberischen Halbinsel. Dabei handelt es sich nicht um einen Fußballer, sondern um die Kraft der andalusischen Sonne. Denn: Unser sauberer Ökostrom wird in der Nähe der über 2000 Kilometer entfernten Stadt Granada produziert. Die Stadtwerke haben dort in ein gigantisches Solarthermiekraftwerk investiert. Die tz war mit zwei Leserinnen vor Ort.

Es wirkt wie die Zusammenführung von Science Fiction und Wilder Westen. In der Hochebene von Guadix bei Granada, dort, wo sich im Hintergrund die Gipfel der Sierra Nevada erheben, kleine, verschlafene Dörfchen von nicht viel mehr als Mandelbäumen und rostbrauner Erde umgeben sind, findet man die Gegenwart und die Zukunft der Erzeugung regenerativer Energie. Auf einer Fläche so groß wie 70 Fußballfelder reihen sich riesige Spiegelsysteme aneinander. 

Empfindliche Sensoren registrieren den Sonnenstand, die Flächen richten sich danach aus, bündeln und reflektieren die Strahlen zu einer Brennlinie. Bis zu 400 Grad herrschen darin. Heiß genug, um ein synthetisches Thermo-Öl zu erhitzen, das durch ein Stahlrohr an der Brennlinie entlang gepumpt wird. Das Öl erhitzt Wasser, bis es verdampft und eine Turbine antreibt, ein Generator erzeugt Strom – eine saubere Sache!

Wärme des Tages wird für die Nacht gespeichert

Und was passiert in der Nacht oder wenn die Sonne mal nicht scheint? „Kein Problem für uns“, weiß Kraftwerksgeschäftsführer Dr. Martin Riffeser. „Wir können tagsüber erzeugte Wärme speichern und gezielt abgeben. Dadurch produzieren wir rund um die Uhr Strom.“ Das Prinzip: In gigantischen Salztanks kann die Wärme optimal gespeichert werden. Nachts erhitzt das Salz dann das Wasser – die Turbinen laufen 24 Stunden.

Die Stadtwerke München und andere Anteilseigner haben 2009 eine Arbeitsgemeinschaft – bestehend aus deutschen und spanischen Anlagenbauern – mit der Errichtung des Kraftwerks Andasol 3 beauftragt. Zu diesem Zeitpunkt waren die benachbarten Anlagen Andasol 1 und 2 bereits in Betrieb. Am neuen Kraftwerk haben die Stadtwerke einen Anteil von fast 50 Prozent und stellen damit den größten Gesellschafter. Auch die Stromriesen RWE und RheinEnergie sowie die Technikkonzerne Ferrostaal und Solar Millenium sind beteiligt. 

Ökostrom aus Wind, Wasser, Sonne

Das Kraftwerk Andasol 3 (gelb) ist die jüngste von insgesamt drei Anlagen in Granada.

Andasol 3 war das erste große Engagement der SWM im Rahmen ihrer Ausbauinitiative für erneuerbare Energien. Bis 2025 wollen die SWM so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, wie ganz München benötigt. „Inzwischen wird bereits so viel Ökostrom aus Wind, Wasser, Sonne, und Geothermie produziert, wie alle Privathaushalte, U-Bahnen und Trambahnen in München verbrauchen“, erklärt Dr. Riffeser.

Auch in München scheint die Sonne, warum wurde das Kraftwerk dann nicht hier gebaut? „Man muss dahin gehen, wo die Bedingungen am besten und die Wirtschaftlichkeit am höchsten ist“, sagt der Kraftwerkschef. Die Strahlung in der Hochebene von Guadix ist doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Gründe: geringe Wolkenbildung und klare Luft. Je reiner die Luft, desto seltener bricht sich das Sonnenlicht an Luftpartikel – die Einstrahlung ist also noch direkter.

Zahlen rund ums Kraftwerk

Fläche: 1,5 x 1,3 Kilometer, entspricht rund 70 Fußballfelder

Spiegel: 204 288

Rohre: 21 888 Rohre je vier Meter Länge, entspricht rund 90 Kilometern

Sensoren: 608 Stück

Spezialsalz zur Wärmespeicherung: 30 000 Tonnen (60 Prozent Natriumnitrat und 40 Prozent Kaliumnitrat)

Turbinenleistung: 49,9 Megawatt

Temperaturen vor Ort: -15 Grad bis 40 Grad

Lebensdauer: 40 Jahre 

Stromerzeugung im Durchschnitt: 165 Gigawattstunden, entspricht Strom für 150 000 Menschen

Einsparung pro Jahr: 150 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid

Vergütung einer Kilowattstunde: 29 Cent

Johannes Heininger

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