Stadtwerke suchen nach Erdwärme

Ab Montag rattert’s in der Stadt

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Alle 40 Meter rütteln sie für 40 Sekunden die Straßen durch: So suchen diese Laster nach heißem Wasser im Erdinneren.

München - Die Erde bebt für die Öko-Revolution: Ab Montag erkunden die Stadtwerke (SWM) erneut Münchens Untergrund. Ein Konvoi aus riesigen Lastern donnert durch die Straßen.

Die Stadtwerke schütteln München durch! Denn sie planen bis zu 16 neue Geothermie-Anlagen mit über 3000 Meter tiefen Bohrlöchern unter der Stadt.

Geothermie heißt Erdwärme: Die Laster suchen tief im Inneren nach heißem Wasser, mit dem die Münchner umweltfreundlich heizen und die SWM Öko-Strom erzeugen können. Dafür kriecht der Konvoi durch München. Alle 40 Meter setzen die Laster schwere Schwingungsplatten auf den Boden und rütteln ihn dreimal für jeweils zwölf Sekunden durch. Aus dem Echo errechnen die Experten die Gesteinsschichten. Die Mess-Mikrofone wurden schon verlegt. Die Anwohner spüren die Messungen laut SWM jeweils für rund 20 Minuten.

Die Laster sind in den nächsten Tagen zunächst auf vier Routen unterwegs – je zwei in Ost-West- (A) und in Nord-Süd-Richtung (B):

Route A1 durch Putzbrunn, Perlach, Harlaching, Mitter­sendling, Westpark, Laim, Pasing, Obermenzing.

Route A2 durch Trudering, Neuperlach, Ramersdorf, Giesing, Isarvorstadt, Neuhausen, Nymphenburg.

Route B1 durch Maxvorstadt, Schwanthalerhöhe, Sendling, Thalkirchen, Hinterbrühl.

Route B2 durch Maxvorstadt, Altstadt, Giesing, Harlaching, Perlacher Forst.

Im August geht es in Krailling, Gräfelfing, Lochhausen und Gröbenzell weiter. Freiham schütteln die Experten besonders gut durch, damit sich der Bohrer im nächsten Jahr durchs Gestein fressen kann. Die genauen Routen veröffentlichen die SWM im Internet unter www.swm.de .

Erdwärme für die Fernwärme

Schon heute pumpen die Stadtwerke heißes Wasser durch ein 800-Kilometer Leitungsnetz direkt in die Heizungen Tausender Wohnungen und Firmen – das ist die Fernwärme. Das Problem: Das Wasser stammt derzeit nicht aus erneuerbaren Energien, sondern entsteht als Nebenprodukt aus der Verbrennung von Erdgas, Müll und Kohle zur Stromerzeugung. Bis 2040 wollen die Stadtwerke nur noch Öko – vor allem aus Erdwärme (Geothermie). 3000 Meter unter der Stadt lagert Wasser, das bis zu 140 Grad heiß ist und nach der Nutzung wieder in die Erde fließt. Seit 2004 fördern die Stadtwerke Wärme in Riem. Ende 2012 soll das Werk in Sauerlach ans Netz, das sogar Strom erzeugt.

dac

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